Wirtschaftspolitik

Merkel erwartet mehr Wettbewerbsdruck durch Freihandelsblock um China

Die deutsche Kanzlerin warnt mit Blick auf den neuen Freihandelsblock um China vor erhöhtem Wettbewerbsdruck auf Deutschland. Auch der Chef des Münchner Ifo-Instituts fordert hier neue Schritte Europas im Bereich Handelspolitik.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt mit Blick auf den jüngst in Asien entstandenen Freihandelsblock um China vor erhöhtem Wettbewerbsdruck auf Deutschland. Der Abbau von Handelsschranken sei in diesen schwierigen Zeiten umso wichtiger, sagte die Kanzlerin auf dem Wirtschaftsgipfel der "Süddeutschen Zeitung". China hatte vor wenigen Tagen den weltgrößten Freihandelspakt mit 14 anderen Asien-Pazifik-Staaten besiegelt.

Der Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, forderte als Reaktion auf das sogenannte RCEP-Abkommen (Regional Comprehensive Economic Partnership) handelspolitische Initiativen der EU. Das Abkommen könne ein Weckruf in den USA und Europa sein und eine Aufforderung, die Verhandlungen über den Freihandel zwischen den USA und Europa wieder aufzunehmen. "Die EU sollte dem neuen US-Präsidenten Joe Biden anbieten, unverzüglich die Handelsgespräche wiederaufzunehmen", sagte Fuest.

Die meisten Unterzeichner des neuen RCEP-Abkommens seien untereinander schon vorher durch Handelsabkommen verbunden gewesen. Deshalb sei die kurzfristige wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens in Asien zwar begrenzt, fügte Fuest hinzu. Für Europa könnten sich dennoch Nachteile durch die Umlenkung des Handels ergeben: Es sei möglich, dass europäische Exportprodukte durch Erzeugnisse aus der neuen Freihandelszone ersetzt würden.

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Der neuen Regionalen Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (RCEP) gehören neben China und den zehn ASEAN-Staaten Vietnam, die Philippinen, Singapur, Indonesien, Malaysia, Thailand, Myanmar, Brunei, Laos und Kambodscha auch Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland an. Sie streben eine schrittweise Senkung von Zöllen an. Der Pakt umfasst rund ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung und mit 2,2 Milliarden Verbrauchern rund 30 Prozent der Weltbevölkerung. Laut Hermes hat der Block das Zeug dazu, "ein wirtschaftliches Kraftzentrum" zu werden. (reuters/apa/red)