Deutschland

Konjunktur: "Winterhalbjahr wird hart" - Industrie als Lichtblick

Der deutschen Wirtschaft steht trotz eines Rekordwachstums im Sommer wegen des Lockdowns ein harter Herbst und Winter bevor. Ein Lichtblick in der konjunkturellen Entwicklung sei die Industrie, so das Münchner Ifo-Institut.

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Trotz eines Rekordwachstums im Sommer steht der deutschen Wirtschaft wegen des Lockdowns ein harter Herbst und Winter bevor. "Die zweite Coronawelle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest.

"Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen." So trübt sich die Stimmung der Firmen in Deutschland wegen des voraussichtlich längeren Teil-Lockdowns weiter ein, wie am Dienstag aus der monatlichen Umfrage der Münchner Forscher unter 9.000 Managern hervorgeht. Der Ifo-Index fiel im November um 1,8 auf 90,7 Punkte und damit das zweite Mal in Folge. "Für die deutsche Wirtschaft wird der Herbst ungemütlich", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters. "Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart", warnte auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer.

Ifo: Situation der Industrie ist ein Lichtblick

Die Manager beurteilten den Ausblick für ihre Geschäfte deutlich pessimistischer und ihre Lage etwas schlechter als zuletzt. Das Ifo bezeichnete die Industrie als Lichtblick. "Ihre Lage hat sich deutlich verbessert", sagte Wohlrabe. Die Exporterwartungen der Betriebe liegen allerdings wieder leicht im negativen Bereich. Grund sei der Shutdown bei wichtigen Handelspartnern, vor allem in Europa. Der Industrieverband BDI rechnet 2020 in Deutschland mit einem Produktionsminus der Betriebe von zehn Prozent. "Die Coronapandemie hat eine scharfe Industrierezession ausgelöst", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

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Viele Dienstleister leiden enorm unter dem Teil-Lockdown seit November, den der deutsche Bund und die Länder bis zum 20. Dezember verlängern wollen. "Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt", sagte Ifo-Chef Fuest. "Es wird eine triste Adventszeit: geschlossene Restaurants, keine Weihnachtsmärkte, keine Weihnachtsfeiern, kein Wintersport", ergänzte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Auch der kleine Hoffnungsschimmer bei der Industrie werde "nicht reichen, um eine erneute Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal zu verhindern".

Rekordwachstum im Sommer

Dabei hatte sich die Wirtschaft im Sommer mit einem Rekordwachstum von 8,5 Prozent vom coronabedingten Einbruch um 9,8 Prozent im Frühjahr erholt. Die Verbraucher steigerten ihre Ausgaben massiv um 10,8 Prozent zum Vorquartal, der deutsche Staat erhöhte seinen Konsum um 0,8 Prozent. Unternehmen investierten 16 Prozent mehr in Maschinen und Anlagen. Schwung kam auch vom Außenhandel. Denn die Exporte kletterten um 18,1 Prozent und damit stärker als die Importe mit 9,1 Prozent. Trotz der Aufholjagd lag die gesamte Wirtschaftskraft im dritten Quartal vier Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Beim Blick nach vorne sind viele Fachleute skeptisch. "Insgesamt scheinen die Unternehmen die Verschlechterung der Geschäftsaussichten für die nächsten Monate stärker zu gewichten als die zuletzt positiven Nachrichten über einen Impfstoff", sagte Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der Bank-Austria-Mutter UniCredit.

Commerzbank-Experte Krämer prognostizierte für 2021: "Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen." Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet allerdings, dass noch in diesem Jahr die ersten Bürger in Impfzentren gegen das Coronavirus geimpft werden können. (reuters/apa/red)