Zulieferer

Knorr-Bremse: Rekordumsatz trotz eines unsicheren Marktumfelds

Beim Münchner Bremsenhersteller mit großen Standorten in Österreich läuft es rund: Knorr-Bremse meldet einen Rekordumsatz und eine starke Auftragslage. Wegen der Übernahme der Lenksystemsparte von Hitachi wächst aber die Angst um die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Asien.

Beim deutschen Bremsenspezialisten Knorr-Bremse läuft es ein halbes Jahr nach dem Börsengang rund. Trotz politischer und wirtschaftlicher Risiken hat der Zulieferer für Lastwagen- und Zughersteller den Erlös um 7,5 Prozent auf 6,62 Mrd. Euro gesteigert, wie das Unternehmen in München mitteilt.

Die Effekte des stärkeren Euro herausgerechnet war das Plus sogar bei 10,5 Prozent gelegen. Zum Gewinn machte Knorr-Bremse keine Angaben.

"Es haben alle Regionen zum Wachstum beigetragen", sagte Vorstandschef Klaus Deller bei der Vorlage der Zahlen. "Wir freuen uns, dass die Deutsche Börse mitgeteilt hat, dass das Unternehmen ab dem 18. März in den MDax aufgenommen wird." Dazu: Knorr-Bremse und Dialog rücken in den MDax auf >>

White Paper zum Thema

Trotz eines unsicheren Marktumfelds sei die Nachfrage nach Systemen des Unternehmens für Schienen- und Nutzfahrzeuge auf ein neues Höchstniveau gestiegen, sagte Deller. Ökonomische und politische Risiken nähmen aber zu, hieß es vom Unternehmen. Handelskonflikte und der Brexit seien nur zwei Beispiele dafür.

Zum Unternehmen:
Knorr-Bremse: Zweitgrößter Börsengang des Jahres >>  
Knorr-Bremse: Börsengang bringt fast vier Milliarden Euro >>

Großer Aufwand im Bereich autonomes Fahren

Während viele namhafte Automobilhersteller beim Thema autonomes Fahren in eine unsichere Zukunft blickten, treibe Knorr-Bremse seinen Aufwand bei dem Thema unvermindert fort. "Im Nutzfahrzeug ersetzt autonomes Fahren am Ende den Fahrer", sagte Deller. Das seien 30 bis 35 Prozent der Betriebskosten eines Lastwagens. Lenkzeiten könnten ausgeweitet werden, das zahle sich für die Unternehmen sofort aus.

Angst um Verlagerungen von Arbeitsplätzen nach Asien

Während Deller und Finanzchef Ralph Heuwing am Hauptsitz in München die gute wirtschaftliche Entwicklung lobten, protestierten vor dem Werkstor mehrere Dutzend Beschäftigte, die dazu in der Nacht vom Standort im nordrhein-westfälischen Wülfrath angereist waren. Knorr-Bremse lässt dort Lenksysteme für Nutzfahrzeuge fertigen. Weil der Konzern jüngst aber auch die Lenksystemsparte vom japanischen Maschinenbauer Hitachi übernommen hat, fürchten die Mitarbeiter, dass nun Arbeitsplätze nach Asien verlagert werden könnten. Aufgerufen zu den Protesten hatte die Gewerkschaft IG Metall.

Konzernchef zu Protesten: "Am schnellsten zum Ziel kommen"

Befragt nach der Zukunft des Wülfrather Werks schloss Deller nichts aus. "Es ist dem Rechnung zu tragen, wie wir am schnellsten zum Ziel kommen, eine Position in der Welt als Nutzfahrzeug-Lenkungshersteller zu erreichen", sagte er. Es gebe verschiedene Szenarien. "Bis Mitte des Jahres spätestens müssen wir wissen, wo es hingeht", sagte Deller.

Knorr-Bremse hat als einziges MDax-Unternehmen keinen KV

Die IG Metall hatte in den Tagen davor zudem kritisiert, dass Knorr-Bremse als einziges MDax-Unternehmen keine Bindung an den Metalltarif habe. Der wirtschaftliche Erfolg sei auch auf dem Rücken der Mitarbeiter entstanden, die zum Teil 42 Stunden ohne vollen Lohnausgleich arbeiteten.

Deller wies die Kritik zurück und warf der IG Metall vor, den Betriebsfrieden zu gefährden. Seit 2004 habe die Zahl der Beschäftigten durch Einzelverträge verdoppelt werden können. (dpa/apa/red)