Kraftwerke

Insider: Jetzt sucht Siemens fremden Ankerinvestor für seine Energiesparte

Siemens will seine riesige Sparte für Kraftwerke und Turbinen im Herbst an die Börse bringen - die auch große Standorte in Österreich betreibt. Eingeweihte berichten, dass der Konzern selbst den größten Teil am neuen Unternehmen abgeben und nur einen kleinen Teil selbst behalten will.

Siemens will sich beim geplanten Börsengang seiner Energie-Sparte im Herbst Finanzkreisen zufolge von Anfang an auf eine klare Minderheitsposition zurückziehen. Der deutsche Technologiekonzern wolle nur etwa 30 Prozent an der Siemens Energy AG behalten, die Ende September separat an der Börse gelistet werden soll, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Beteiligung soll auf 25 Prozent "abschmelzen"

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte bisher eine Beteiligung von "etwas weniger als 50 Prozent" am Geschäft mit Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke, Hochspannungsnetzen und Windrädern in Aussicht gestellt, der später bis auf 25 Prozent abschmelzen sollte. Der Rest der Siemens-Energy-Aktien geht an die Siemens-Aktionäre.

Ein Siemens-Sprecher betonte, eine Entscheidung über die Anteilsverhältnisse der Siemens AG an der künftigen Siemens Energy sei noch nicht gefallen. Das Unternehmen wolle sich deshalb zu den "Marktspekulationen" nicht äußern.

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Mit einem schnellen Einzug in den Leitindex Dax, auf den der Konzern gehofft hatte, kann Siemens Energy auch mit einem Streubesitz von 70 Prozent nicht rechnen: Dazu dürfte die Bewertung zu niedrig sein. Der aussichtsreichste Dax-Kandidat, der Wohnungsvermieter Deutsche Wohnen, kommt auf eine Marktkapitalisierung des Streubesitzes von 13 Milliarden Euro.

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Insider: Jetzt sucht Siemens einen Ankerinvestor

Siemens wolle die Energie-Sparte auf jeden Fall von Beginn an aus der eigenen Bilanz eliminieren, sagten mehrere Insider. Bei einem Anteil von deutlich mehr als 30 Prozent könnten die Wirtschaftsprüfer aber befinden, dass der Konzern Siemens Energy - etwa über eine Mehrheit auf der Hauptversammlung - doch noch kontrolliert und sie deshalb konsolidieren muss. Ein Insider sagte, Siemens Energy wolle noch vor dem Gang an die Börse einen Ankerinvestor an Bord nehmen, etwa einen Staatsfonds. Auch der Pensionsfonds für die Siemens-Mitarbeiter könnte - wie bei der Abspaltung von Osram - ein Aktienpaket übernehmen.

Organisiert werden soll der Spin-off von Siemens Energy von den Investmentbanken Goldman Sachs, BNP Paribas, Deutsche Bank und JPMorgan, wie zwei Insider sagten. Sie müssen dabei zwar nicht um Investoren werben wie bei einem gewöhnlichen Börsengang, aber dafür sorgen, dass die Siemens-Energy-Aktie zu der für den 28. September geplanten Erstnotiz nicht abstürzt, wenn technologieorientierte Siemens-Aktionäre ihre Papiere abstoßen.

Eine riesige Sparte verlässt den Konzern

Der scheidende Siemens-Chef Kaeser will mit der Abspaltung der Aktie des Technologiekonzerns auf die Sprünge helfen, die unter den schwachen Renditen in der Energietechnik für fossile Brennstoffe und dem Preiskampf bei Windrädern leidet. Siemens-Energy-Chef Michael Sen will das abgespaltene Unternehmen trotzdem als Profiteur der Energiewende positionieren.

Obwohl Siemens Energy mit mehr als 80.000 Mitarbeitern für fast ein Viertel der Belegschaft und mit 30 Milliarden Euro Umsatz für knapp ein Drittel des Konzernvolumens steht, veranschlagen Experten den Börsenwert - entsprechend den Bewertungen anderer Energietechnik-Konzerne - nur auf 10 Milliarden Euro. Siemens ist an der Börse 74 Milliarden Euro wert. (reuters/apa/red)

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