Industriekonjunktur

Industriellenvereinigung rechnet mit kräftigem Aufschwung 2021

Nach dem historisch massiven Absturz der Wirtschaft infolge der Coronavirus-Pandemie im heurigen Jahr erwarten Österreichs Industrievertreter nun wieder ein erstes kräftiges Wachstum.

Nach dem historisch massiven Absturz der Wirtschaft infolge der Coronavirus-Pandemie im heurigen Jahr erwarten Österreichs Industrievertreter nun wieder ein erstes kräftiges Wachstum. "Dieses Jahr hat uns alles abverlangt, es war ein herausforderndes Jahr, aber mit Blick auf 2021 haben wir Zuversicht und Optimismus", sagte der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Knill, in einer Online-Pressekonferenz.

Wir gehen davon aus, dass 2021 ein so gutes Jahr werden wird, wie wir es seit 20, 30, 40 Jahren nicht mehr erleben durften - wir rechnen mit einem Aufschwung von 5,1 Prozent", so Knill. Allerdings war der Einbruch 2020 weitaus herber und wird damit bei weitem noch nicht wettgemacht. "Für 2020 gehen wir von einem realen Wirtschaftsrückgang von 8,1 Prozent aus - im Vergleich zu Lehman (Finanzkrise 2008/09, Anm.) ist das ein doppelt so hoher Rückgang", so der IV-Präsident.

In Summe sei durch Corona "mehr als 35 Mrd. Euro Schaden" entstanden. "Mehr als 8,5 Mrd. Euro davon trägt Österreichs Industrie."

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Einen Aufschwung im kommenden Jahr ermöglichen soll der dann verfügbare Corona-Impfstoff. "Durch das Ausrollen werden wir wieder zu unseren Kunden können und das beflügelt die Exporte", erklärte Knill. Zudem hätten die Österreicher im Zuge der Krise ihre Sparquote von 7 auf 14 Prozent verdoppelt, was für einen Konsumschub sorgen könnte, der ebenfalls dem Wirtschaftswachstum zugutekäme. Belebend auswirken sollte sich auch die Investitionsprämie der Regierung. Die "dritte Milliarde" dürfte in den nächsten Monaten über 30 Mrd. Euro an Investitionen loslösen.

In einer gemeinsamen Umfrage mit der Universität Wien und dem Meinungsforschungsinstitut IFES hat die IV auch "das aktuelle 'Mindset' der Österreicherinnen und Österreicher in diesem letzten Quartal 2020" erhoben. Heuer sagten 75 Prozent, also drei von vier Befragten, dass Unternehmen für die Schaffung von Arbeitsplätzen stehen, berichtete IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. das seien "etwas mehr als im Vorjahr". Die Industrie werde als Motor der Wirtschaft gesehen und genieße "großes Vertrauen in der Bevölkerung" - hier sei der Anteil von 55 auf 60 Prozent gestiegen. Nur jeder Dritte glaube, dass das wirtschaftliche Klima in Österreich für die Gründung von Unternehmen günstig sei. Fast nur jeder Vierte findet eine selbstständige Tätigkeit als Unternehmer attraktiv. Das müsse also attraktiver gestaltet werden, folgerte Neumayer.

"Der erste Eindruck ist, dass der eigene Arbeitsplatz wieder mehr und stärker geschätzt wird", sagte der Generalsekretär mit Blick auf die Ergebnisse des "ZukunftsMonitors". Weiters sei bei der Digitalisierung "ein großer Schwung passiert". 58 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass Digitalisierung etwas sei, das ihnen helfe, Beruf und Privates besser zu koordinieren - "Stichwort, wie es auch für das Arbeiten von zuhause aus eingesetzt werden kann".

Auf Basis einer Befragung von mehr als 1.000 Mitgliedern deponierte die Industriellenvereinigung heute auch noch einige Weihnachtswünsche an die Regierung - "kurzfristige Maßnahmen", die noch nötig seien, um den in Aussicht stehenden Wirtschaftsaufschwung stemmen zu können. "Zusätzliche Belastungen wie etwas Vermögens-oder Erbschaftssteuern wären der Tod dieses Wachstums", betonte Knill. Vielmehr bräuchte es weiter Hilfe zur Stützung des Eigenkapitals, "zum Beispiel hoffentlich eine baldige Senkung der Körperschaftsteuer".

Die - energieintensive - Industrie benötige auch "eine sinnvolle Klimapolitik", was die Reduktion der Treibhausgase betreffe. Damit verbunden sei eine verbindliche Finanzierungszusage für das EU-Projekt "Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse" (IPCEI) in den Bereichen Dekarbonisierung, Mikroelektronik, Wasserstofftechnologie und Life Science sowie eine "sinnvolle Gestaltung" des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG), also Planungssicherheit und Kosteneffizienz. Klimaschutz und Klimatechnologie müssten als Stärken österreichischer Unternehmen ausgebaut werden.

Weiters brauche die Industrie qualifizierte Fachkräfte. Die Bundesregierung habe 700 Mio. Euro zur Verfügung gestellt - diese gelte es "bestmöglich einzusetzen". Bestehende AMS-Tools und Mittel der Corona-Joboffensive für Qualifizierungsmaßnahmen seien "zielgerichteter einzusetzen". So sollten etwa zusätzliche Mittel der Corona-Joboffensive auf Arbeitsplatznahe Qualifizierung (AQUA) ausgerichtet werden, schlug die IV vor.

Doch müssten auch die Attraktivität sowie die Mobilität der jungen Leute - unter anderem im Bereich der Lehre - gestärkt werden. Die Industrievertreter denken dabei an regionale "Lehrlings-Hubs" mit Wohnmöglichkeiten, Mentoring, Freizeitangeboten und Mobilitätslösungen wie etwa Shuttle-Netzen. Für junge Menschen "soll ein attraktives, motivierendes Gesamtangebot entstehen", so die Vorstellung der IV.

Auch die Investitionstätigkeit und -kraft seien zu fördern. Die Mittel aus dem Recovery Fund der EU sollen laut Industrie für Digitalisierung und Klimaschutz eingesetzt werden. Aus den Mitteln dieses Fonds müsse Österreich zum Beispiel für innovative Klimaschutzinvestitionen 1 Mrd. Euro bereitstellen. Zudem müsse der "Fonds Zukunft Österreich" als Nachfolger der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung umgesetzt werden - "inklusive Budgetzusage vonseiten der Politik".

Und schließlich sollte auch der österreichische Kapitalmarkt gestärkt werden. "Wir begrüßen es zum Beispiel die Behaltefrist für die Kapitalertragssteuer wieder einzuführen", so Knill. Weiters sei vermehrt "Wirtschafts- und Finanzbildung in die Schulen zu bringen". "Wir fordern beispielsweise auch ein Ende der Veröffentlichungspflicht in Papierform in der 'Wiener Zeitung'."

"Das alles benötigen wir noch, um dieses Wachstum im nächsten Jahr bewerkstelligen zu können", so Knill. Die Industrie stehe für über eine Million Beschäftigte und 30 Prozent der Wertschöpfung dieses Landes. (apa/red)