Paketlogistik

In Graz geht erste öffentlich nutzbare Paketstation in Betrieb

Auf dem Gelände der Grazer TU geht Ende Jänner die erste öffentlich nutzbare Paketstation in Betrieb, die Privatpersonen, Gewerbetreibenden und Logistikern zur Verfügung steht. Geplant ist ein Testlauf bis Ende des Jahres.

Kunden erwarten im Onlinehandel mehr Tempo und Flexibilität bei der Anlieferung der Waren. Alternative Zustellmöglichkeiten wie Paketautomaten sind daher auf dem Vormarsch. Eine urbane Paketstation, auf die Privatpersonen und lokal Gewerbetreibende auch unabhängig vom Lieferdienst zugreifen können, geht mit enger Anbindung an den öffentlichen Verkehr Ende Jänner am Campus der TU Graz in Betrieb.

Immer mehr Produkte werden im Internet ver- und eingekauft. Mit einiger Verzögerung hat sich - aus den Bedürfnissen der Kunden so schnell wie möglich an die Ware zu kommen - das System der Paketautomaten entwickelt, an dem die Einkäufe zeitunabhängig abgeholt und Pakete von Händlern verschickt werden können. Kunden erhalten eine Kurzbenachrichtigung mit individuellem Abholcode, sobald die Sendungen an der sogenannten Abholstation bereitliegen. Der Code wird bei der Abholung eingegeben oder eingescannt. Mehrere Anbieter sind mittlerweile am Markt.

Keba und Prime Software machen mit

Eine Paketstation, die allen Logistikdienstleistern, Gewerbetreibenden und Privatkunden offensteht, wird gerade an der TU Graz erprobt. "Wir gehen davon aus, dass Kunden ihre Waren nicht an fünf verschiedenen Plätzen, sondern bei einem, der möglichst arbeits- oder wohnortnahe liegt, abholen wollen. So sind wir auf die Idee des für alle offenen Übergabesystems gekommen", schilderte Projektleiter Norbert Hafner vom Institut für Technische Logistik der TU Graz im Gespräch mit der APA. Die Initiative dazu kam von der Stadt Graz.

White Paper zum Thema

Das Institut hat daher gemeinsam mit der Abteilung für Verkehrsplanung der Stadt Graz, dem oberösterreichischen Automatenanbieter KEBA AG, Prime Software GmbH und dem Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz das Projekt SoWAS ("Skalierbares offenes Waren-Austausch-System") initiiert. Es ist nutzeroffen, gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden und soll damit die Zustellung auf der sogenannten "letzten Meile" optimieren.

Betrieben wird die Paketstation von A1

Im Außenbereich des Campus Neue Technik der TU Graz, unweit der Straßenbahnhaltestelle Linie 6 soll Ende Jänner die erste Paketstation in Betrieb gehen. Die jederzeit zugängliche und mit der Straßenbahn erreichbare Paketstation kann von allen Kurier-, Express- und Paketdiensten, Gewerbetreibenden und Privatpersonen genutzt werden und auch der lokale Austausch von Waren und Gegenständen im gewerblichen sowie privaten Umfeld soll damit unterstützt werden. Gewerbetreibende und lokale Online-Händler sollen hier ihre Waren außerhalb ihrer Geschäftszeiten zum Abholen hinterlegen können. Für den Abholer entstehen keine Kosten, die Reservierung der Fächer liege in der Höhe von "einigen wenigen Euro", so Hafner. Betrieben wird die Paketstation von A1.

"Unser Modell greift den Trend hin zur 'Sharing Economy' auf und steht Logistik-Dienstleistern und Privatpersonen gleichermaßen rund um die Uhr zur Verfügung. Damit wollen wir die Zustell- und Abholwege reduzieren und positiv auf den Stadtverkehr und die urbane Umwelt einwirken", erklärte Hafner. Bis zum Jahresende wollen die Forschenden die Effekte des Systems auf das Mobilitätsverhalten, auf Umwelt und Verkehr evaluieren. Die Ergebnisse sollen als Basis für den weiteren Ausbau des Paketboxen-Netzwerks in Graz dienen und in weiterer Folge auch auf andere Städte übertragbar sein. Gefördert wurde das Projekt von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG. (apa/red)

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