Pharmaindustrie

Impfstoffe: Novartis in Kundl "ein erster Baustein"

Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie beginnt Brüssel, seine Industriepolitik allmählich neu auszurichten. Die Produktion von Impfstoffen innerhalb der EU habe nun "oberste Priorität", so der zuständige Kommissar Thierry Breton . Die Schritte von Novartis am Tiroler Standort Kundl seien "ein erster Baustein", sagt dazu Wirtschaftsministerin Schramböck (ÖVP).

Nur die Europäische Union und die USA könnten große Mengen an Corona-Impfstoffen herstellen, sagte der für die Impfstoffproduktion zuständige EU-Kommissar Thierry Breton nach einem Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Wien. Von Kurz sei er auch über die Kooperation mit Israel und Dänemark informiert worden. "Wir verstehen, dass das wichtig ist", so Breton.

Die Produktion sei nunmehr die oberste Priorität. "Wir wissen, dass die Einrichtungen hier in Europa sind, nicht in Israel" oder anderswo, so Breton. Kurz habe ihm versichert, "absolut null Absicht" zu haben, den gemeinsamen Weg der 27 EU-Staaten zu verlassen, so der EU-Kommissar weiter. Er habe auch nicht den Eindruck, dass Frankreich die Initiative von Israel, Österreich und Dänemark kritisiere, sagte der französische EU-Kommissar.

Die EU sei bei Zulassungen extrem vorsichtig gewesen und liege bei den Impfdosen derzeit vier Wochen hinter den USA. Bisher seien 55 Millionen Impfdosen in der EU geliefert worden, in vier Wochen werde die EU bei 90 Millionen bis 100 Millionen liegen, so Breton.

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Ministerin Schramböck: Kundl ein erster Schritt

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), die an der Unterredung des EU-Kommissars mit dem Kanzler teilnahm, betonte, es sei über konkrete Produktionsmöglichkeiten in Österreich gesprochen worden. Mit dem Hersteller Novartis und der Vakzine-Produktion in Kundl in Tirol sei "ein erster Schritt in die richtige Richtung getan". Dies sei "ein erster großer Baustein, ich bin überzeugt, weitere werden folgen". Ab dem 3. Quartal werde dort Impfstoff produziert werden. Schramböck will das Werk am Dienstag besuchen.

Außerdem habe man mit Breton über den EU-Plan namens "Hera Incubator" gesprochen, der auf die Entdeckung der mutierten Viren, schnelle Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen und Ausbau der Impfstoffproduktion in der EU zielt. Österreich könne hier ein wichtiger Beitragsleister sein, sagte Schramböck. Wien habe Spitzen-Pharmaunternehmen, sie nannte etwa Boehringer-Ingelheim.

EU verhängt Exportstopp bei Astrazeneca

Angesprochen auf den russischen Impfstoff Sputnik V, dessen Zulassung nun auch von der EU geprüft wird, sagte Breton, der Impfstoff sei sehr gut, aber schwierig und komplex herzustellen. Es könne daher sein, dass die EU auch einmal "unseren russischen Freunden helfen" muss. Mit dem ungarischen Premier Viktor Orban, dessen Land Sputnik V bereits einsetzt, habe er vor seinem Besuch in Österreich ein gutes Gespräch geführt, so Breton.

Der EU-Kommissar verteidigte zudem den Exportstopp Italiens von 250.000 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs gegenüber Australien. Die EU müsse ein Instrument haben, um sicherzustellen, dass die Hersteller vereinbarte Mengen liefern, so der EU-Kommissar. Dies sei aber gegen niemanden gerichtet. (apa/red)