Mondi-Chef Oswald

Harte Kritik an Förderung der Biomasse-Anlagen

Nicht erst seit der Pleite des Biomassewerks Güssing im Juli stören sich verschiedene Interessensgruppen - wie IV oder AK, vor allem aber Papierindustrie - an Subventionen für Biomasse-Anlagen.

Papier- und Holzindustrie Mondi Peter Oswald

Peter Oswald: "Österreich ist derzeit der schlechteste Papier- und Zellstoffstandort in Europa. Für unser Werk in Frantschach ist das eine echte Bedrohung."

Die Pelletsproduktion stieg im vergangenen Jahr um 900.000 Tonnen, die Förderungen für Biomasse-Anlagen betrugen 275 Millionen Euro, schreibt "Die Presse" am Samstag. Papier- und Holzindustrie sorgen sich wegen steigender Preise zunehmend um Standorte in Österreich, wie konkret der Papierriese Mondi um den Standort Frantschach in Kärnten mit rund 450 Mitarbeitern. Forstbesitzer verdienen dagegen derzeit gut mit Holz.

"Schlechtester Papier-Standort Europas"

"Österreich ist derzeit der schlechteste Papier- und Zellstoffstandort in Europa. Für unser Werk in Frantschach (Bezirk Wolfsberg in Kärnten, Anm.) ist das eine echte Bedrohung", sagt Peter Oswald, der International-Chef des südafrikanischen Papierkonzerns Mondi zur Zeitung. Bereits im Frühjahr meinte Oswald, Biomasse sei "kein erneuerbarer Energieträger". Die Holzkosten würden hierzulande um ein Fünftel über anderen Mondi-Werken in der EU liegen. Das liege daran, dass 37 Prozent des Holzes importiert werden müssten - "weil zehnmal so viel Biomasse verbrannt wird wie vor zehn Jahren. Nicht zuletzt deshalb, weil wir eine der höchsten Biomassesubventionen in Europa haben."

Mondi-Konkurrent Sappi hatte bereits angekündigt, nicht mehr in das Werk Gratkorn in der Steiermark investieren zu wollen. Auch heimische Spanplattenproduzenten kritisieren Biomasse-Boom und -Förderung regelmäßig. "Einen weiteren Ausbau der Biomasseanlagen kann es einfach nicht geben", meint auch Christoph Kulterer, Säge-Chef in der Wirtschaftskammer. Er kritisiert in der Zeitung vor allem Biomasseanlagen wie jene in Simmering, bei denen der Rohstoff weit transportiert werden müsse.

"Unabhängige Rechtsexperten sehen das als klaren Beleg, dass die gesetzliche Regelung nicht erfüllt wird, da Biomasse durch die hohe Förderung der stofflichen Nutzung entzogen wird", trommelt die Austropapier, Vereinigung der heimischen Papierindustrie, seit Monaten. Die "Überförderung der Biomasseverbrennung" erzeuge eine Kostenspirale nach oben. "Die Förderpolitik leitet Holzströme fehl."

Biomassepräsident Horst Jauschnegg hält dem in der "Presse" entgegen: "Der Großteil geht in die Wärmeproduktion, und diese wird nicht gefördert." Vom Verband Propellets Austria war am Samstag kurzfristig niemand zu erreichen.

Investitionsförderung für alle

Mondi-Chef Oswald meint, wenn es schon Biomasseförderungen gebe, "dann muss es eine Investitionsförderung sein, die für alle, auch für die Eigenversorger, gilt". Die Anlagen müssten einen Wirkungsgrad über 70 Prozent aufweisen, es müsse eine Kraft-Wärme-Kopplung zur Nutzung der Abwärme nach der Verstromung geben, und es dürften nur kleine Kraftwerke für die Nahversorgung gefördert werden. "Wo größere Verbraucher mit stofflicher Nutzung (Papierfabriken, Plattenfabriken, Anm.) sind, sollte im Umkreis von 50 Kilometern keine thermische Verwertung von Holz zugelassen werden", fordert der Industrie-Kapitän in der "Presse". "Spezielle, über Jahre garantierte Einspeistarife sollten generell nicht mehr gewährt werden."

Frantschach "könnte in die Verlustzone rutschen"

Zurück zum Standort Frantschach - der Mondi-Europa-Chef meint dazu im Blatt weiter, dass es "in der derzeitigen starken konjunkturellen Situation" die Konsequenz gebe, "dass wir in Frantschach um 15 bis 20 Millionen Euro weniger verdienen. Sollte die Kapazität in diesem Nischenprodukt, das wir dort erzeugen, in den USA erweitert werden - und danach sieht es aus -, dann könnte unser Werk in die Verlustzone rutschen. Wir haben in der Gruppe mehrere Fabriken, die ein ähnliches Produkt herstellen. Da war Frantschach im internen Wettbewerbsranking immer auf dem zweiten Platz. Seit einem Jahr liegt es an vierter Stelle." Österreich habe aber immerhin noch den Wettbewerbsvorteil der großen Forstflächen. Aber: "Das Holz, das wir brauchen, ist wegen der starken Konkurrenz durch hoch geförderte Biomassewerke nicht ausreichend verfügbar." Aus Bulgarien und Rumänien importiertes Holz sei wegen der Anfahrtswege auch nicht billiger für Mondi in Frantschach als einheimisches Holz. (APA)

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