Anlagenbau

Großauftrag: Kohlbach liefert Kraftwerk-Anlage an Cuxhaven

Die Kärntner Kohlbach-Gruppe meldet den größten Auftrag ihrer Firmengeschichte: Der Anlagenbauer wird ein Holz-Heizkraftwerk für Cuxhaven im hohen Norden Deutschlands produzieren. Die Kärntner liefern drei Kraftwerks-Einheiten mit 17 Megawatt Leistung sowie die dazu gehörende Automatisierungssoftware.

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Anlagenbau Kraftwerkbau Kohlbach Standort Kärnten

Die Kärntner Kohlbach-Gruppe hat einen Großauftrag in Norddeutschland gewonnen. Der Anlagenbauer wird ein Holz-Heizkraftwerk der Superlative für den Hafen in Cuxhaven produzieren. Eigentümer Walter Kohlbach: "Wesentliche Teile des neuen Werks der Holz-Heizkraftwerke Cuxhaven GmbH (HHC) liefern zu können, ist der größte Einzelauftrag unserer Firmengeschichte."

Kohlbach plant und errichtet seit 1959 Kraft-Wärme-Anlagen. Bisher hat der Anlagenbauer 1.500 Anlagen in 30 Ländern in Betrieb genommen – zuletzt sogar in Madagaskar. Das 1945 gegründete Familienunternehmen Kohlbach betreibt in Kärnten Standorte in Bleiburg und Wolfsberg sowie weitere Standorte in Kroatien, Deutschland, Frankreich, Russland und der Schweiz. Die Gruppe beschäftigt rund 200 Mitarbeiter in acht Unternehmen in fünf Ländern und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 35 Millionen Euro.

Zum Projekt in Cuxhaven

Das Volumen des Auftrags in Cuxhaven liege im zweistelliger Millionenbereich, so Kohlbach. Die Fertigstellung ist in den Jahren 2021/2022 geplant. Das Projekt im hohen Norden Deutschlands und die ganze Anlagentechnik wurde in eine bemerkenswerte Architektur eingeplant, welche passend für Cuxhaven einem Schiffsrumpf nachempfunden ist. Das Projekt wird durch einen auf erneuerbare Energie-Projekte spezialisierten Fonds finanziert. Dieser Fonds wird von der Fontavis AG verwaltet, die wiederum zur Swiss Life Asset Management AG gehört.

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17 Megawatt Leistung

Die besondere Herausforderung bestand laut Kohlbach darin, die aufwändige Anlage in ein bestehendes Gebäude einzupassen. Mit hohem architektonischem Anspruch formt die Gebäudehülle ein Schiff. Darin sind drei Kraftwerks-Einheiten mit einer Leistung von insgesamt 17 Megawatt unterzubringen. Das Herzstück der Anlage entsteht im Werk in Bleiburg. Im April 2021 werden bereits erste Teile vor Ort montiert. "Für die komplexe Planung brauchte es erfahrene Spezialisten", kommentiert Walter Kohlbach. Die Gespräche dazu mit den Cuxhavener Heizkraftwerken hätten mehr als ein Jahr gedauert.

Komplexe Umwelttechnologie

Das neue Holzkraftwerk wird Schadholz aus den immer stärker vom Borkenkäfer befallenen deutschen Wäldern einerseits zur Erzeugung von Wärme, andererseits von elektrischem Strom verbrennen. „Die im Hafen liegenden Schiffe lassen teilweise immer noch ihre mit Schweröl betriebenen Schiffsmotoren als Generatoren laufen“, spricht Kohlbach ein weiteres Umweltproblem an, das mithilfe des neuen Holz-Heizkraftwerks gelindert wird. Die entstehende Prozesswärme wird übrigens im angrenzenden Gewerbegebiet genutzt.

Das Heizkraftwerk der HHCA Cuxhaven besteht im Kern aus einem Kesselhaus, welches drei holzbefeuerte Hochdruckdampfkessel beherbergt, samt Hochdruckdampfkreis bis zur Übergabe in Richtung der zentralen Turbine und dem Kondensatkreis sowie den Rauchgasreinigungsanlagen.

Anlage, Engineering und Automatisierungssoftware aus Kärnten

Die gesamte Anlagentechnik des Kesselhauses im Heizkraftwerk wird dabei vom Hause Kohlbach inklusive des Engineerings geliefert, installiert und in Betrieb gesetzt, samt der dazugehörigen Automatisierungshardware und Software.

Das Heizkraftwerk basiert auf einem Dampfturbinenkonzept. Die Dampfturbine wird mit überhitztem Dampf bei ca. 445°C und 50 bar betrieben. Die drei Kesselanlagen sind jeweils mit der aus zahlreichen Biomasse Heizkraftwerken bekannten Kohlbach K12 Feuerungstechnologie ausgestattet. Dabei wird der naturbelassene Brennstoff in einer vollschamottierten Verbrennungsanlage mit wassergekühltem hydraulischem Vorschubrostsystem und stehender Nachverbrennungszone vollständig verbrannt, bevor die Rauchgase in einem Abhitzekesselsystem die Wärme zur Dampferzeugung und Dampfüberhitzung abgeben.

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Danach folgen mehrere Stufen der Wärmerückgewinnung, sowie der Rauchgasreinigung. Der erzeugte Dampf wird hernach in der Turbine zur Ökostromproduktion entspannt, sowie für einen nahegelegenen Industriebetrieb als Prozessdampf ausgekoppelt und versorgt auch noch die Fernwärmekunden der Anlagen mit grüner Wärme.