Zulieferindustrie

Gemeinschaftsfirma von Miba und der Zollern Gruppe startet

Die vom oberösterreichischen Autozulieferer Miba und der deutschen Zollern Gruppe gegründete Gemeinschaftsfirma für Gleitlager hat ihren operativen Betrieb gestartet. Nach Ablehnung deutscher Behörden ist diesem Schritt eine seltene Ministererlaubnis aus Berlin vorausgegangen.

Die Gemeinschaftsfirma für Gleitlager des oberösterreichischen Autoteileproduzenten Miba und des süddeutschen Metallverarbeiters Zollern hat ihren operativen Betrieb gestartet.

Firmensitz in Oberösterreich

Das neue Unternehmen hat seinen Sitz in Laakirchen in Oberösterreich. Miba brachte ihre fünf Produktionsstandorte für Motorengleitlager, die rund 20 Prozent des Umsatzes der gesamten Gruppe erwirtschaften, in das Gemeinschaftsunternehmen ein und hält nun 74,9 Prozent.

Die deutsche Zollern steuerte ein Motorengleitlager- und zwei Industriegleitlager-Werke bei. Die Miba Bearing Group ist damit auf weltweit 12 Produktionsstandorte gewachsen: die acht Werke des Gemeinschaftsunternehmens und vier 2018 von John Crane übernommene, die nicht Teil des Joint Ventures sind.

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Seltene Ministererlaubnis aus Berlin

Anders als wiederholt in einigen Medien berichtet, handelt es sich also nicht um eine Fusion beider Hersteller, sondern um ein neu gegründetes Gemeinschaftsunternehmen.

Möglich wurde es durch eine Erlaubnis aus Berlin. Denn heuer im Jänner hat das deutsche Bundeskartellamt die Pläne von Miba und Zollern untersagt. Daraufhin beantragten beide Unternehmen eine Ministererlaubnis, die nun vom deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erteilt wurde. Der Antrag der Mittelständler war erst der 23., seitdem solche Ministererlaubnisse im Jahr 1973 gesetzlich ermöglicht wurden.

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"Wir wollen keine Steuergelder"

Heuer im Frühjahr hat Zollern-Geschäftsführer Klaus Erkes eindringlich für diese Erlaubnis geworben. DerDeutschen Presseagentur sagte der Firmenchef: "Wenn die Ministererlaubnis verweigert wird, müssen wir schauen, wie das Geschäft noch wirtschaftlich zu betreiben ist." Das Gemeinschaftsunternehmen mit einem geplanten Gesamtumsatz von 300 Millionen Euro würde die Möglichkeit geben, Forschungsstandorte auszubauen. "Wir wollen keine Steuergelder", sagte Erkes. "Wir wollen nur keine Behinderung. Wir wollen Gerechtigkeit im Einzelfall."

Die Kunden beider Hersteller seien "nicht gegen die Zusammenlegung, sie begrüßen sie sogar. Das Joint Venture wäre nicht zum Schaden von Verbrauchern." Das Kartellrecht dürfe nicht auf eine deutsche oder europäische Perspektive beschränkt sein: "Wir brauchen einen Weltmaßstab."

Miba und Zollern reagieren auf "aggressive Konkurrenz" aus Asien

Der Fall passe idealtypisch zur Industriestrategie, meinte Erkes im Frühjahr. "Es geht darum, ein europäisches Unternehmen zu schaffen, um mit der Konkurrenz aus Japan mithalten zu können, die aggressiv im Markt unterwegs ist. Im Markt für große Gleitlager gibt es Überkapazitäten. Gemeinsam wären wir stärker."

(red mit APA/dpa)

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