Energieversorgung

Gegen Serbiens Protest: Kosovo schafft gemeinsamen Strommarkt mit Albanien

"Ein energetisches Groß-Albanien wird es nicht geben", so die Position Serbiens - doch im Stromsektor hat der Kosovo nun die Weichen für den gemeinsamen Markt mit Albanien gestellt.

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Zwischen Serbien und dem Kosovo ziehen neue Spannungen auf. Das seit 2008 unabhängige und hauptsächlich von Albanern bewohnte Land will sein Stromnetz an jenes des benachbarten Albanien anschließen. Ein diesbezügliches Abkommen unterzeichneten Vertreter der Elektrizitätsversorger beider Länder in Tirana, berichtete das kosovarische Portal "koha.net"abend. Belgrad protestierte umgehend.

Das Abkommen bewirkt, dass sich der kosovarische Stromversorger künftig vom serbischen Übertragungsnetzbetreiber EMS abkoppeln und an den albanischen Netzbetreiber ÜNB anschließen kann. Es soll im April 2020 in Kraft treten.

Gemeinsamer albanischer und kosovarischer Markt ist im Stromsektor schon Realität

Serbien geht davon aus, dass die frühere serbische Provinz Kosovo sich mit Albanien zu einem "Groß-Albanien" vereinigen will. Der Kosovo wird heute, nach überdurchschnittlich hohen Geburtenraten von Kosovo-Albanern ab dem 20. Jahrhundert, mehrheitlich von Albanern bewohnt. Kosovo-Albaner und Albaner sprechen dieselbe Sprache.

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Serbien betrachtet den Kosovo nach wie vor als eigenes Staatsgebiet. Marko Djuric, der Leiter des serbischen Regierungsbüros für das Kosovo, legte scharfen Protest ein. "Ein energetisches Groß-Albanien wird es nicht geben", erklärte er in Belgrad.

16 Staaten widerrufen Anerkennung des Kosovo

Faktisch hatte Serbien 1999 die Kontrolle über seine frühere Provinz verloren, nachdem die NATO mit Luftangriffen gegen die Vertreibung von Albanern durch die serbischen Sicherheitskräfte interveniert hatte. Die einseitige Unabhängigkeitserklärung im Februar 2008 wurde von einem großen Teil der internationalen Gemeinschaft, darunter den USA und fast allen EU-Staaten, anerkannt, nicht aber von den UNO-Vetomächten Russland und China.

Beobachtern zufolge ringt Serbien mit russischer Unterstützung auf internationaler Bühne darum, die Anerkennung seiner früheren Provinz durch andere Länder zu verhindern.

Im Vorjahr hat die internationale Polizeiorganisation Interpol dem Kosovo die Aufnahme verweigert. Pristina gab dafür Belgrad die Schuld und reagierte mit hohen Strafzöllen auf die Einfuhr von Waren aus Serbien.

Vor wenigen Wochen gab der serbische Außenminister Ivica Dacic bekannt, dass inzwischen 16 Staaten die Anerkennung des Kosovo rückgängig gemacht hätten, zuletzt das westafrikanische Land Ghana.

Laut dem US-Sender Radio Free Europe war bei diesen Rückziehern Russland am Werk. So sollen in einigen Fällen der Entscheidung dieser Staaten bilaterale Abkommen mit Russland voraus gegangen sein, die deren Bürger von der Visapflicht bei der Einreise nach Russland befreiten.

Kritiker weisen immer wieder darauf hin, dass die EU deutlich mehr Geld in Serbien investiert und als Förderungen ins Land überweise als Russland, in der Öffentlichkeit jedoch die Sympathie gegenüber Moskau höher sei. (red mit dpa/apa)

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