Ergonomiehilfen

Exoskelette bei Stora Enso: "Nicht ins Unternehmen pushen"

Seit April testet die Holzproduktedivision von Stora Enso in den heimischen Sägewerken Bad St. Leonhard, Brand und Ybbs den Einsatz von Exoskeletten. Warum nicht Outputsteigerung, sondern das Mitarbeiterwohl das zentrale Anliegen ist, schildert der Programmmanager für Digitalisierung, Martin Schagerl.

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Story Enso Holverarbeitung Exoskelette Orthesen Martin Schagerl

Es sind perfekt eingespielte Prozesse. Bis zu vier Meter lange Rundholzstämme werden in den 17 Sägewerken der Division Wood Products des finnisch-schwedischen Holzkonzerns Stora Enso zu Latten zersägt, dann händisch manipuliert und anschließend zu Endprodukten weiterverarbeitet. Der Leitsatz "Everybody home safe, every day" ist im Unternehmen, das die Anteile der sehr körperintensiven Arbeiten bereits durch zahlreiche Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekte verringerte, dabei die oberste Maxime.  "Sicherheit und Gesundheit steht in allen Aspekten im Vordergrund und soll auch noch erhöht werden", schildert Martin Schagerl, Programmmanager für Digitalisierung in der Holzproduktedivision.

So werden unterschiedlichste Strategien, um die teils monotonen und ergonomisch ungünstigen Arbeiten für die Beteiligten einfacher zu gestalten, verfolgt. Auch der Einsatz von Exoskeletten rückte aufs Tableau: So sei es "beachtlich und großartig", was in der Prothetik bewerkstelligt werde, sagt der Experte.  

Stora, Enso, Schagerl © Michael Schafranek

"Es ist beachtlich und großartig, was in der Prothetik bewerkstelligt wird."
Martin Schagerl, Programmmanager für Digitalisierung, Holzproduktedivision Stora Enso

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Mehrheitlich passive Orthesen

Ohne Viruspandemie wäre die Evaluierung von Exoskeletten als Handlinghilfen in den drei heimischen Sägewerken in Bad St. Leonhard, Brand und Ybbs wohl schon früher über die Bühne gegangen. Nun starteten die Tests mit ausgewählten Geräten leicht verzögert Anfang April. Kein Problem, da man die Technologie ohnedies nicht an Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vorbei "ins Unternehmen pushen wolle", sagt Schagerl.

Stora, Enso, Exoskelette © Stora Enso

Auch keinen monetären Business Case – etwa höheren Produktionsoutput infolge prothetischer Unterstützung – verfolge man übrigens, soviel sei klargestellt. 2019 setzten sich die Sicherheitsfachkräfte aus den drei Werken in Abstimmung mit dem Betriebsrat und Arbeitsmedizinern zusammen und schmiedeten zunächst ein Ablaufschema für die Evaluierung. 90 Prozent der nun für Tests an unterschiedlichen Arbeitsplätzen definierten Modelle sind passive, also rein mechanische, etwa mittels Seilzügen und Federn realisierte, Orthesen. 

Hilfe bei der Magazinbefüllung 

Etwa zur Unterstützung des Rückens, etwa für das bodennahe Aufnehmen oder Ablegen von Werkstücken. Aber auch der Hand oder der Schulter, letzteres ist bei der Magazinbefüllung, bei der Teile in Überbrusthöhe zu handhaben sind, hilfreich. Der einzigen aktiven Orthese - der "eisernen Hand" - räumt man aktuell nur Außenseiterchancen ein. Sie scheint mit ihrer externen Unterstützungsstruktur auf den ersten Blick "zu komplex für den vorgesehenen industriellen Einsatz im Unternehmen. "Das Feedback der Belegschaft wird letztendlich aber auch hier Aufschluss über die Anwendbarkeit geben“, sagt Schagerl.