Interview

„Digitalisierung ist ein Umsetzungsthema“

Bernhard Kienlein, Head of Digital Industries CEE bei Siemens Österreich, über die Gemeinsamkeiten von Prozessindustrie und diskreter Fertigung – und welche Vorteile die Zusammenführung beider Bereiche in einer Division bringt.

Herr Kienlein, mit der neuen Siemens-Konzernstruktur wird in Österreich aus zwei Divisionen (Digital Factory, Process Industries and Drives) eine Einheit. Sie stehen dieser neuen Organisation seit 1. April vor. Wie erklären Sie es dem Kunden?

Bernhard Kienlein Die beiden Divisionen haben in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Sie entwickelten sich in sehr unterschiedlichen, fordernden Marktumfeldern erfolgreich weiter. Fest steht aber auch: Blickt man auf die Anwendungsebene, dann sieht man dort immer häufiger hybride Anwendungen und ganzheitliche Konzepte. Diese gilt es klar zu bedienen. Als Operating Company innerhalb von Siemens ist Digital Industries wesentlich deutlicher für ihr Geschäft verantwortlich als die beiden bisherigen Einheiten. Das bringt Verantwortung gegenüber den Stakeholdern. Es bringt aber auch zusätzliche Freiheiten. In der neuen Organisationsstruktur liegt die erfolgreiche Geschäftsausrichtung im absoluten Fokus.

Mit dem CEE-Raum tragen Sie von Wien aus die Gesamtverantwortung für 21 Länder, neu dazugekommen sind Tschechien und Polen. Die begrüßt man herzlich, oder?

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Kienlein Das ist eine klare Mehrwertstrategie. Nur gemeinsam wird man stärker. Und treibt die digitale Transformation in der Industrie mit immer neuen, frischen Ideen voran.

In Hannover zeigte Siemens Cases zu internationalen Brownfield-, aber auch Greenfield-Projekten mit starker Digitalisierungskomponente, etwa in China. Wie ist es um Österreich bestellt?

Kienlein Ich denke, wir haben es geschafft, uns als maßgeblicher Treiber bei der Umsetzung der Digitalisierung zu positionieren. Die Produktivitätshebel sind bekannt. Dass sich die übergeordnete Lebenszyklusbetrachtung im Prozesswesen und der diskreten Fertigung mithilfe digitaler Architekturen und Hilfsmittel lohnt. Dass Digitalisierung nicht nur wie beim digitalen Zwilling vorwärtskompatibel, sondern mit Blick auf Bestandsanlagen auch rückwärtskompatibel sein muss. Jetzt geht es darum, den Schwung zu nutzen und wertsteigernd einzusetzen. Digitalisierung ist heute ein Umsetzungsthema. Das freut mich ganz besonders.

Ihr neues Prozessleitsystem auf Webbasis (SIMATIC PCS neo) erleichtert das kollaborative Arbeiten über Standorte hinweg. Weil es heute ohne schnelle Feedbacks nicht mehr geht?

Kienlein Natürlich sind schnelle Feedbacks im Projektgeschäft von hoher Relevanz. Im Vordergrund steht jedoch die Möglichkeit, global aufgestellte Engineering Teams noch besser und funktionaler miteinander zu vernetzen. Mit PCS neo greifen alle Projektbeteiligten zu jeder Zeit und egal von wo webbasiert und einfach auf alle Projektinformationen zu. Dieser neue und intuitive Multi-Engineering-Ansatz ermöglicht paralleles Arbeiten von einer beliebigen Anzahl an Teilnehmer und erfordert keine lokale Softwareinstallation mehr. SIMATIC PCS neo erfüllt damit höchste Anforderungen zur weltweiten Zusammenarbeit in Zeiten der Digitalisierung.

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