Maschinenbau

Deutsches Kartellamt verbietet Miba Fusion in der Gleitlager-Sparte

Der österreichische Maschinenbauer wollte einen Teil der Produktion von Gleitlagern mit der deutschen Zollern-Gruppe zusammenlegen. Das gehe nicht, meint das deutsche Bundeskartellamt: Beide Hersteller seien in diesem Segment schon zu stark. Miba will sich jetzt wehren.

Das deutsche Bundeskartellamt hat ein geplantes Joint-Venture zur Fusion von Gleitlageraktivitäten zwischen der österreichischen Miba und der deutschen Zollern-Gruppe untersagt, teilten die Wettbewerbshüter mit. Die Untersagung ist noch nicht rechtskräftig. "Wir bedauern die Entscheidung und werden Rechtsmittel einlegen", sagte Miba-Sprecher Wolfgang Chmelir zur APA.

Kartellamt: Miba und Zollern beide sehr stark aufgestellt

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, erklärte, Gleitlager spielten im Maschinen-, Anlagen- und Motorenbau eine zentrale Rolle. Die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit von Motoren werde maßgeblich durch die Gleitlagertechnik bestimmt.

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Miba und Zollern seien insbesondere bei Gleitlagern für Großmotoren, wie sie etwa in Schiffen, Lokomotiven oder Stromaggregaten zur Anwendung kommen, sehr stark aufgestellt. "Durch den Zusammenschluss würde für die Abnehmer aus den entsprechenden Industriezweigen sowohl in Deutschland als auch dem europäischen Ausland eine wichtige Ausweichalternative bei der Beschaffung von Gleitlagern wegfallen. Letztlich war das Vorhaben daher zu untersagen."

Das waren die ursprünglichen Pläne der Hersteller

Die Unternehmen hatten geplant, ihre jeweiligen Aktivitäten im Bereich hydrodynamische Gleitlager in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammenzuführen, an dem Miba mit 74,9 Prozent und Zollern mit 25,1 Prozent beteiligt sein sollte.

Das Joint-Venture zwischen Miba und der Zollern-BHW-Gruppe solle Teil der Miba-Bearing-Gruppe werden, hatte es in einer Miba-Mitteilung von Ende Juni 2018 geheißen. Zollern BHW erziele mit rund 600 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 70 Mio. Euro und verfüge über zwei Produktionsstandorte in Deutschland und ein Werk in Brasilien. Die Miba-Gruppe macht rund 888 Mio. Euro Umsatz und beschäftigt rund 7.400 Mitarbeiter.

"Jeweils wesentliche Wettbewerber im stark konzentrierten Markt"

Das Bundeskartellamt teilte heute weiter mit, die Ermittlungen hätten ergeben, dass die beiden Unternehmen "die jeweils wesentlichen Wettbewerber in einem bereits stark konzentrierten Markt sind" und insbesondere über eine herausragende Stellung beim Entwicklungs-Know-how und der angebotenen Bandbreite der vom Zusammenschlussvorhaben primär betroffenen Gleitlager verfügten.

Schon jetzt sei für die Kunden ein Wechsel zu einem der wenigen alternativen Anbieter aufwändig und kostenintensiv. Durch den Zusammenschluss würde sich diese Situation weiter verschärfen, "da mit Miba und Zollern zwei für die Kunden besonders enge Wettbewerber zusammengehen würden." Berücksichtigt worden sei auch, dass ein Markteintritt neuer Unternehmen in die Produktion der speziellen Gleitlager unwahrscheinlich sei. (apa/red)

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