Metall- und Elektroindustrie

Deutsche Industrie: Nachfrage nach "Made in Germany" gerät ins Stocken

Die Aufholjagd der Industrie wird neuerlich eingebremst. Was den bisherigen Konjunkturaufschwung vor allem in Metall- und Elektroindustrie plötzlich behindert.

Metallindustrie Elektroindustrie Deutschland Industriekonjunktur

Die deutsche Industrie hat im Juni wegen der starken Nachfrage aus dem eigenen Land das größte Auftragsplus seit zehn Monaten geschafft. Die Unternehmen sammelten um 4,1 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat. Das ist der größte Zuwachs seit August 2020.

Materialmangel und fehlende Teile bremsen nach Einschätzung von Gesamtmetall die Erholung in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Zwar hielt die starke Nachfrage nach "Made in Germany" im zweiten Quartal an, die Produktion schrumpfte gegenüber dem ersten Vierteljahr aber um 1,5 Prozent, wie der Arbeitgeberverband mit Blick auf Daten des Statistischen Bundesamts berichtete.

>> Lesen Sie dazu auch: Deutsche Industriebetriebe beklagen Engpässe

Damit sei die Erholung vorerst ins Stocken geraten. Dennoch deutet sich an, dass die Unternehmen nach dem vergangenen Beschäftigungsabbau wieder vermehrt einstellen wollen.

White Paper zum Thema

"Rund 75 Prozent der M+E-Unternehmen gaben im Juli an, durch Materialknappheit in der Produktion behindert zu werden", erläuterte Gesamtmetall-Chefvolkswirt Michael Stahl. Es fehle an Halbleitern sowie an Stahl und Kunststoffen. Die Produktionsbehinderungen dürften noch bis ins zweite Halbjahr hineinreichen. Der Rückgang traf im Zeitraum April bis Juni vor allem den Fahrzeugbau (minus 9,5 Prozent), aber auch den Maschinenbau (minus 1,3 Prozent). Die Produktion der Elektroindustrie legte dagegen um 2,7 Prozent zu.

Die Auftragsbücher der Metall- und Elektroindustrie sind dank der weltweit starken Nachfrage dagegen gut gefüllt. Im zweiten Vierteljahr stiegen die Bestellungen um 5,2 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Im ersten Halbjahr insgesamt verbuchten die Unternehmen ein kräftiges Auftragsplus von 33,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Bei der Beschäftigung deutet sich den Angaben zufolge eine Trendwende an: Zwar ging die Zahl der Mitarbeiter im Mai weiter zurück, um 3,0 Prozent auf etwa 3,8 Millionen. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen deuteten aber darauf hin, dass sie wieder vermehrt einstellten und der Abbau im dritten Quartal auslaufe.

Auch interessant:
>> Nach trüber Stimmung - deutsche Industrie wächst wieder
>> Deutsche Industrie trotz Lieferengpässen optimistischer