Zulieferindustrie

Continental prüft Verkauf seiner riesigen Antriebssparte

Zulieferriese Continental will seine Antriebssparte Powertrain vielleicht ganz abspalten. In Österreich sind in der Sparte 1.000 Menschen tätig. Einer Zeitung zufolge sind neun von 32 Werken dieser Sparte bedroht.

Der deutsche Zulieferer Continental erwägt neben einem Teilbörsengang seiner Antriebssparte Powertrain wegen der unsicheren Konjunktur nun auch deren Abspaltung.

Diese Prüfung erfolge parallel zu den laufenden Vorbereitungen für eine mögliche Platzierung der in "Vitesco Technologies" umbenannten Sparte, teilte der Dax-Konzern aus Hannover mit.

Conti will sich damit wegen des immer schnelleren Schwenks zu Elektroautos besser aufstellen. Auch die Bedingungen für einen möglichen Börsengang im kommenden Jahr seien kaum vorhersehbar, so der Hersteller. Conti zufolge kommt auch eine Abspaltung der Sparte mit anschließender Börsennotierung infrage.

Aktuell:
Continental: Neue Kürzungen, keine Investition in Hydraulik, keine Batterien >>
Studie: Auf Autozulieferer kommen schwere Zeiten zu >>

White Paper zum Thema

Zeitung: Neun von 32 Werken dieser Sparte stehen auf der Kippe

Zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat laufen seit einigen Wochen Verhandlungen über ein Sparprogramm, von dem mehrere Tausend Arbeitsplätze betroffen sein könnten. Die "Hannoversche Allgemeine" hatte jüngst berichtet, neun der weltweit 32 Werke in der Antriebssparte stünden auf der Kippe. Auch Standorte in Deutschland kämen für einen Stellenabbau infrage.

1.000 Mitarbeiter in Österreich

Das Unternehmen hatte dies allerdings nicht bestätigt. Die Division Powertrain ist nach Angaben des Unternehmens nicht mit Standorten in Österreich vertreten. Die rund 1.000 in Österreich bei Continental Beschäftigten sind hauptsächlich in der Reifensparte tätig.

Börsengang verschoben

Conti hatte den eigentlich für das zweite Halbjahr ins Auge gefassten Gang aufs Parkett wegen des schwachen Marktumfelds unlängst bereits auf frühestens 2020 verschoben. Die Vorbereitungen sollten aber noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Ein Teilbörsengang sei als eine unter mehreren Optionen bisher der Favorit gewesen, erklärte der Leiter des Antriebsgeschäfts, Andreas Wolf. Mit der Prüfung einer Abspaltung erhalte der Konzern eine zusätzliche Handlungsoption.

Conti bekräftigte bei der Gelegenheit, die der Powertrain-Belegschaft für den Fall gesellschaftlicher Veränderungen bis 2023 zugesagte Beschäftigungsgarantie.

Conti baut sich zu einer Holding mit drei Säulen um

Der Konzern hatte vor gut einem Jahr den Umbau zu einer Holding mit drei Säulen bekannt gegeben: der Rubber-Gruppe, der Sparte Automotive mit dem Zuliefergeschäft und das Antriebsgeschäft.

Diese Strategie ist derzeit auch bei Siemens, Thyssenkrupp und Lufthansa zu beobachten:

Lufthansa im Sinkflug: Siemens und Thyssen als mögliche Vorbilder bei der Strategie >>  
Siemens sortiert sich neu >>  
  
Siemens: Joe Kaeser will ein Drittel des jetzigen Umsatzes abspalten >>  
Thyssenkrupp baut sich grundlegend um - mit Siemens als Vorbild >>

Eckdaten zur Antriebssparte von Continental

Die Antriebssparte mit weltweit gut 40.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von zuletzt 7,7 Milliarden Euro wurde zu Jahresanfang herausgelöst und soll künftig "Vitesco Technologies" heißen. In ihr ist die Technik für Verbrennungsmotoren und die für elektrische Antriebe vereint.

Damit wollen die Niedersachsen den Umschwung vom Diesel- und Benzinmotor hin zu Elektroautos ohne Blessuren überstehen, denn dieser Wandel geht mit einem Rückgang von Beschäftigung für Verbrenner und unsicheren Gewinnaussichten für Stromautos einher. Insgesamt hat der Konzern im vergangenen Jahr mit weltweit mehr als 240.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 44 Milliarden Euro erzielt. (reuters/apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge