Chemische Industrie

Chemische Industrie: Dekarbonisierung nur mit viel mehr Recycling

Die Klimaneutralität der chemischen Industrie sei nur mit Milliardeninvestitionen, einem riesigen Ausbau der Erneuerbaren und neuen Rahmenbedingungen zu erreichen, so eine Studie im Auftrag des Fachverbands FCIO. Vor allem die Kreislaufwirtschaft müsse gestärkt werden.

Hohe Investitionen, viel erneuerbarer Strom und ein Mix aus Maßnahmen könnten die chemische Industrie zur Klimaneutralität führen. Zentraler Punkt ist dabei das umfassende Recycling aller Kunststoffe. Zu diesem Schluss kommt eine vorgestellte Studie im Auftrag des Fachverbands der chemischen Industrie (FCIO). Die Kosten würden sich auf 8,4 Mrd. Euro bis 2040 belaufen - plus Milliardeninvestitionen für die Produktion von erneuerbarem Strom.

Damit das Konzept verwirklicht werden kann, wären viel politischer Wille und Förderungen nötig. Die Branche bezeichnet den Ansatz als sehr, sehr fordernd, aber mit Unterstützung der öffentlichen Hand machbar. Denn aus eigener Kraft könne die chemische Industrie die Investitionen von über 8 Mrd. Euro nicht stemmen. Ganz abgesehen von Investitionen in die Stromerzeugung, die nach Zahlen der Energieagentur bei einer Mrd. Euro pro TWh grünem Strom liegen.

Geringerer Energiebedarf als bei einem Ersatz von Erdöl

Die Studienautoren Andreas und Bernhard Windsperger schlagen eine Mischung vor, wonach die Grundstoffe der chemischen Industrie künftig aus Recycling, grünem Wasserstoff und Biomasse (Holz und Getreide) gewonnen werden sollen, statt aus Erdöl. Bei Kunststoffen im speziellen könnten 60 Prozent aus dem Recycling und 20 Prozent aus Wasserstoff kommen, bei den Produkten der chemischen Industrie insgesamt könnten 25 Prozent aus Recycling und 60 Prozent aus grünem Wasserstoff stammen. Der Rest würde aus Biomasse gewonnen.

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Der Umstieg auf eine Kreislaufwirtschaft, in der Kunststoffe nicht mehr verbrannt werden, würde Österreich jährlich bis zu 2,4 Mio. Tonnen CO2 und 30 TWh Energie einsparen helfen, heißt es in der Studie. "In der Chemieindustrie in Österreich würde der zusätzliche Energiebedarf für die Dekarbonisierung durch Kunststoffrecycling um die Hälfte sinken. Die Unternehmen der Branche arbeiten bereits intensiv an technischen Lösungen für die Transformation", sagte Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des FCIO, zur Studie.

"Recycling als Dekarbonisierungsmaßnahme anerkennen"

"Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, benötigen wir dringend die EU-weite Anerkennung von Kunststoffrecycling als Dekarbonisierungsmaßnahme. Ebenso wichtig ist die rechtliche Gleichstellung von chemischem Recycling", so Hofinger. Das chemische Recycling umfasst die Zerlegung der Materialien in ihre Grundbausteine, um daraus neue Kunststoffe herzustellen.

Die chemische Industrie setzt große Hoffnung, künftig manche Kunststoffe aus CO2 und grünem Wasserstoff herzustellen, statt aus Erdöl. Das CO2 könnte etwa bei Kraftwerken ausgefiltert wurde. So könnten CO2-Emissionen vermieden und die Lagerung überflüssig werden. Allerdings braucht dieser Prozess etwa vier mal so viel Energie wie die Herstellung aus Erdöl. Darum dürfte der Bedarf nach erneuerbarem Strom stark steigen. (apa/red)