Österreich

Bundeswettbewerbsbehörde nimmt Pharmahändler Herba Chemosan ins Visier

Der in Österreich tätige Pharmagroßhändler Herba Chemosan setze heimische Apotheken und Medikamentenhändler massiv unter Druck, behauptet ein Whistleblower gegenüber der Bundeswettbewerbsbehörde BWB. Die Firma gehört zum amerikanischen Konzern McKesson Europe.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ermittelt nach wie vor gegen den heimischen Pharmagroßhändler Herba Chemosan, eine Tochter des Konzerns McKesson Europe. Es geht um den Verdacht auf Marktmissbrauch. Die BWB kennt die Anzeiger - Kunden von Herba Chemosan - nicht, sie kommuniziert mit ihnen über das behördeneigene Whistleblower-System.

"Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Marktmachtmissbrauch ist noch nicht abgeschlossen. Um die Beschwerde fundiert prüfen zu können, wurden weitere Fragen an den Whistleblower gestellt", teilte BWB-Sprecherin Sarah Fürlinger der APA auf Anfrage mit. Das Whistleblower-System könne völlig anonym verwendet werden, daher kenne die BWB den oder die Hinweisgeber nicht.

Firma beliefert 90 Prozent der österreichischen Apotheken

Die anonyme Anzeige ist bereits im Februar eingegangen. Bekannt ist, dass Herba Chemosan von seinen eigenen Kunden - mehreren Apotheken und Medikamentenhändlern - angezeigt wurde. Sie werfen dem Pharmagroßhändler, der nach eigenen Angaben 90 Prozent der heimischen Apotheken beliefert, künstliche Marktverknappung, Preisabsprachen und Knebelverträge mit Apotheken vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Behördensprecherin Fürlinger nannte keine inhaltlichen Details - "aus Ermittlungsgründen".

Mit der Herba-Chemosan-Mutter McKesson haben sich die heimischen Wettbewerbshüter zwischenzeitlich in einem anderen Fall beschäftigt: haben sie den Zusammenschluss der McKesson Europe AG respektive deren deutscher Tochter Gehe mit der Alliance Healthcare Deutschland AG durchgewunken, eine eigentlich Deutschland betreffende Fusion zweier Medikamentengroßhändler, die bereits von der EU-Kommission und vom deutschen Bundeskartellamt genehmigt worden war. Die österreichische BWB musste den Zusammenschluss deshalb auch prüfen, weil es hierzulande um Umsätze von mehr als 50 Mio. Euro ging.

Dass sich die BWB bis zum Schluss mit dem OK Zeit gelassen hat - die Frist endete am Dienstag, 8. September -, habe nichts mit dem laufenden Ermittlungsverfahren zu tun, sagte Fürlinger auf Nachfrage. "Das sind zwei getrennte Verfahren, der Zusammenschluss ist heute fristgemäß freigegeben worden." Das Zusammenschlussverfahren habe einen "ganz normalen Verlauf" genommen.

Herba Chemosan ist nicht Teil der Fusion. Alliance Healthcare (AHD) ist in Österreich nicht tätig. Hinter beiden deutschen Unternehmungen stehen US-Konzerne, McKesson und Walgreens Boots Alliance. Mit der Zusammenlegung der Deutschlandgeschäfte wollen sie ihre Ertragslage, die dem Branchenmagazin "Apotheke Adhoc" zufolge alles andere als rosig ist, verbessern. Die Fusion dürfte ein weiteres Sparprogramm inklusive Schließungswelle bringen. (apa/red)