Österreich

Blackout-Übung "Helios": Proben für den Fall, dass nichts mehr geht

Schwankende Energieversorgung aus Erneuerbaren, die Smart Meter und eine immer umfassendere Digitalisierung machen die Infrastruktur so angreifbar wie noch nie. Das Katastrophenmanagement des österreichischen Innenministeriums übt diese Woche für den Fall, dass nichts mehr geht.

Diese Woche hat die österreichweite Blackout-Übung "Helios" begonnen, deren Ausgangsszenario ein fiktiver Stromausfall ist. Im Fokus stehen Koordination, Kommunikation und Transparenz, sagte Robert Stocker, Leiter der Abteilung II/13 "SKKM - Staatliches Krisen- und Katastrophenmanagement und Koordination Zivile Sicherheit" im Innenministerium (BMI), im Gespräch mit der APA.

"Eine Übung wie diese gab es noch nie"

Bei "Helios" handle es sich nicht um eine Energieübung, berichtete Stocker, der im "Tabletop"-Szenario die Funktion des Einsatzleiters und moderierenden Vorsitzes im Ausschuss innehat. "Es geht darum, dass alle am selben Seil in dieselbe Richtung ziehen. Es geht um die Kommunikation miteinander und die Abstimmung aufeinander. Wir wollen herausfinden, in welchen Bereichen es Verbesserungsbedarf gibt."

Eine Energiekrise wie im Planspiel angenommen könne vielfältige Auswirkungen mit sich bringen, deswegen stünden das Zusammenspiel und die Koordination zwischen den unterschiedlichen Organisationseinheiten im Mittelpunkt, hieß es vom SKKM. "Die Koordination sollte wie Puzzlesteine zueinander passen", sagte Stocker.

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Teil der "SKKM-Familie" sind laut Stocker alle Ministerien, alle Bundesländer, Einsatzorganisationen wie etwa der Bundesfeuerwehrverband, das Österreichische Rote Kreuz, der Arbeitersamariterbund und die Bergrettung sowie Energieversorgungsunternehmen wie die Austrian Power Grid AG (APG), E-Control und Verbund. Ebenfalls dazu gehören kritische Infrastrukturen sowie Wissenschaft und Forschung.

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Bundesheer, Verbund, APG und E-Control beteiligt

Die Koordination liege beim Innenministerium. Das Bundesheer sei, so wie auch Regierungssprecher und die Adjutantur des Bundespräsidenten, im Koordinationsstab dabei. Die zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), deren Ministerium die Übung großteils vorbereitet hat, sei zwar nicht persönlich anwesend, allerdings "gebrieft" worden, schilderte Stocker, ebenso die Außenministerin und der Verteidigungsminister. Im Fall von "Helios" wird angenommen, dass von anderen Staaten keine Hilfe möglich ist.

"Eine Übung in diesem Ausmaß hat in Österreich noch nicht stattgefunden", erzählte Stocker. "Derartige Bedrohungen haben wir seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht erlebt." Von Energieversorgern und Experten wisse er, dass ein Szenario wie der angenommene Blackout zwar "extrem unwahrscheinlich, aber möglich" sei. Auslöser könnten beispielsweise Lawinen, Murenabgänge oder Erdbeben sein. "Oder auch, wenn es bei der Steuerung der Stromverfügbarkeiten zu großen Unterschieden zwischen Nachfrage und Angebot kommt", erklärte Stocker. Das könne etwa bei Niedrigwasser passieren. Hier lebe man nicht in der Fiktion.

Zum vorläufigen Zwischenstand der Übung meinte der Einsatzleiter, dass man gemerkt habe, dass man intern und extern "gar nicht früh genug mit Kommunikations- und Transparenzmaßnahmen anfangen kann". Die Menschen wollen informiert sein. Transparenz sei also "noch viel mehr wert als man glaubt", wie bereits der heutige Tag gezeigt habe. Am Montag und Dienstag findet "Helios" zwischen 9.00 und 17.00 Uhr statt, am Mittwoch wird nach dem Ministerrat die Bundesregierung eingebunden und mit der Situation konfrontiert. (apa/red)

Externer Link:
Hier hat der Zivilschutzverband eine "Checkliste für den Ernstfall" veröffentlicht (PDF-Dokument) >>

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