Elektroautos

Batteriewerk in Deutschland: Michael Tojners Varta bringt sich in Stellung

Der zur Firmengruppe des österreichischen Investors Michael Tojner gehörende Batteriehersteller Varta bringt sich bei den Plänen für eine neue "Gigafactory" in Deutschland in Stellung, Fraunhofer macht mit. Die Produktion von Batteriezellen ist das zentrale Thema bei Elektroautos.

Der deutsche Batteriehersteller Varta will gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut die Basis legen für eine Massenproduktion von Batteriezellen zum Einsatz in Elektroautos. Mit Fördergeldern des Landes Baden-Württemberg soll bei dem Weltmarktführer für Hörgeräte-Batterien ab dem kommenden Jahr in Ellwangen eine Fertigungslinie für großformatige Batteriezellen aufgebaut werden.

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Mit dem Forschungsprojekt wolle sich Varta technische Vorteile in der Produktion gegenüber den bisher den Markt bestimmenden asiatischen Herstellern sowie einen Zeitplan erarbeiten, erklärte Varta-Chef Herbert Schein am Montag in Stuttgart. "Unser Geschäftsmodell ist nicht, Forschungsprojekte durchzuführen - wenn wir Forschungsprojekte machen, wollen wir danach investieren und produzieren", ergänzte er.

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Details zu möglichen Partnerunternehmen, zu denen laut Insidern der US-Autobauer Ford gehört, oder einem möglichen Produktionsstart gab Schein nicht preis. "Wir sprechen mit vielen Marktteilnehmern und evaluieren dann unsere Chancen", sagte er. Klar sei, dass Investitionen in eine Massenfertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen aber sehr hoch seien.

Der Varta-Eigentümer Michael Tojner hatte im Oktober ein gutes Drittel des Unternehmens an die Börse gebracht. Von den dabei eingesammelten 233 Mio. Euro sollen 150 Mio. Euro in den Ausbau der Produktion fließen. Mittelfristig sei auch der Einstieg in die Zellfertigung für Elektroautobatterien möglich, erklärte Tojner früher.

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Da sich bisher keine deutschen Autobauer oder Zulieferer bereit fanden, diese Milliardenrisiken einzugehen, hat die Bundesregierung eine Anschubfinanzierung für Unternehmen von insgesamt einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Damit wollen sie ein Gegengewicht deutscher Hersteller zu den Zellherstellern aus Asien wie CATL aus China, SK Innovation aus Südkorea oder Panasonic aus Japan aufbauen. Produktionsstart soll 2021 sein, erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

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Baden-Württemberg möchte ein großes Stück vom Förderkuchen, zu dem noch bis zu 500 Mio. Euro für die Zellforschung hinzukommen, abbekommen. "Wir machen uns dafür stark, eine Zellfertigung für großformatige Lithium-Ionen-Zellen hier im Land zu etablieren", sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. "Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Unternehmen noch stärker von asiatischen Herstellern abhängig werden."

In das neue Projekt steckt das Land acht Millionen Euro, weitere 30 Mio. Euro soll aus dem Etat des Bundesforschungsministeriums kommen. Ziel ist es, zum Beispiel durch eine stärker digitalisierte Produktion die derzeit übliche Quote von zehn Prozent Ausschuss zu drücken, erklärte Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. Varta sei das einzige Unternehmen in Deutschland mit Erfahrung in der Massenproduktion von Zellen. Das verringere das Risiko eines Markteinstiegs. (reuters/apa/red)

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