Personalia

Auch Paris lässt jetzt offenbar Carlos Ghosn fallen

Der geschasste Konzernchef von Nissan und weiterhin amtierende Chef von Renault sitzt seit November in einem japanischen Gefängnis. Alle Versuche, ihn freizubekommen, schlugen fehl. Jetzt ordnet Paris offenbar die Suche nach einem Nachfolger an, wie Eingeweihte berichten.

Die französische Regierung fordert Insidern zufolge eine Ablösung von Carlos Ghosn als Chef des Autoherstellers Renault. Sie habe den Aufsichtsrat aufgefordert, über mögliche Nachfolger zu beraten, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Als Termin sei Sonntag, 20. Jänner, angesetzt.

Aktuell zu diesem Fall:
Trotz Carlos Ghosn: Nissan will in einer Allianz mit Renault bleiben >>

Die Regierung in Paris ist der größte Anteilseigner bei Renault. Sie hielt bisher an Ghosn fest, dem in Japan schwerer Vertrauensbruch und Finanzverstöße vorgeworfen werden. Der ehemalige Nissan-Chef sitzt deswegen in Untersuchungshaft. Einen Antrag auf Freilassung gegen Kaution lehnte ein Gericht ab.

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Ghosn geriet zuletzt weiter unter Druck. Die Staatsanwaltschaft in Tokio erhob vergangene Woche zwei weitere Anklagen wegen Finanzverstößen. Der 64-Jährige soll nicht nur in den fünf Jahren bis 2015, sondern auch in den vergangenen drei Geschäftsjahren seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben.

Brutale Haftbedingungen: Familie wendet sich an Menschenrechtler

Unterdessen hat sich die Ehefrau von Ghosn Berichten zufolge an die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gewandt und die Haftbedingungen ihres Mannes beklagt. Darin heißt es, dass Ghosn in einer sieben Quadratmeter großen Zelle einsitze, die rund um die Uhr beleuchtet sei und nicht beheizt werde. Der Manager werde täglich stundenlang verhört. Seit seiner Verhaftung im November habe er sieben Kilogramm an Gewicht verloren. Ghosn habe keinen Zugang zu einer täglichen medizinischen Behandlung. Der Kontakt mit Familienangehörigen werde ihm verweigert.

Früher wurde Ghosn als "Retter" von Nissan gefeiert

Ghosn sitzt bereits seit dem 19. November in Untersuchungshaft. Der Staatsanwaltschaft zufolge drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Ghosn sagt, er sei "unrechtmäßig angeklagt".

Einst wurde Ghosn dafür gefeiert, dass er Nissan vor der Pleite gerettet hat. Seit er festgenommen wurde, wankt die Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Der Manager war die treibende Kraft hinter dem Bündnis. (reuters/afp/apa/red)

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