Anlagenbau

Andritz: Solide Liquidität, aber derzeit keine Prognose möglich

Der steirische Anlagenbauer verfüge über eine "solide Liquidität", so Konzernchef Leitner. Umsatz und Auftragseingang sind zuletzt trotz Kurzarbeit in Österreich weiter gestiegen. In den kommenden Monaten schließt Andritz Einschnitte nicht aus.

Der börsennotierte steirische Anlagenbauer Andritz hat zwar im abgelaufenen Quartal den Nettogewinn fast halten können, steigt aber wegen der Coronakrise auf die Kostenbremse. Man habe sofortige Anpassungsschritte für kurzfristige Einsparungen und für eine mittelfristige Optimierung eingeleitet, so Vorstandschef Wolfgang Leitner. In Österreich hat Andritz Kurzarbeit angemeldet.

Ende März verfügte der Technologiekonzern über 1,54 Mrd. Euro an liquiden Mitteln. Darüber hinaus habe die Gruppe Avallinien (Bürgschafts-Kredite) von insgesamt 5,90 Mrd. Euro, von denen erst 2,98 Mrd. Euro ausgenutzt seien. Damit verfüge Andritz über eine solide Liquiditätsposition, wird betont.

Andritz: Derzeit keine Prognose möglich

Aufgrund der unverändert schwierigen globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wegen der Coronakrise und der fehlenden "Visibilität" von weiteren Entwicklungen könne aus heutiger Sicht weiterhin keine zuverlässige Aussage zum für heuer erwarteten Umsatz und Ergebnis gegeben werden. "Wir verfolgen die Situation genau und werden je nach Entwicklung weitere Schritte setzen, um die finanziellen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit von Andritz sicherstellen zu können", so Konzernchef Leitner.

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"Sollte sich die Situation im Jahresverlauf weiter verschärfen, könnten weitere mögliche marktbedingt notwendige kapazitive Anpassungen in einzelnen Geschäftsbereichen zu finanziellen Vorsorgen für Maßnahmen zu Kapazitätsreduktionen führen, die das Ergebnis der Andritz-Gruppe negativ beeinträchtigen könnten", heißt es im Quartalsbericht.

3.800 Mitarbeiter in Österreich in Kurzarbeit

Ende März beschäftigte die Andritz-Gruppe 28.411 Mitarbeiter, um 3,4 Prozent weniger als ein Jahr davor. Für die rund 3.800 Mitarbeiter in Österreich hatte man schon im vorigen Monat Kurzarbeit angemeldet. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme, um möglicherweise kommende Auslastungsschwankungen abfedern zu können, hieß es damals aus dem Unternehmen.

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Gewinn im ersten Quartal gestiegen - Auftragseingang auch

Im ersten Quartal erzielte Andritz bei 1,51 (1,49) Mrd. Euro Umsatz einen Nettogewinn von 31,5 Mio. Euro, der lediglich 6,3 Prozent unter dem Vorjahresvergleich lag. Am stärksten performte beim Umsatz der Bereich Pulp & Paper mit 18 Prozent Zuwachs auf 713 Mio. Euro, während die Bereiche Metals, Hydro und Separation zwischen 8 und 12 Prozent nachgaben.

Der Auftragseingang bis März kletterte um 11,7 Prozent auf 1,85 Mrd. Euro, am stärksten wuchs man mit +34 Prozent auf 1,08 Mrd. bei Pulp & Paper. Im Segment Hydro gaben die Neuaufträge um 22 Prozent nach, das Ordervolumen bei Metals wurde gehalten. Der Andritz-Auftragspolster lag zum Quartalsultimo bei 7,93 Mrd. Euro, gut 9 Prozent höher.

Rendite und Vorsteuerergebnisse sinken

Trotz des Umsatzanstiegs gab das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 15,3 Prozent auf 70,1 Mio. Euro nach, parallel sank die Rentabilität (EBITA-Marge) von 5,6 auf 4,6 Prozent. Pulp & Paper steigerte das Ergebnis und hielt die Rentabilität, jedoch sank das EBITA bei Metals und Hydro deutlich. Auch die Abarbeitung margenschwacher Aufträge (vor allem bei Metals und Hydro) als Folge eines unverändert starken Wettbewerbs spielten laut Quartalsbericht eine Rolle beim EBITA-Rückgang.

Geschäftsbereich Metals

"Der Geschäftsbereich Metals war im Berichtszeitraum sowohl im Bereich Metals Forming als auch im Bereich Metals Processing mit sehr schwierigen Marktbedingungen konfrontiert", heißt es. Vor allem Metals Forming (Schuler) habe durch die Unterauslastung infolge der Krise der internationalen Autoindustrie einen deutlichen Ergebnisrückgang verzeichnet. Der Ende 2019 eingeleitete Kapazitätsabbau in Deutschland werde erst im zweiten Halbjahrs 2020 und verstärkt dann im Jahr 2021 wirksam werden.

Einschnitte bei der deutschen Konzerntochter Schuler

Bei Schuler laufen seit vorigem Jahr "Anpassungsprozesse" - von den gesamten Andritz-Aufwendungen für kapazitive Anpassungen in Höhe von 113 Mio. Euro im vorigen Jahr entfielen nach Angaben von März allein drei Viertel (82 Mio. Euro) auf die Metals-Sparte, die im wesentlichen aus der deutschen Tochter Schuler besteht.

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Wegen geringerer Abschreibung stieg heuer im ersten Quartal das Andritz-Betriebsergebnis (EBIT) leicht auf 53,8 (52,9) Mio. Euro. Das Finanzergebnis verringerte sich auf -9,5 (-6,4) Mio. Euro infolge stichtagsbezogener Bewertungen (Wertpapiere, Fremdwährung). Das Konzernergebnis nach Abzug nicht beherrschender Anteile ging leicht auf 31,5 (33,6) Mio. Euro zurück. Wie bereits seit 23. März bleibt die Finanz-Guidance weiter ausgesetzt, heißt es zum Ausblick auf 2020. (apa/red)