Elektroindustrie

Aktionäre von Osram: Übernahme durch AMS "nicht auf Augenhöhe"

Die Konzernchefs des traditionsreichen deutschen Herstellers mussten sich auf der Hauptversammlung teils deutliche Kritik anhören. Mit wohlwollenden Worten versuchte AMS-Chef Everke dagegenzuhalten - über eine Kurznachricht am Telefon.

Die Osram-Spitze hat sich bei der Hauptversammlung des Konzerns in München teils deutliche Kritik an der Übernahme durch die österreichische AMS anhören müssen. "Ihr Name wird immer mit der Zerschlagung von Osram verbunden sein", sagte ein Aktionär, der nach eigenen Angaben selbst Osram-Mitarbeiter ist, unter Beifall zum Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien.

"Alex hat mir eine SMS geschickt"

Andere Kleinaktionäre forderten, eine Zerschlagung des deutschen Traditionsunternehmens zu verhindern, oder fragten, ob der geplante Zusammenschluss mit AMS nicht "auf Augenhöhe" geschehen könne.

Die Osram-Spitze hat dagegen immer wieder versichert, dass es sich um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe handle. Berlien betonte vor der Hauptversammlung, dass die Stimmung mit AMS und dessen Vorstandsvorsitzendem Alexander Everke, mit dem er inzwischen per Du sei, gut sei. "Alex hat mir eine SMS geschickt, heute morgen", erzählte er.

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Der weltweit bekannte Name Osram soll bleiben

In einem ausgestrahlten Interview mit dem ORF-Radio Ö1 sagte Berlien, dass die Geschichte von Osram durch die Übernahme nicht ende. "Das Unternehmen wird mindestens den Namen "Osram" drin haben oder vielleicht führen wir auch nur einen Namen und dann werden wir den Namen nehmen, der sicherlich weltweit bekannter ist", so Berlien.

In der Hauptversammlung verteidigte Berlien die Übernahme durch den steirischen Sensorhersteller auch grundsätzlich. "Die Geschäftslogik hinter dem Zusammenschluss ist richtig", sagte er und betonte: "Die Lichter gehen bei Osram nicht aus." Gemeinsam habe man eine gute Perspektive.

Milliardenschwere Übernahme mit Schulden finanziert

Aktionärsvertreter äußerten auch die Sorge, dass die bis zu 4,6 Milliarden Euro schwere Übernahme scheitern könnte. So gilt die Finanzierung von AMS durch eine Kapitalerhöhung und durch Kredite als ambitioniert. "Geht da was schief, dann hätten wir einen Continental-Schaeffler-Fall", sagte die Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt. Der Autozulieferer Schaeffler hatte sich bei der Übernahme von Continental vor Jahren beinahe verhoben. "Je teurer die Übernahme, desto höher ist der Spardruck", gab Christian Retkowski von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zu bedenken.

Bei der Entlastung des Vorstands machte sich die Kritik der einzelnen Aktionäre nicht bemerkbar. Alle Mitglieder erhielten die Entlastung mit Werten von mehr als 98 Prozent. Allein am neuen Großaktionär AMS kann das noch nicht gelegen sein: Da das Übernahmeangebot aus dem Dezember noch nicht vollzogen ist, halten die Österreicher bisher nur knapp 20 Prozent an Osram, was auf der Hauptversammlung rund 40 Prozent des anwesenden Kapitals entsprach.

Zudem teilte Osram mit, dass das Unternehmen mit seinem Sparprogramm schneller als gedacht vorankomme und dessen Ziele um 80 auf 300 Millionen pro Jahr anhebe. Der Wert soll 2022 erreicht werden. Ob dies mit einem weiteren Stellenabbau einhergeht, blieb zunächst offen. Insgesamt erwartet Osram-Chef Berlien im laufenden Jahr eine leicht sinkende Belegschaftsgröße.

Osram kehrt in die Gewinnnzone zurück

Osram hatte nach einem Verlust in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 im zurückliegenden ersten Geschäftsquartal 2019/20 wieder einen Gewinn geschrieben. Berlien bekräftigte die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr 2019/20, fügte aber hinzu, die geschäftlichen Auswirkungen des Coronavirus infolge der Betriebsunterbrechungen bei Lieferanten und Kunden seien bisher nicht absehbar.

AMS mit Sitz in Premstätten bei Graz und Börsennotiz in Zürich hat nach langem Ringen rund 60 Prozent der Osram-Aktien eingesammelt. Nach einer für August erwarteten außerordentliche Osram-Hauptversammlung zum geplanten Beherrschungsvertrag will AMS den deutschen Konzern von der Börse nehmen. Berlien hatte die Übernahme zunächst abgelehnt. (dpa/reuters/apa/red)