Green Factory

Best Practices: Was macht eine Fabrik zur besten?

Automatisierungsanlage im Werk von Pollmann Austria
© Hartwig Zögl

Zum mittlerweile 11. Mal veranstalteten diesen Herbst das Industriemagazin und Fraunhofer Austria Österreichs wohl härtesten Wettbewerb in Sachen Produktion. Fünf Unternehmen trafen im Finale von Fabrik2021 aufeinander.

Erfahren Sie in dieser Serie, was von den Siegern in den Kategorien Efficient Factory, Smart Factory und Green Factory übernommen werden kann. Lesen Sie alles über den besten Shopfloor, Best Practices, die wichtigsten Benchmarks und potenzielle Handlungsfelder.

Pollmann Austria gewinnt in der Kategorie Green Factory und holt zudem den Gesamtsieg!

Was macht Pollwein?

Das über 130 Jahre alte und in vierter Generation familiengeführte Automobilzulieferunternehmen entwickelt und produziert leitfähige Baugruppen im Metall-Kunststoff-Verbund. Das Leitwerk liegt in Karlstein, der Sieg ging allerdings an das Werk in Vitis, ebenfalls im Waldviertel gelegen. Die Produktionsmenge liegt bei jährlich rund 14,5 Millionen Bauteilen, die Fertigungsvarianz ist mit 16 Varianten und 64 Typen recht hoch.

Wie ist das Werk in Vitis entstanden?

Der neue Standort war nötig, da der Hauptsitz in Karlstein nicht mehr wachsen konnte. Den Neubau nahm man auch gleich zum Anlass, technologisch und digital aufzurüsten. „Wir haben uns am Standort Vitis für sämtliche Entwicklungen der mittelbaren Zukunft gerüstet“, sagt Co-Geschäftsführer Robert Pollmann. Anders sei industrielle Fertigung in Europa gar nicht vorstellbar, findet auch Herbert Auer, CEO von Pollmann International. 17 Millionen Euro wurden in das 65.000 Quadratmeter große Grundstück investiert. Karlstein bleibt das Zentrum für die technologischen Entwicklungen, außerdem werden hier kleinere Bauteile produziert.

Was zeichnet Vitis aus?

Hier wird auf schlanke Fertigung gesetzt. Maschinendaten werden erfasst und Aufträge über MES, SAP und Warehousemanagement-Software an die Logistikarbeitsplätze durchgeschleust. Der hauseigene Anlagenbau automatisiert die Prozesse. In dem 80 Meter langen, dreigassigen Hochregallager mit 5.500 Palettenplätzen können zwei Regalbediengeräte auf zehn Ebenen bis zu 1.200 Palettenbewegungen täglich verrichten – eine echte Benchmark.

Auf fünf Spritzgießfertigungslinien sowie zwei reinen Automatisierungslinien übernehmen Standardgeräte wie sechsachsige Knickarmroboter oder Linearhandling Arbeiten wie das Setzen von Dioden oder Mikroschaltern.

Was macht Vitis grün?

Das Werk ist nord-südlich ausgerichtet und nützt sämtliche Möglichkeiten zur Energierückführung. So ist für das gesamte Gebäude auch bei voller Produktionsauslastung keine externe Energie für Heizzwecke nötig – auch nicht im Winter.

Was bringt die Zukunft?

Pollmann hat kürzlich ein weiteres Werk eröffnet: in San Miguel de Allende in Mexiko. Für Auslastung ist bereits gesorgt, denn hier werden im Auftrag des deutschen Schließsystemherstellers Kiekert jährlich 1,4 Millionen Türschlossgehäusen für die Automarken BMW und Daimler gefertigt. Die ersten Teile wurden bereits ausgeliefert.

Was hier noch an Ausbau geplant ist, können Sie übrigens im Podcast-Interview mit Co-Geschäftsführer Markus Pollmann hören.

Haben Sie den letzten Beitrag der Serie Best Practices verpasst? Hier geht’s zum Nachlesen: Was macht eine Fabrik smart?