Baustoffe

Wienerberger spürt die "Vertrauenskrise"

Nach einem witterungsbedingt schlechten Start ins Jahr 2012 ist Wienerberger zum Frühjahr nun vollends in den Sog der europäischen Konjunktur- und Vertrauenskrise geraten. Zum Halbjahr 2012 ist der Umsatz lediglich wegen der Konsolidierung der Pipelife um fünf Prozent auf 1,04 Milliarden (986 Millionen) Euro gewachsen, das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank um 16 Prozent auf 104,1 (123,4) Millionen Euro, teilte der börsenotierte Baustoffkonzern Dienstagfrüh mit. Das um Einmalfaktoren bereinigte operative Ergebnis EBIT fiel nach zwei Quartalen gar um 85 Prozent auf 4,1 (27,1) Millionen Euro.Obwohl die Analysten ein negatives Periodenergebnis von im Schnitt 21,1 Millionen Euro vorhergesagt hatten - aber tatsächlich ein Gewinn erzielt worden war -, reagierten die Anleger enttäuscht: Auch nach 12 Uhr waren die Aktien mit einem Minus von 3,75 Prozent bei 6,497 Euro weiterhin der schwächste Wert im Prime Market der Wiener Börse, der ATX lag zugleich nur 0,13 Prozent tiefer; zwischenzeitig waren die Wienerberger-Titel sogar schon um 4 Prozent abgerutscht.Nach einem mit der Pipelife-Akquisition zusammenhängenden Sondereffekt von 42,3 Millionen Euro sank das Nettoergebnis nach Steuern um 37 Prozent auf plus 24,1 (37,5) Millionen Euro.Hier gehts weiter

Vorstandschef Heimo Scheuch erklärte bei der Halbjahrspressekonferenz, er wolle mit einem weiteren Paket bis Ende 2013 40 Millionen Euro einsparen. Neben Zusammenlegungen soll es zu weiteren "Einmottungen" kommen. Die Cash-Kosten dafür belaufen sich auf zusammen 15 Millionen Euro. Darüber hinaus würden Normalinvestitionen um 30 Millionen Euro reduziert. Bereits 2009 hatte Wienerberger ein damals noch wesentlich größeres Sparpaket schnüren müssen, das bis zu 58 zeitweise oder endgültige Fabriksschließungen umfasst hatte. Wie viele Beschäftigte dieses Mal von den Kürzungen betroffen sein werden, ließ Scheuch offen."Auf schwierige Zeiten einstellen""In den letzten Monaten hat sich das makroökonomische Umfeld merklich verschlechtert, und in der Folge hat sich auch die Bautätigkeit in Europa wieder abgeschwächt", sagte Scheuch, der von einer "Vertrauenskrise in Europa" sprach: "Wir müssen uns auf schwierige Zeiten einstellen."Der bisher starke polnische Markt, der größte in CEE, weise seit der Fußball-EM einen "deutlich rückläufigen Trend" auf, ähnliches gelte auch für Tschechien. Die bereits seit etlichen Quartalen als schwierig geltenden südosteuropäischen Märkte hätten sich weiter verschlechtert. Damit ist der Gewinnbeitrag der einstigen Wienerberger-Cash-cow Osteuropa im ersten Halbjahr 2012 massiv eingebrochen: Das EBITDA aus der Region sank um 41 Prozent, während der Umsatz um lediglich 6 Prozent nachgab.Abschwächung in mehreren MärktenIn Frankreich, Belgien und den Niederlanden schwächte sich die Bautätigkeit ebenfalls ab, das operative Ergebnis aus Nordwesteuropa sank im Jahresabstand um 15 Prozent. In Deutschland sei die Abschwächung geringer, sagte Scheuch: "Die Nachfrage beim Einfamilienhaus war zwar rückläufig, aber beim urbanen verdichteten Bau gab es leichte Zuwächse." Der italienische Markt entwickle sich so schlecht wie erwartet.Als Positiva nannte Scheuch Preiserhöhungen um durchschnittlich vier Prozent, das weniger konjunkturabhängige Geschäft der Rohr-Tochter Pipelife sowie eine leichte Erholung in den USA. Der "Produktmix" habe sich verbessert, es seien also hochwertigere und teurere Produkte abgesetzt worden. In den meisten Krisenmärkten habe Wienerberger seine Marktanteile steigern können. Umsatzprognose könne keine gegeben werden, "wir hoffen, im Gesamtjahr einen Gewinn (nach Steuern, Anm. ) machen zu können", sagte der Wienerberger-Manager, der sich zu Jahresbeginn noch deutliche Steigerungen bei Umsatz und Gewinn vorgenommen hatte.Sollte die gemeinsame europäische Währung aufbrechen, sei Wienerberger "für alle Eventualitäten gerüstet". Das Ziegelgeschäft sei aber ohnedies ein lokales, die Erlöse entstünden überwiegend in den lokalen Währungen. Die Fremdfinanzierung erfolge allerdings überwiegend zentral aus dem Konzernsitz. (APA)