Industriegase

Linde: Wolfgang Reitzle lässt Kritik an der Fusion nicht gelten

Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hat die Kritik an der knappen Entscheidung für die Fusion mit dem Rivalen Praxair zurückgewiesen. "Wir haben uns mit den bei Linde beschäftigten Arbeitnehmer-Vertretern längt auf eine konstruktive Zusammenarbeit geeinigt, wie es bei Linde seit jeher guter Brauch ist", sagte Reitzle dem "Handelsblatt".

Wer eine Mehrheitsentscheidung im Kontrollgremium nicht akzeptabel finde, verabschiede sich vom demokratischen Grundverständnis der Gesellschaft.

Vertreter des Kapitals dafür, Arbeitnehmer dagegen

Der Linde-Aufsichtsrat hatte die umstrittene Fusion zum weltgrößten Industriegasekonzern mit den sechs Stimmen der Kapital-Vertreter beschlossen. Fünf Arbeitnehmervertreter stimmten mit Nein, einer enthielt sich. Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler kritisierte das Vorgehen der Linde-Spitze scharf. "Es ist ein Bruch mit der deutschen Industriegeschichte, solch eine sehr knappe Entscheidung brachial durchzupeitschen, statt einen Konsens zu suchen."

Reitzle entgegnete nun, Wechsler fordere damit im Grunde eine Einstimmigkeit im Aufsichtsrat, was weder den Geist der Mitbestimmung reflektiere, noch das Eigentumsrecht der Investoren respektiere. Vielmehr werde der Anspruch erhoben, dass Gewerkschaften bestimmen könnten: "Diese Forderung ist absurd und zeigt, dass sich Herr Wechsler sein eigenes Weltbild gezimmert hat." Es sei nicht akzeptabel, dass ein Betriebsfremder Unfrieden ins Unternehmen trage.

Sitz des Konzerns soll in Irland sein - und der Chef in den USA

Gewerkschaften und Beschäftigte von Linde sorgen sich um Arbeitsplätze und ihre in Deutschland verankerte Mitbestimmung, wenn der Konzern künftig rechtlich in Irland sitzt und vom bisherigen Praxair-Chef Steve Angel aus der bisherigen Praxair-Zentrale im US-Bundesstaat Connecticut gelenkt wird. (reuters/apa/red)

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