Test : Der große Arbeitshosen-Härtetest

Das Offensichtliche vorweg: Die beste Hose ist immer noch die, die passt. Kommen mehrere Modelle in Frage, lohnt sich aber ein Blick auf die Details. Vor allem, wenn die Hose nicht nur zum Wurstsemmel-Holen verwendet wird, sondern so richtig zum Arbeiten.

Wir haben uns daher auf die Suche nach der besten Arbeitshose gemacht. Ein schwieriges Unterfangen. Denn die Vielfalt der Modelle ist oft schon bei einem einzigen Hersteller endlos und erst recht bei mehreren.

Der Testbereich wurde daher etwas eingeengt und gesagt: Getestet werden Hosen, die mehrheitlich in der Werkshalle genutzt werden, die aber auch für gelegentliche Tätigkeiten draußen geeignet sind. Und es sollten keine reinen Winterhosen sein.

Das Kandidatenfeld, das sich dabei ergeben hat, reichte von ziemlich leichten Modellen wie der Dickies Industry 1001 bis zu schwereren Kalibern wie etwa der Mycore Force von Gottfried Schmidt.

Einige der getesteten Modelle gibt es nur als Kaufhose, andere sowohl zum Kaufen als auch zum Leasen, andere wiederum nur im Leasing. Die Vorteile von Leasing, wie es etwa für die Mycore Force vom Textilspezialisten Mewa angeboten wird, ist, dass sowohl Pflege als auch Verschleißaustausch vom Leasingpartner besorgt werden.

Auch wenn sich die zum Test eingeschickten Modelle in ihren Einzelheiten ziemlich stark unterscheiden, in einem Punkt sind sie gleich: Alle Hersteller setzen beim Stoff auf eine Mischung aus Polyester und Baumwolle und alle nehmen das in diesem Segment übliche Verhältnis von 65 Prozent Polyester und 35 Prozent Baumwolle.

Das ergibt strapazierfähige, auch relativ gut trocknende Hosen, die sich gut auf der Haut anfühlen, wobei das Tragegefühl auch vom Finish der Hose mitgeprägt wird: Hosen mit eher glatten Innenseiten, wie etwa die Corline 505 von Reindl oder die Artefix von Konstant, fühlen sich tendenziell kühler an, stärker aufgeraute Modelle wie die Mycore Force etwas wärmer. Ob man eine Hose als eher warm oder eher kalt empfindet, wird außerdem vom Schnitt mitbestimmt. Etwas enger und damit wärmer fällt zum Beispiel die Motion von Engelbert Strauss aus, doch auch in ihr kann die Luft gut zirkulieren.

Ebenfalls wichtig für das Wärmeempfinden, mehr noch aber für die Schutzfunktion ist die Dichte der Hose. In diesem Punkt unterscheiden sich die getesteten Modelle ziemlich stark voneinander. Von 245 g/m2 bei der Corline 505 bis zu 315 g/m2 bei der Mycore Force reichen die Werte. Die letztgenannte Hose hat eine Testerin daher nicht zu Unrecht als „den LKW unter den Arbeitshosen“ bezeichnet: robust, unverwüstlich, absolut professionell, aber etwas schwer. Wobei das Gewicht nicht ausschließlich von der Dichte des verwendeten Stoffs abhängt, sondern auch von der Ausstattung. Und diesbezüglich lässt sich die Mycore Force nicht lumpen: Taschen über Taschen, Features ohne Ende.

Während Gewicht, Wärmeschutz und Schutz vor Verletzungen kaum ein Vergleichskriterium sind, weil je nach Einsatzgebiet einmal Leichtgewichte und ein anderes Mal richtig schwere Kerle gefragt sind, können bei der Verarbeitung eher vergleichbare Kriterien gefunden werden. Wir haben uns daher als Erstes die klassischen Schwachstellen einer jeden Hose angeschaut: die Nähte. Mit Ausnahme der Salesianer Elite, die für eher leichten Einsatz gedacht ist, sind die Nähte aller getesteten Hosen zweifach ausgeführt. Als die absolute Nähte-Königin entpuppt sich aber die Tools von Pionier Workwear, bei der sie gar dreifach gesteppt sind.

Unter die Lupe genommen haben wir auch die Reißverschlüsse, für gewöhnlich neben Nähten die zweite Problemzone eines jeden Kleidungsstücks. Im Wissen darum gehen die meisten Hersteller mit Reißverschlüssen löblicherweise sparsam um und nutzen sie entweder nur für den Hosenschlitz (Salesianer Elite, Dickies Industry 1001, Konstant Artefix, Mycore Force) oder allenfalls noch für eine zusätzliche kleine Münztasche (Reindl Corline 505, Pionier Tools). Lediglich Engelbert Strauss verwendet noch einen weiteren, dritten Reißverschluss, um damit auch eine seiner vielen Beintaschen abzuschließen.

Wenn es darum geht, Taschen zu verschließen, wird das bei fast allen Modellen vor allem mit Klettverschlüssen gearbeitet, was wohl die beste Lösung ist. Da es allerdings nicht immer einfach ist einen Klettverschluss, der sich richtig gut festgefressen hat, aufzumachen, gehört unserer Meinung nach zu jeder Klettverschlusstasche auch eine kleine Griffschlaufe, an der man anziehen kann, um die Tasche zu öffnen. Die Motion von Engelbert Strauss, die Corline 505 von Reindl, die Artefix von Konstant, die Mycore Force von Gottfried Schmidt bzw. Mewa und die Pionier Tools gönnen ihren Trägern diesen Luxus, die anderen getesteten Modelle leider nicht.

Bei einigen Modellen werden für Taschen nicht nur Klettverschlüsse verwendet, sondern teilweise auch Druckknöpfe. Ein etwas heikler Punkt. Denn wie alle harten Teile können Druckknöpfe in unfreundlichen Kontakt mit den gerade bearbeiteten Werkstücken treten und auf diesen unhübsche Abdrücke hinterlassen. „Werk und Technik“ findet daher: Wenn Druckknöpfe, dann nur abgedeckt. Die Designer der Mycore Force, der Pionier Tools und der Dickies Industry 1001 teilen unsere Meinung offenbar, sie decken die verwendeten Druckknöpfe vorbildlich ab. Bei der Konstant Artefix ist das nicht nötig: Sie hat keine Druckknöpfe. Die Salesianer Elite und auch die Modelle von Reindl und Engelbert Strauss lassen ihre Druckknöpfe hingegen unabgedeckt.

Als eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale von Arbeitshosen untereinander gelten Taschen. Hier setzen die Hersteller ganz offensichtlich auf das Motto: Genug ist nicht genug. Fünf Taschen wie bei der Salesianer Elite bilden die Untergrenze. Den Taschen-Rekord stellt die Motion von Engelbert Strauss auf, mit nicht weniger als dreizehn Stück.

Dass die Taschen extra aufgesetzt sind, damit die darin aufbewahrten Gegenstände nicht drücken, versteht sich von selbst. Noch besseren Schutz vor Druck durch Rollmeter, Schraubenzieher oder was man sonst noch so an Kleinkram bei der Arbeit braucht, bieten Taschen, die sich mit Hilfe einer Falte wie ein Blasbalg breiter machen. Dieses feine, aber in der Herstellung etwas aufwändigere Service bietet ihren Besitzern die Mycore Force, die Motion von Engelbert Strauss, die Konstant Artefix und die Tools von Pionier Workwear.

Wie viele und welche Taschen ein Mensch an seiner Hose braucht, um glücklich zu werden, ist letztlich eine Geschmacksfrage. Unseren Testern haben Modelle gut gefallen, die unter anderem auch eine eigene Handytasche haben (Reindl Corline 505, Tools Workwear, Engelbert Strauss Motion, Dickies Industry 1001, Konstant Artefix). Auch die Münztaschen der Reindl und Workwear-Modelle wurden gelobt. Ebenfalls gut gefallen hat den Testern die mit drei Innenfächern ausgestattete und sehr wertig ausgeführte Beintasche der Mycore Force.

Eine Zollstocktasche haben alle Modelle im Test. Workwear spendiert seiner Tools-Hose gleich zwei davon, eine rechts, eine links, was Linkshänder freuen wird. Der Clou bei Zollstocktaschen besteht allerdings darin, sie so zu nähen, dass der Zollstock auch beim noch so starken Beugen des Knies nicht stört. Dieses Kunststück gelingt nicht allen Testkandidaten. Engelbert Strauss mit der Motion, Konstant mit der Artefix und wieder einmal Mycore Force lösen diese aber Aufgabe hervorragend.

Ob eine Hose als bequem empfunden wird oder nicht, hängt neben Feinheiten wie der Gestaltung der Zollstocktasche auch davon ab, wie gut sie sitzt. Das ist in erster Linie eine Frage der richtigen Größe. Für die Feinjustierung erweist sich ein flexibler Bund aber als sehr hilfreich. Die von uns getesteten Hosen bieten alle eine Justierungsmöglichkeit, nur die Tools von Workwear verzichtet darauf.

Die Salesianer Elite kann mit Hilfe von zwei Druckknöpfen im Bund weiter oder enger gestellt werden. Mit elastischen Einsätzen auf der Seite arbeiten Dickies, Reindl und Konstant. Die im Tragekomfort beste Lösung bieten aber die Engelbert Strauss Motion und die Mycore Force, die einen eingenähten elastischen Bandgürtel verwenden. Strauss nennt die Technologie Flexbund. Wie das System bei der Mycore Force heißt, wissen wir nicht, es funktioniert aber ganz ähnlich.

Viel Zustimmung erntete auch das Design der Tools von Pionier Workwear. Vor allem die Verbindung von Funktionalität und durchdachtem, stylishen Farbeneinsatz wurde gelobt. Ach ja: Einige Testerinnen fanden außerdem, dass Männerpos in dieser Hose besonders knackig erscheinen.

Dass auch die Motion von Engelbert Strauss im Design-Check gut abschnitt, verwundert nicht, gilt doch gerade Strauss als ein Unternehmen, bei dem Optik ganz groß geschrieben wird. Die diagonale Linienführung am Bein lässt die Motion von Strauss außerdem sehr dynamisch wirken, die Reflektoren haben nicht nur eine Sicherheitsfunktion, sondern sind zugleich auch ein Gestaltungselement.

An der Reindl Corline 505 gefiel vor allem die zurückhaltende Eleganz, die nach dem Urteil einer Testerin die Corline zu einer „Sonntagshose“ unter den Arbeitshosen macht, ohne dass sie deshalb an Funktionalität einbüßen würde. Als eben- falls puristisch, aber eher sportlich wurde die Artefix von Konstant eingestuft. Weniger Lob gab es in Sachen Design für die Dickies Industry 1001, auch wenn ihre Luftigkeit angenehm auffiel, und für die Salesianer Elite, die das einfachste Modell im Testfeld darstellt.

Ein abschließendes Urteil ist angesichts der Vielfalt der getesteten Modelle nicht ganz einfach zu fällen. Doch wir vergeben den Praxis-Tipp an die Mycore Force von Gottfried Schmidt bzw. Mewa: in unserer Sicht die funktionellste und robusteste Hose im Test, trotzdem gut gestylt, sehr wertig verarbeitet und – ein kleiner Nachteil – ein bisschen schwer. Aber echte Männer stört das nicht.

Ebenfalls hervorheben wollen wir die Tools von Pionier Workwear, ähnlich funktional wie die Mycore Force, ebenfalls sehr, sehr wertig verarbeitet und dabei relativ günstig, weshalb sie den Preis-Leistungs-Tipp einheimst. Für die Fashion-Fraktion gibt es schließlich auch noch einen Hinwies: die Motion von Engelbert Strauss bekommt den Design-Tipp.