Automesse Peking

Chinas Autobauer holen auf dem Heimatmarkt massiv auf

Ob kleine Geländewagen, Elektroautos oder das billige Einstiegsmodell - die chinesischen Autohersteller behaupten sich in immer mehr Segmenten gegen traditionelle Anbieter aus den Industrieländern. Am Markt für SUV, der zurzeit am stärksten wächst, trugen zuletzt sechs von zehn Neuwagen ein heimisches Label.

Und auch bei einfachen Pkw ohne entbehrliche Luxusaccessoires haben Chinas eigene Autobauer mehr zu bieten als die ausländische Konkurrenz. Darauf stellt sich etwa Nissan aus Japan ein. "Wir haben das lange nicht kommen sehen, aber seit Anfang letzten Jahres passen wir unsere Strategie an", sagte Jun Seki, China-Chef von Nissan, der Nachrichtenagentur Reuters diese Woche auf der Automesse in Peking. Es seien gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner Dongfeng mehrere Modelle unter der Einstiegsmarke Venucia geplant.

Der weltgrößte Automarkt braucht westliche Firmen immer weniger

Der mit 21 Millionen Neufahrzeugen weltgrößte Automarkt nabelt sich immer stärker vom Ausland ab. "Wir sehen jetzt, dass die heimischen Autobauer deutlich stärker wachsen als ihre internationalen Konkurrenten", sagte Björn Albert, Automobilexperte beim Kreditversicherer Euler Hermes. "Das hängt damit zusammen, dass immer mehr günstige Autos der Einstiegsklasse verkauft werden." Durch die wirtschaftliche Entwicklung können sich inzwischen immer mehr Chinesen einen Wagen leisten.

Volkswagen plant ein Auto mit einem Preis von 10.000 Euro

Die Regierung unterstützt das durch Steuervorteile für kleinere Autos. Von den westlichen Herstellern wird das Einstiegssegment, das etwa zehn Millionen Fahrzeuge ausmacht, kaum bedient. Der VW-Konzern etwa, der sich im Reich der Mitte mit General Motors ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft liefert, hat zwar ein solches Auto für umgerechnet ab 10.000 Euro angekündigt.

Der Wagen soll allerdings erst 2018 auf den Markt kommen. Ganz oben auf der China-Agenda steht derzeit eine "SUV-Offensive", wie VW-China-Chef Jochem Heizmann sagte.

Renault-Nissan wollen auch zusammen mit Dongfeng mehr erschwingliche Elektroautos entwickeln, wie Vorstandschef Carlos Ghosn in Peking ankündigte. Auf diesem Feld werden sich Deutsche, Franzosen oder Amerikaner auch in China mit der neuen Konkurrenz aus der IT-Branche herumschlagen.

Internet-Streamingdienst erklärt Daimler, wie man "das Auto neu erfindet"

So wie Google und Apple in den USA basteln in China mehr als ein halbes Dutzend Start-ups an Elektrowagen. Einer, der auf der Messe in Peking ein Resultat präsentieren kann, ist Jia Yueting - 43 Jahre alt, mit IT und Telekommunikation groß geworden, heute als Milliardär in der Forbes-Liste notiert und Chef des Newcomers LeEco.

Das Konzeptauto LeSEE soll in einigen Jahren Teslas Verkaufsschlager Model S mit Hilfe des Partners Faraday Future auf dem US-Heimatmarkt das Wasser abgraben. "Die Leute haben uns ausgelacht - ein kleines IT-Unternehmen, das ein Auto in Konkurrenz zu den BMWs und Teslas bauen will", sagte Jia. "Es war nicht leicht, aber da sind wir jetzt."

Der China-Vorstand von Daimler, Hubertus Troska, hat sich jüngst bei LeEco darüber informiert, wie die Chinesen an das Auto der Zukunft herangehen. "Ich habe Herrn Troska erklärt, dass wir das Auto neu erfinden werden", sagte LeEco-Mitinhaber Hank Liu. Elektroautos seien künftig nur ein fahrbarer Bildschirm, ein Zugangspunkt, um über das Internet Inhalte und Dienste zu verkaufen.

Heute verdient LeEco ähnlich wie Netflix Geld mit dem Verkauf von Filmen, TV-Shows und Musik über das Internet. Das Elektroauto LeSEE soll halb so teuer wie die Konkurrenz sein bei doppelt so langer Reichweite. Jias Fernziel: "Eines Tages gibt es unsere Autos umsonst." (APA/Reuters/red)