Übersicht zum Thema

Zweiter Absturz einer Boeing 737-800Max setzt Boeing enorm unter Druck

Der Absturz einer fast fabrikneuen Maschine der Baureihe Boeing 737-800MAX mit 157 Menschen, darunter drei Ärzten aus Linz, setzt den amerikanischen Flugzeugbauer Boeing enorm unter Druck. Der Flugschreiber der Maschine ist bereits gefunden.

Nach dem Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien muss der relativ neue Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 in den ersten Ländern auf dem Boden bleiben.

Beim Absturz der Passagiermaschine in Äthiopien sind alle 157 Insassen ums Leben gekommen. Unter den Opfern aus insgesamt 35 Nationen sind auch drei junge Ärzte aus Oberösterreich. Sie waren am Weg nach Sansibar.

Die fast fabrikneue Boeing 737-800Max der Ethiopian Airlines verunglückte aus bisher unbekannter Ursache kurz nach dem Start in Addis Abeba auf dem Weg nach Nairobi. Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz wurde der Flugschreiber der verunglückten Maschine gefunden.

Maschine fast neu

Die neue Maschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte Airline-Chef Tewolde GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende 2018 sei es rund 1.200 Stunden im Einsatz gewesen. Der Pilot hatte seit 2010 für die Airline gearbeitet. Ethiopian hat noch vier weitere Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8.

White Paper zum Thema

Hersteller Boeing äußerte sich zunächst nicht näher zu dem Unglück. In einer Mitteilung auf der Website sprach Boeing den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. In Äthiopien war bereits am Sonntag eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, Verkehrsministerium und Fluggesellschaft gebildet worden, wie Ethiopian Airlines mitteilte.

Zu diesem Fall:
Absturz einer Boeing: Softwarefehler als mögliche Ursache >>

Luftfahrt, boeing, boeing, 737, Max, 8, grafik © APA

Erste Flugverbote

Jetzt haben China und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen erklärt. Bei den Ethiopian Airlines hieß es dazu: "Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen."

In China dürfen fast 100 Boeing-Flugzeuge vorerst nicht mehr starten. Die Luftfahrtbehörde CAAC bestätigte, dass die Fluggesellschaften des Landes 96 Maschinen vom Typ der Unglücksmaschine Boeing 737 Max 8 besitzen. Die Behörde hatte Fluglinien zuvor angewiesen, Flüge mit der Boeing vorübergehend einzustellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können. Die Behörde verwies darauf, dass es bereits das zweite Unglück mit dem Maschinentyp in kurzer Zeit gewesen sei.

Zweites Unglück in kurzer Zeit mit dem gleichen Modell

Bei dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Fluglinie Lion Air im Oktober waren in Indonesien 189 Menschen ums Leben gekommen. Bei beiden Unglücken habe es "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben, teilte die CAAC mit. Beide Flüge waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Auch die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways erklärte, die beiden Boeing 737 Max 8 der Airline blieben vorerst am Boden, bis weitere Informationen zu dem Unglück in Äthiopien vorlägen. Der Flugzeugtyp wird von Hersteller Boeing seit 2017 ausgeliefert. Österreichische Fluglinien haben den Typ nicht im Einsatz.

In Äthiopien begannen Experten am Montag mit der Identifizierung der Opfer und der Klärung der Unglücksursache. Sie bargen den Flugschreiber der verunglückten Maschine, wie Äthiopiens staatlicher Fernsehsender Fana berichtete. Ein Vertreter der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines bestätigte dies und erklärte, die Blackbox sei ersten Erkenntnissen zufolge beschädigt. Es sei daher noch unklar, wie viele Informationen daraus zu gewinnen seien. Flugschreiber enthalten unter anderem Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche.

Details zum tragischen Flug

Die Unglücksmaschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Metropole Nairobi fliegen sollte, war Sonntagfrüh kurz nach dem Start abgestürzt. Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, erklärte Ethiopian Airlines.

Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Nach Angaben der Airline waren unter den Todesopfern aus 35 Ländern unter anderem 32 Kenianer, 18 Kanadier, neun Äthiopier sowie jeweils acht US-Amerikaner, Italiener und Chinesen. Unter den Opfern waren nach UNO-Angaben auch circa 20 Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

Bei den drei bei dem Absturz getöteten Ärzten aus Österreich handelte es sich nach jüngsten Angaben des Außenministeriums in Wien um Männer im Alter von 30 und 31 Jahren. Ein in Oberösterreich geborener und tätiger Mediziner war 31 Jahre alt, ein aus Niederösterreich stammender 31-Jähriger hatte in Steyr gearbeitet. Ein weiterer ums Leben gekommener 30-jähriger Arzt war in Kärnten geboren und hatte offenbar in Wien gelebt. Zudem war ein seit vielen Jahren in Kärnten als evangelischer Pfarrer tätiger deutscher Staatsbürger unter den Toten.

Ethiopian Airlines ist Mitglied der Star Alliance - wie die AUA

Ethiopian Airlines gilt als zuverlässige Fluggesellschaft und ist wie Austrian Airlines Mitglied des Bündnisses Star Alliance. Ethiopian bietet weltweite Verbindungen an, darunter auch nach Wien. In Afrika expandierte Ethiopian in den vergangen Jahren aggressiv und gilt mit der südafrikanischen South African Airways inzwischen als wichtigste Airline der Region.

Trotzdem ist es für Ethiopian nicht das erste Unglück eines Flugzeugs. Am 25. Jänner 2010 stürzte eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft vor der libanesischen Küste ins Mittelmeer, die 90 Insassen starben. Im November 1996 wurde eine Maschine der Airline entführt. Sie war ebenfalls auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi. Die Entführer forderten trotz zu geringer Treibstoffmenge, nach Australien geflogen zu werden. Der Kapitän entschloss sich zu einer spektakulären Notwasserung vor den Komoren, um möglichst viele Passagiere zu retten. 125 Insassen starben, rund 50 überlebten. (apa/red)