Beleuchtungsindustrie

Zumtobel weiter unter Druck: "Sämtliche Strukturen auf den Prüfstand"

Der Vorarlberger Leuchtenhersteller plant nach einem Verlust von knapp 47 Millionen Euro weitreichende Umstrukturierungen. Anfang September will Konzernchef Alfred Felder eine neue Strategie vorlegen. Hier die Details.

Der börsennotierte Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 unter Preisdruck und Währungseffekten gelitten und 46,7 Mio. Euro Verlust gemacht. Im Jahr davor hatte es 25,2 Mio. Euro Gewinn gegeben. Die Dividende für dieses Jahr wird gestrichen, teilte das Unternehmen mit.

Starke Umstrukturierung gepkant

"Die wirtschaftliche Entwicklung der Zumtobel Group im zurückliegenden Geschäftsjahr war enttäuschend. Der Vertrauensverlust von wichtigen Stakeholdern wie etwa den Kunden und dem Kapitalmarkt als auch das schwierige Industrieumfeld haben deutlich gezeigt, dass strategische sowie organisatorische Anpassungen notwendig sind", so Konzernchef Alfred Felder.

2018/19 soll nun ein "Übergangsjahr" werden, um das operative Geschäft zu stabilisieren. Es seien "grundlegende organisatorische und strategische Veränderungen zusammen mit konkreten Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen in allen Funktionsbereichen notwendig." Es würden nun "sämtliche Strukturen, Unternehmensabläufe, aber auch Geschäftsbereiche, Absatzmärkte, Marken- und Produktportfolios ergebnisoffen auf den Prüfstand gestellt."

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Vorschläge bis September

Bis am 4. September das Ergebnis zum 1. Quartal vorgelegt wird, soll die neue Strategie vorliegen. Auch Mittelfristziele soll es erst dann wieder geben. Vorerst rechnet Zumtobel mit einem Umsatzrückgang im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres. Das Gruppen-EBIT (19,7 Mio. Euro) soll sich aber leicht verbessern. Angesichts der geplanten Umstrukturierungen sei jedoch mit Einmalbelastungen zu rechnen.

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Währungseffekte belasten Ergebnis

2017/18 ging der Umsatz um 8,2 Prozent auf 1,196 Mrd. Euro zurück. Fast 80 Prozent der Produkte sind inzwischen LEDs. Alleine Währungseffekte, insbesondere die Aufwertung des Euro zum britischen Pfund und Schweizer Franken, hätten den Umsatz mit 31,5 Mio. Euro belastet. Allerdings wäre der Umsatz auch ohne diese Effekte um 5,8 Prozent zurückgegangen.

Der operative Gewinn (EBIT) drehte mit 7,3 Mio. Euro ins Minus (Vorjahr: 45,8 Mio. Euro plus), ohne Sondereffekte hätte es noch einen EBIT-Gewinn von 19,7 Mio. Euro (72,4 Mio.) gegeben. Auch die Verschuldung (Nettoverbindlichkeiten) stieg um mehr als die Hälfte, von 91 Mio. Euro auf 146,3 Mio. Euro. Investiert wurden 73,4 Mio. Euro.

Weniger Mitarbeiter

Die schwierige Lage schlug sich auch auf den Mitarbeiterstand nieder: Zumtobel beschäftigte heuer am 30. April 6.224 Vollzeitkräfte, das waren um 338 weniger als ein Jahr davor. Der Rückgang entfiel insbesondere auf die Produktion, wobei es in Österreich zu einem Rückgang um knapp 100 (3,7 Prozent) auf 2.339 Vollzeitkräfte kam, davon gingen gut 80 Jobs am Standort Vorarlberg verloren.

Besonders stark war der Umsatzrückgang im Bereich Leuchten (Lighting Segment) mit 9,2 Prozent, von 999,9 Mio. Euro auf 908,3 Mio. Euro. Der Umsatz mit Komponenten (Components Segment) fiel um 6,5 Prozent, von 377,2 auf 352,7 Mio. Euro.

In Amerika ging der Umsatz um ein Drittel auf 29,7 Mio. Euro zurück. In Nordeuropa fiel der Umsatz um 20,4 Prozent auf 271,8 Mio. Euro, im DACH-Raum um 6,3 Prozent auf 357,7 Mio. Euro. Zuwächse gab es in Osteuropa (plus 10,4 Prozent auf 182,8 Mio. Euro). (apa/red)

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