Beleuchtungsindustrie

Zumtobel-Neo-Chef Felder: „Nicht alles rund gelaufen“

Der bisherige Vertriebsvorstand Alfred Felder soll mit einem neuen Team an der Strategie drehen - und die Management-Ebene verschlanken. Denn Zumtobel ist arg ins Schlingern geraten.

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Mit Alfred Felder hat der bisherige Vertriebsvorstand den interimistischen Vorsitz bei Zumtobel übernommen. Der seit 2012 zum Führungsteam gehörende Elektrotechniker weiß, dass sein Unternehmen wieder ruhiges Fahrwasser braucht. In einem 3-Säulen-Plan will der gebürtige Südtiroler dem Unternehmen bis Juni ein funktionierendes Strategiekonzept verpassen. Neben dem neuen Fahrplan zählen Beruhigung und die Generierung frischer Umsätze zu den Dingen, die zuerst anzupacken seien – inklusive Mitarbeitermotivation, die nach den Querelen der letzten Monate darniederliege. Die letzte und dritte Aufgabe sieht er in der Neuausrichtung des Sparkurses. Dazu gehört auch eine Verschlankung des Managements. So soll es neben dem Vorstand – bestehend aus Alfred Felder, COO Bernard Motzko (seit 1. Februar) und CFO Thomas Tschol (ab 1. April) – nur noch zehn bis zwölf Leute auf der ersten Managementebene geben. Bislang sind es 45. Die Betroffenen müssen in die zweite Reihe zurücktreten. Damit nennt er all jene Punkte, die in der Vergangenheit bereits am Tisch lagen. Ob er auch in Zukunft für das Unternehmen sprechen wird, ist noch nicht klar. Der Aufsichtsrat hat ihm eine Bewährungsfrist bis Anfang Juli gegeben. Da geht es ihm wie Peter Stöger.

Woran krankt es derzeit bei Zumtobel?


Alfred Felder Ich will nicht abstreiten, dass in den vergangenen Monaten bei Zumtobel nicht alles rund gelaufen ist. Dies ist zum Teil auf die Marktsituation zurückzuführen, zum Teil aber auch auf interne operative Herausforderungen.

Was sind die internen, operativen Herausforderungen?


Felder Die Schwierigkeiten, die wir im Bereich Logistik zwischenzeitlich hatten, kamen unter anderem durch die Umstellung auf einen externen Logistikpartner im Leuchtensegment in Deutschland zustande. Das Thema ist allerdings wieder auf einem guten Weg.

Wie läuft Großbritannien?

Felder Wir spüren den Brexit. Das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres war von negativen Währungstranslationseffekten in Höhe von 20,7 Millionen Euro beeinflusst. Hier werden wir unsere Werke in England verstärkt für die Produktion für den lokalen Markt nutzen.

Woher kommt der Preisdruck?

Felder Der erhöhte Preisdruck zieht sich durch alle Länder, Applikationen und Verkaufskanäle – vor allem in Deutschland. Wir werden Produkte und Arbeitsschritte, die unter einem besonderen Druck stehen, künftig in Serbien fertigen. An den anderen Standorten – allen voran in Dornbirn – konzentrieren wir uns auf anspruchsvolle Fertigungsabläufe sowie F&E.

Wie soll es weitergehen?

Felder Wir entwickeln neue Geschäftsmodelle im Bereich der Services und auch der vernetzten Beleuchtung. Wir sehen die einmalige Chance, uns als Anbieter von ganzheitlichen Lösungen zu positionieren. Grundsätzlich ist die Zumtobel Group ein gesundes Unternehmen mit einem hervorragenden Potenzial.

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