Autozulieferer

Zulieferer Wollsdorf spürt Magnas intensive Suche nach Mitarbeitern

Beim steirischen Lederhersteller und Zulieferer Wollsdorf Leder läuft es zur Zeit richtig gut: Ein Plus beim Ergebnis, der Ausbau von Standorten und neue Technologien, die weit weniger Wasser und Energie verbrauchen. Doch die Mitarbeitersuche bei Magna bekommt auch Wollsdorf zu spüren.

Der oststeirische Lederhersteller und Kfz-Zulieferer hat im Geschäftsjahr 2015/16 (endet per 30.6.) den Umsatz auf 156 auf 157 Mio. Euro gesteigert, so Geschäftsführer Andreas Kindermann in Graz. Eine Zahl zum "kleinen Gewinn wie im Vorjahr" wollte Kindermann nicht nennen. Das Jahr war geprägt von verstärkter Forschungstätigkeit und Ausbauplänen für Wollsdorf und Varazdin in Kroatien.

Kindermann zeigte sich mit der Entwicklung des oststeirischen Herstellers von Leder für den automotiven Bereich, aber auch für die Möbel- und die Luftfahrtindustrie sehr zufrieden: "In einigen Bereichen haben wir in Wollsdorf die Siebentagewoche, wir können da gar nicht mehr Leder produzieren".

Ausbau der Märkte in den USA und China

Zuletzt gab es zudem eine relativ konstante Rohhautpreisentwicklung, das ergab planbare Ergebnisse. "Die Gewinne haben wir für Wachstum auf die Seite gelegt, unsere Eigenkapitalquote haben wir von 36 auf 45,3 Prozent gesteigert. Damit ist das Unternehmen sind für die nächsten Schritte gut gerüstet", sagte Kindermann. Dividenden seien kaum ausgeschüttet worden.

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Rund 95 Prozent der Produkte gingen in den Export, große deutsche und englische Hersteller verwenden laut Kindermann alleine das Premiumleder der oststeirischen Firma. In den vergangen zwei Jahren habe man sich auf den Ausbau der Märkte in den USA und in China konzentriert: In China habe man die sogenannten Bemusterungsprozesse teils abgeschlossen. In den USA mit Mustern für die Hersteller Ford und Fiat-Chrysler auch, für GM sei dies noch im Laufen.

Deutlich mehr Forschung

"Damit einhergehend haben wir eine starke F&E-Ausweitung, die Personalstärke in Wollsdorf dafür wurde von vier auf acht Köpfe verdoppelt", so Kindermann. Auf die Investitionen in diesem Bereich wurden von 0,35 auf 0,84 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Künftig setze man nicht nur auf Entwicklungen im eigenen Haus, es gebe Kooperationen mit der TU und der Uni Graz sowie der Joanneum Research. Mit letzterer laufe ein gemeinsames Projekt, das 2017 in Serie gehen werde.

Wollsdorf habe rund 1.100 Mitarbeiter an allen Standorten, davon rund 750 in der Steiermark, rund 300 in Varazdin und rund 55 im chinesischen Fuzhou. In High Point (US-Bundesstaat North Carolina) habe man ein Logistikcenter.

An Investitionen habe man in Wollsdorf rund 1,5 bis zwei Mio. Euro geplant, in Varazdin rund 1,5 Mio. Euro. Durch die Umrüstung der Trocknungsanlage auf Infrarot reduziere man den Energieverbrauch von 605 auf 61 MW/h pro Jahr um 90 Prozent.

Im Nachgerbe-Prozess werde Wasser zum Teil durch Polymertechnologie ersetzt: "Das Granulat ist in mehreren Gängen verwendbar, wir brauchen in manchen Bereichen 50 Prozent weniger Wasser", sagte Kindermann. Hier sei man Versuchspartner der britischen Firma Xeros.

Man arbeite auch daran, die Geruchsbelästigung durch die Lederherstellung zu minimieren: Das Pufferbecken der Kläranlage erhalte eine Einhausung und die schwefelhaltigen Abwässer würden gezielt abgeführt.

Zu den Marktaussichten meinte der Geschäftsführer, in den USA erwarte man sehr gutes, in China deutliches und in Europa geringes Wachstum. Gesamt habe man einen "absolut positiven Ausblick". In High Point ist eine Verdoppelung der Logistikfläche geplant.

Von der Magna-Aufnahmewelle betroffen

Was neue Arbeitskräfte betreffe, so seien vor allem Ledertechniker und Chemiker gefragt. Von der Magna-Aufnahmewelle sei man durchaus betroffen, "da wir Fachkräfte nicht mehr aus der Region bekommen, wie Schlosser oder Elektriker".

Man behelfe sich damit, ungelernte Kräfte aufzunehmen und aus- bzw. weiterzubilden. Die größte Gruppe an Arbeitnehmern im Wollsdorfer Werk bei Gleisdorf seien Österreicher, die zweitgrößte setze sich aus Ungarn, Slowenen und Rumänen zusammen. (apa/red)