OMV und Gazprom

Tauschhandel mit Gazprom

Seit Sommer zieht Rainer Seele die Fäden bei der OMV. Auch wenn er immer wieder beschwört, die russische Gazprom steige nicht bei der OMV ein: Eine scharfe Kurskorrektur in Richtung Osten scheint sich anzubahnen.

Von

Der Kurswechsel: Diesen Sommer übernahm Rainer Seele das Ruder bei der OMV. Zu zentralen Fragen der künftigen Strategie schweigt der Konzernchef, doch die neue Richtung ist klar – enge Anbindung an Russland.

Dabei ist das größte Problem der OMV zur Zeit das Öl: Während die Opec den Markt mit dem Rohstoff flutet, wird ab 2016 der Iran als neuer Lieferant den Preis weiter nach unten drücken. Für das dritte Quartal veröffentlichte der Konzern eine Abschreibung von einer Milliarde Euro. Der Erlös der ersten neun Monate sackte um 38 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro ab.

Der Tauschhandel

Für Optimismus gebe es bei der OMV im Moment keinen Grund, sagen die Analysten der Erste Group. Rainer Seele sieht das naturgemäß anders: Der Konzern müsse Kosten senken und das Portfolio anpassen. Und weil die Kosten in der Nordsee zehn Mal so hoch seien wie im Mittleren Osten und Russland, werde sich die OMV auf genau diese Regionen konzentrieren. So ist bei der Annäherung an Russland neben dem Anteil an Nord Stream II ein zweiter Schachzug bereits fixiert: Die Österreicher bekommen von Gazprom 24,98 Prozent an zwei Projekten im westsibirischen Förderfeld Urengoi. 

White Paper zum Thema

Gazprom folgt hier seiner üblichen Strategie: Technisch ganz leicht auszubeutende Lagerstätten macht man selbst, sehr komplexe und damit risikoreiche Felder dagegen als Kooperation mit Ausländern. Entsprechend laufen schon seit Monaten Überprüfungen der möglichen Fördermengen in Urengoi. Am Ende müsse die OMV den Rohstoff noch in Russland an Gazprom verkaufen, so die "Presse" – weil der Staatsmonopolist auch das Exportmonopol für Russland habe. Dafür bekommen die Österreicher nicht einmal eine Sperrminorität an dem Projekt. Offenbar mehren sich selbst innerhalb der OMV die Zweifel, welche Vorteile dieser milliardenschwere Tausch Österreich bringe. Der Deal ist alles andere als ein Geschenk. Im Gegenzug ist mit den Russen ein Tausch der Vermögenswerte vereinbart.

Antworten auf die zentrale Frage im Februar

Was wird die OMV an Gazprom abtreten? Das ist die spannendste Frage im neuen Kurs von Rainer Seele. Er selbst schweigt dazu beharrlich und wiederholt lediglich, dass ein direkter Einstieg von Gazprom bei der OMV nicht in Frage kommt. Erst nächsten Februar will der Konzernchef konkrete Details nennen. 

Einige Bewegungen zeichnen sich trotzdem ab. So übernimmt die OMV die Großhandelsgesellschaft EconGas ganz. Zugleich erstaunt die Analysten, dass sich der Konzern von 49 Prozent des profitablen Gasleitungsbetreibers Gas Connect Austria (GCA) trennen will. Eine für das Energiegeschehen nicht ganz unwichtige Entscheidung, denn GCA spielt eine zentrale Rolle in der Gasversorgung für Österreich und fünf Nachbarstaaten. Doch der Anteil an GCA werde nicht an Gazprom, sondern an den Bestbieter verkauft, heißt es in Wien. 

Außerdem könnte der russische Staatsmonopolist Anteile an den Raffinerien der OMV, an EconGas oder am Gasknoten Baumgarten bekommen – den einst schon Seeles Vorgänger Roiss Gazprom zugesagt hatte. So oder so dürfte der russische Konzern seinem Ziel ein gutes Stück näher rücken: direkte Verbindung zu den Endkunden in Westeuropa. 

Während sich Rainer Seele zu den Details der Kooperation mit Gazprom gegenüber österreichischen Medien bedeckt hält, formulierte er es im Interview mit der russischen "Wedomosti" so: "Eines ist absolut klar: Gazprom wird diese Kooperation schätzen, und Gazprom kann sich auf meine aktive Mitwirkung verlassen."

(INDUSTRIEMAGAZIN 12/2015 - 01/2016)

Verwandte tecfindr-Einträge