Produktvergleich

Zangen mit Biss

Produkttest: Stromzange ist gleich Stromzange? Mitnichten. Wir testeten Stromzangen, die sich zum Datenloggen eignen. Und waren überrascht, wie gut die Modelle sind – auch die günstigen.

Das Schöne an den Werk-und-Technik-Tests ist, dass die Redaktion dabei immer wieder etwas Neues lernt. Zum Beispiel Fachvokabular. Bis vor kurzem meinten sie noch, dass eine Stromzange eine Stromzange ist und ein Stromzangenmultimeter ein Stromzangenmultimeter. Deshalb bestellte das Heft für den diesmaligen Test Stromzangen, mit denen Stromverläufe gemessen, geloggt und mit einem Referenzsystem verglichen werden sollten.

In der Folge langten allerdings haufenweise Zangenmultimeter in der Redaktion ein – alles tolle Dinger, nur für diesen Zweck völlig ungeeignet. Denn Zangenmultimeter mit Display haben meist keine Möglichkeit, Messverläufe aufzuzeichnen. Mit Loggen ist da gar nichts. Zurück an den Start also.

Bei der nachfolgenden Recherche erfuhren wir dann, dass die gesuchten Zangen ohne Display, dafür mit der Möglichkeit, Daten auszulesen, bei jedem Hersteller anders heißen. Es gibt also Stromzangenadapter, Stromsensoren, Zangenstromwandler, Oszilloskopzangen, Strommesszangen und noch ein paar andere mehr. Nachdem diese babylonische Sprachverwirrung geklärt war, bekam die Redaktion von den meisten Herstellern doch das zugeschickt, was sie wollten. Und so gingen letztlich folgende Zangen an den Start: die Voltcraft VC-511, die Benning CC3, zwei Geräte von Chauvin Arnoux, nämlich die PAC11 und die E3N, und die CP330 von Gossen-Metrawatt.

Sie alle erfüllten die im Vorfeld gestellten Spezifikationen: Die Geräte sollten Gleichstrom und Wechselstrom messen können, für sehr kleine, kleine und mittlere Ströme geeignet sein und den – diesmal eher großzügig angesetzten – Preis von 500 Euro netto nicht überschreiten.

Exote im Test

Ein Exote wurde in den Test auch aufgenommen: das Flir CM83 Stromzangenmultimeter, ein Gerät mit Display, also eigentlich zu jener Gruppe gehörig, die man nicht testen wollte. Allerdings kann man mit dem Flir CM83 Zangenmultimeter die Daten, anders als bei den üblichen Stromzangenmultimetern, doch loggen. Und zwar per App, die man sich aus dem Internet holt. Das fand man spannend und nahm den Flir-Kandidaten mit in denTest. Wegen der nicht gegebenen Vergleichbarkeit allerdings außer Konkurrenz.

Getestet wurde zweierlei: die Messgenauigkeit und die Praxistauglichkeit der Geräte. Zur Prüfung der Messgenauigkeit wurde mit einer Spannungsquelle und einem Lastwiderstand Strom generiert und den zeitlichen Stromverlauf mit einem High-End-Referenzsystem um rund zehntausend Euro verglichen. Der Testverlauf, der dazu ausgedacht wurde, war simpel: Es wurde der Einschalt- und den Ausschaltvorgang gemessen, aufgezeichnet und die aufgezeichneten Verläufe mit der Analysesoftware DIAdem miteinander verglichen.

Das Einfache des Aufbaus sollte nicht über die Anforderungen täuschen, die der Aufbau an unsere Testkandidaten stellte. Die Ein- und Ausschaltphase, also die Zeit, in der sich die Stromstärke beim Einschalten aufbaut bzw. beim Ausschalten abbaut, dauert nach den Werten des Referenzsystems rund 40 Mikrosekunden. Umso überraschender war es, dass alle getesteten Geräte für diese extrem kurze Zeitspanne Verlaufskurven zeichneten, die kaum von der Kurve des rund zwanzigmal teureren Referenzsystems abwichen.

Beim Einschaltvorgang war sowohl bei der E3N von Chauvin Arnoux als auch der CP330 von Gossen-Metrawatt die Kurve de facto ident mit der Kurve des Referenzsystems. Eine fast deckungsgleiche Kurve brachte auch die PAC11 von Chauvin Arnoux zuwege, das aber um ein paar Mikrosekunden verzögert. Keine Verzögerungen gab es bei der CC3 von Benning, die Kurve fiel allerdings etwas eckiger aus, was auf minimal geringere Sensibilität des Geräts schließen lässt. Relativ am stärksten war die zeitliche Verzögerung bei der Voltcraft VC-511, ihre Kurve war etwas deutlicher verzerrt.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch beim Ausschaltvorgang, wobei hier die Abweichungen zum Referenzsystem generell etwas stärker waren. Die E3N von Chauvin Arnoux und die CP330 von Gossen-Metrawatt, aber auch die CC3 von Benning schafften zwar beinahe die Idealkurve, sie zeichneten allerdings leicht verzögert auf. Bei der PAC11 fiel die Verzögerung etwas größer aus. Und die Voltcraft VC- 511 hatte wieder die relativ größte Abweichung.

Perfekte Messergebnisse

Die Interpretation dieser Ergebnisse ist nicht einfach. Die Abweichungen sind nämlich allesamt derart gering, dass sie kaum die Behauptung rechtfertigen, eine der Zangen würde genauer messen als eine andere. Wenn man dennoch eine Reihung machen wollte, würden die Tester behaupten, dass bei den Messungen die E3N von Chauvin Arnoux und die CP330 von Gossen-Metrawatt am sensibelsten reagierten, eine Haarbreite dahinter folgen dann die CC3 von Benning und die PAC11 und noch eine Haarbreite weiter hinten die VC-511 von Voltcraft. Wobei gerade dieses Ergebnis wieder relativiert werden muss, denn angesichts des Nettopreises von 57,50 Euro, der sich mit Mengenrabatt sogar unter 50 Euro drücken lässt, misst die Voltcraft eigentlich beeindruckend genau.

Und die außer Konkurrenz getestete Flir? Das Aufzeichnen mit der App funktioniert und die Übertragung per Blootooth auch. Ein Problem taucht allerdings auf, wenn man die Daten von der App in ein anderes Programm übernehmen möchte. Dann muss man nämlich aufpassen, dass die Skalen noch stimmen. Und vor allem: Wenn Zangen zum Loggen an ein externes System angeschlossen werden, können an diesem System zugleich auch Geräte hängen, die andere Parameter erfassen, zum Beispiel Druck, Temperatur, was auch immer. Mit einer App, die nur für ein Gerät entwickelt wurde, geht das natürlich nicht. Darin sahen die Tester den größten Nachteil der App-Lösung. Als Zangenmultimeter bewährt sich die Flir CM83 zwar hervorragend, aber das wollte man ja nicht testen. Für alle Flir-Anhänger erfreulich: Das Unternehmen will in Zukunft auch einen Stromsensor auf den Markt bringen, der speziell für Verlaufsaufzeichnungen designt ist. Man ist gespannt.

Messgenauigkeit ist ein wichtiges, angesichts der grundsätzlich sehr hohen Qualität der getesteten Geräte aber möglicherweise nicht das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Recht stark unterscheiden sich die Modelle auch in Bezug auf die Zangenöffnung. Von 30 Millimeter Durchmesser bis 11,8 Millimeter variieren die Werte der Kandidaten. Während also für die Automotive-Industrie mit eher schmalen Leitungen und beengten Platzverhältnissen die E3N geeignet sein könnte, passen dort, wo breite Leitungen zu messen sind, andere Modelle besser. Und natürlich spielt auch die Größe des Geräts eine Rolle. Hier fielen vor allem Benning und Gossen-Metrawatt positiv durch Geräte auf, die einerseits eine große Zangenöffnung haben, anderseits aber dennoch sehr schmal gebaut sind, so dass man damit auch an schwer zugängliche Leitungen kommt.

Für Gleichstrommessungen wichtig ist überdies der Nullpunktabgleich. Bei manchen Geräten lässt er sich automatisch bewerkstelligen, indem man die dafür vorgesehene Taste drückt. Andere wiederum, wie die Chauvin-Arnoux-Zange E3N und die VC-511 von Voltcraft lassen die Nutzer an einem Potentiometer drehen und so eine manuelle Einstellung vornehmen.

Einheitliche Anschlüsse

Auch in anderen Details unterscheiden sich die Geräte voneinander. So hat die VC-511 als einziges der getesteten Modelle einen Drehschalter, mit dem das Gerät ein- und ausgeschaltet wird und mit dem man den Messbereich auswählt. Alle anderen Modelle nutzen dafür Schiebeschalter. Besonders gut gelöst ist die Auswahl des Messbereichs bei der Benning CC3. Die entsprechenden Werte sind hier sehr gut lesbar sowohl in V/A als auch in Ampere angegeben. Bei der Gossen-Metrawatt CP330 sind ebenfalls beide Werte nebeneinander angeführt, die Schrift fällt aber leider etwas klein aus. Und sowohl bei den beiden Modellen von Chauvin Arnoux als auch bei der VC-511 von Voltcraft muss der Nutzer schon eine Weile suchen, bis er beide Angaben gefunden hat.

Relativ einheitlich sieht es indessen bei den Ausgängen aus. Einen BNC-Anschluss bringt die E3N mit, alle anderen getesteten Geräte verfügen über Bananenstecker, wobei Gossen-Metrawatt sich hier ein recht nettes Detail einfallen lässt: Der Stecker ist in einem Stück gefertigt. Für noch mehr Begeisterung sorgte bei unseren Testern allerdings die Messleitung der Benning CC3. Die besteht nämlich aus einem Spiralkabel, wodurch lästiger Kabelsalat verhindert wird. Egal, wo gemessen wird, der Arbeitsplatz bleibt dadurch immer übersichtlich. Eigentlich verwunderlich, dass andere Hersteller nicht auch auf diese Idee gekommen sind.

Wie überhaupt die Benning CC3 viele Fans unter den Testern hatte. Wohl weil sie ein sehr kompaktes, handliches Gerät zu einem wirklich sehr fairen Preis ist. Und in den Messleistungen steht sie den teureren Mitkonkurrenten kaum nach. Neben dem Alleinstellungsmerkmal Spiralkabel sind die zum Lieferumfang gehörende Bereitschaftstasche, die automatische Taste für den DC-Nullabgleich und nicht zuletzt eine eigene LED für niedrigen Batteriestand weitere Gründe, warum dieses Gerät am Ende den Preis-Leistungs-Tipp bekommt.

Und die anderen Geräte? Für Einsteiger oder simple Anwendungen bleibt auch die VC-511 von Voltcraft eine Option. Etwas schlechter in den Messergebnissen, dafür aber mit einem großen Messbereich ausgestattet und unschlagbar günstig. Ein praktisches Detail, das andere Testkandidaten nicht haben, hat die VC-511 auch: eine berührungslose AC-Spannungsprüfung. Manchmal recht praktisch.

Langzeitmessungen

An der E3N von Chauvin Arnoux hat die Tester vor allem die Exaktheit begeistert. Und ihre besondere Eignung für Langzeitmessungen. Mit einem Netzgerät inklusive Anschlussadapter lässt sich die E3N sehr gut für Langzeitmessungen einsetzen, weil die Sorge wegfällt, die Batterie könnte ausgerechnet während der Aufzeichnung den Geist aufgeben. Labors, die 24-Stunden- oder noch längere Reihen aufzeichnen, wissen das zu schätzen. Deshalb und wegen der exakten Messwerte geht daher der Labortipp an die E3N.

Nicht minder exakt misst die CP330 von Gossen-Metrawatt. Aufgrund des größeren Zangendurchmessers kann sie etwas vielfältiger eingesetzt werden und eignet sich auch für den Einsatz außerhalb von Labors. Eine sehr große Stärke der CP330 liegt außerdem in ihrer kaum zu toppenden Ergonomie. Das Gerät liegt unglaublich gut in der Hand. Was ohnehin eine Stärke von Gossen-Metrawatt zu sein scheint. Werk und Technik erinnert an dieser Stelle an den Multimeter-Test. Auch da waren die Tester von der Ergonomie von Gossen-Metrawatt begeistert. In diesem Test bekommt die CP330 von Gossen-Metrawatt von uns den Praxistipp verliehen.

Zusammenfassung: So wurde getestet

Die Faktoren Messgenauigkeit, Ergonomie, und Gerätepreis waren ausschlaggebend für die Ergebnisse. So wurde in Sachen Messgenauigkeit anhand eines Testaufbaus mit einem Referenzgerät aus 
der High-End-Klasse bis in Mikrosekunden hinein überprüft, wie genau die Kandidaten messen.

Man checkte außerdem in Hinblick auf die Ergonomie, wie die Bedienelemente angeordnet sind, ob die Zange gut in der Hand liegt und sie sich auch gut einhändig bedienen lässt.

Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, ob die einzelnen Geräte Features besitzen, die sie von der Konkurrenz abheben und die einen neuen Standard schaffen.

Am Ende wurden die erhobenen Befunde in Relation zum Gerätepreis gesetzt, um auch einen Überblick darüber zu bekommen, ob der Preis angemessen kalkuliert wurde.

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Benning CC3

Zangenöffnung: 25 mm
Gewicht: 300 g
Maße: 175 x 45 x 27 mm
Ausgang: Bananenstecker
Spannungsmessung: AC/DC
Gesamteindruck: Ein sehr kompaktes, praktisches Gerät zu einem sehr fairen Preis. Absoluter Preis-Leistungs-Tipp. Messbereichsangaben sehr gut lesbar. Kommt mit Bereitschaftstasche. Trotz des guten Preises kaum Schwächen bei der Genauigkeit.
Bemerkenswert: Hat ein einzigartiges Spiralkabel. Damit schafft sie Ordnung an jedem Arbeitsplatz.
Preis (exkl. MwSt.): 138,50

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Chauvin Arnoux Pac11

Zangenöffnung: 30 mm bzw. 50 x 10 mm
Gewicht: 420 g
Maße: 224 x 97 x 44 mm
Ausgang: Bananenstecker
Spannungsmessung: AC/DC
Gesamteindruck: Robuste Stromzange, die immer zuverlässige Werte liefert. Die recht große Zangenöffnung macht sie zum Favoriten dort, wo an dickeren Leitungen gemessen werden muss. Sehr solide Verarbeitung. Für Außeneinsatz gut geeignet.
Bemerkenswert: Die gut durchdachte Zangenform erlaubt mehr Spielraum als man vermuten würde. 
Preis (exkl. MwSt.): 187,-

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Chauvin Arnoux E3N

Zangenöffnung: 11,8 mm
Gewicht: 335 g
Maße: 231 x 67 x 36 mm
Ausgang: BNC-Anschluss
Spannungsmessung: AC/DC
Gesamteindruck: Das ist das ultimative Laborgerät im Test. Sehr genau und mit einer Option für einen Netzadaptar ausgestattet. Überall dort, wo lange gemessen wird und keine großen Durchmesser gebraucht werden, eine sehr gute Wahl. 
Bemerkenswert: Sehr minimalistisches Design. Kommt auch dorthin, wo andere keinen Platz haben.
Preis (exkl. MwSt.): 330,-

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Flir CM83

Zangenöffnung: 37 mm
Gewicht: 640 g
Maße: 254 x 90 x 35 mm
Ausgang: Bananenstecker
Spannungsmessung: AC/DC
Gesamteindruck: Lief als Exot außer Konkurrenz in diesem Test mit. Eigentlich nicht geeignet, um damit Daten loggen zu können. Mit der Flir-App geht's trotzdem. Doch die wahre Berufung der CM83 ist es trotzdem, ein Multimeter zu sein, und keine Zange.
Bemerkenswert: Als Gerät mit Display nicht zum Loggen gedacht. Mit der App geht's trotzdem.
Preis (exkl. MwSt.): 349,-

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Gossen Metrawatt CP330

Zangenöffnung: 25 mm
Gewicht: 290 g
Maße: 194 x 74 x 25 mm
Ausgang: Bananenstecker in einem Stück
Spannungsmessung: AC/DC
Gesamteindruck: Ein absolut zuverlässiger Partner. Perfekte Messwerte. Sehr gutes und zugleich einfaches Design. Schmal trotz relativ großer Zangenöffnung. Gleichermaßen gut geeignet für den Einsatz drinnen wie draußen.
Bemerkenswert: Liegt genial in der Hand. Das ergonomisch eindeutig beste Gerät im Test.
Preis (exkl. MwSt.): 335,-

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Voltcraft VC-511

Zangenöffnung: 30 mm
Gewicht: 220 g
Maße: 149 x 63 x 37 mm
Ausgang: Bananenstecker 
Spannungsmessung: AC/DC
Gesamteindruck: Das günstigste Gerät im Testfeld. Mit Mengenrabatt netto unter 50 Euro zu haben. Für diesen Preis sehr solide Messleistung, wenn auch weniger genau als die Konkurrenz. Als Einsteigergerät dennoch empfehlenswert.
Bemerkenswert: Berührungslose AC-Spannungsprüfung, mit einer LED auf der Vorderseite.
Preis (exkl. MwSt.): 57,50