AMAG-General Gerhard Falch

"Ich wollte nicht administrieren, ich wollte Bewegung sehen"

Im April übergibt AMAG-General Gerhard Falch das Ruder an Nachfolger Helmut Wieser. Jetzt feilt Falch an einer Strategie, die das Unternehmen ins nächste Jahrzehnt leiten soll.

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AMAG Aluminium Aluminiumindustrie Gerhard Falch

Wie ist der Stand bezüglich des Ausbaus der kanadischen Aluminiumschmelze Alouette? Immerhin sind die Aluminiumpreise derzeit im Keller ...

Falch: Auch hier wird weiter zu investieren sein. Drei Viertel aller Aluschmelzen weltweit schreiben angesichts der niedrigen Alupreise Verluste – nicht jedoch unsere Beteiligung in Kanada, eine der effizientesten Elektrolysen weltweit. Im Bereich Stromverbrauch pro Tonne Aluminium setzen wir Benchmarks. Auch die logistischen Rahmenbedingungen – insgesamt werden mehr als drei Millionen Tonnen Tonerde und Koks angeliefert und 600.000 Tonnen Primäraluminium abtransportiert – sind dank des tiefseeschifftauglichen Hafens in Kanada unschlagbar.

Weniger rosig ist die Wettbewerbssituation in der Gießerei. Immer mehr Mitbewerber wollen es Ihrem „grünen Aluminium“ nachmachen und versuchen, ihren Recyclinganteil zu erhöhen ...

Falch: Dass viele Wettbewerber unsere Strategie folgen, stimmt. Aber die sind natürlich noch weit von unseren Recyclingquoten von 75–80 Prozent entfernt. Es gibt Mitbewerber, die streben an, einen Recyclinganteil von 30–40 Prozent oder mehr zu schaffen. Ich stimme Ihnen also nicht zu, dass hier die Situation nicht rosig sei. Wir schaffen es, selbst die Bodenasche einer Müllverbrennungsanlage zu hochwertigem Aluminium zu verarbeiten. Das stellt andere vor unlösbare Aufgaben. Damit können wir etwa vom Mischpreis bei Schrotthändlern profitieren, wie das sonst kein anderer Mitbewerber kann.

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Herr Falch, ein paar Zimmer weiter wird derzeit wohl schon an Ihrer letzten Bilanz als Generaldirektor der AMAG getüftelt. Hätten Sie sich dafür eigentlich ein einfacheres konjunkturelles Umfeld gewünscht?

Falch: Sie haben Recht mit der Ansage, dass die Zeit nicht einfach ist. Der Primäraluminiumpreis ist im Keller. Südeuropäische Mitbewerber im Gießereibereich drücken angesichts der Schwäche der lokalen Industrie, u. a. Auto, die Margen. Und ich sehe auch konjunkturell – hier ist Wolfgang Eder optimistischer als ich – nicht den großen Aufschwung 2014. Aber eines ist auch wahr: Wir konnten unseren Absatz im letzten Quartal weiter um 2,9 Prozent auf 274.000 Tonnen erhöhen. Für das Gesamtjahr erwarten wir trotz des hohen Margendrucks ein EBITDA von 116 bis 121 Millionen Euro, nach 133,8 Millionen Euro im Vorjahr. Und wir sind mittlerweile einer der wenigen Aluminiumhersteller, die mit der Aluminiumproduktion gutes Geld verdienen ...

Seit Sie 2007 hier das Ruder übernommen haben, ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Stellen Sie sich manchmal die Frage, was passiert wäre, hätten Sie früher hier mitgestalten können?

Falch: Eine nachträgliche Betrachtung ist rein hypothetisch und steht mir nicht zu. Seit meiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden im Jahr 2007 haben wir im Vorstandsteam und mit Unterstützung der Führungsmannschaft und Belegschaft die sich uns bietenden Chancen bestmöglich genutzt. Man muss dabei aufpassen, das sich rasant ändernde Marktumfeld richtig einzuschätzen, und zeitgerecht Entscheidungen treffen. Und das muss einem der Aufsichtsrat auch erst lassen. Jeder, der mich in die Funktion gesetzt hat, wusste, dass der Falch keiner ist, der administriert, sondern der Bewegung sehen wollte.

Sie sollen, wie man hört, dem Unternehmen ab 2014 als Aufsichtsratsvorsitzender zur Verfügung stehen ...

Falch: ... hört man das? Nun, ich bin dann 66 Jahre, wenn ich im April 2014 den Vorstandsvorsitz abgebe. Ich möchte mich aus der ersten Reihe zurückziehen. Möchte es mir ein bisschen besser gehen lassen. Aber ich werde in verschiedenen Aufsichtsräten bleiben, vielleicht das eine oder andere Mandat dazubekommen. Ob die Eigentümer der AMAG diesbezüglich auf mich zukommen, müssen Sie die selbst fragen...

Das Gespräch führte Rudolf Loidl