Strategie

Wolfgang Porsche fordert eine "Gewaltenteilung" bei VW

Wolfgang Porsche, Aufsichtsrat und Miteigentümer von Volkswagen, spricht von einem schweren Fehler im Zusammenhang mit der Abgasaffäre. Es nütze jedoch niemandem, "aktiv eine unserer Schlüsselindustrien zu gefährden". Der Betriebsrat sollte demnach mitbestimmen, aber nicht mitsteuern.

Volkswagen-Miteigner Wolfgang Porsche hat sich für eine stärkere Abgrenzung der Befugnisse des Betriebsrats beim deutschen Autobauer ausgesprochen. "Arbeitnehmer sollten bei Themen, die die Mitarbeiter betreffen, mitbestimmen, zitierte ihn das Magazin "Stern". "Aber es sollte sich darauf beschränken, und es sollte sich daraus kein Anspruch auf ein Co-Management ableiten."

Klar sei auch, dass der Vorstand das Unternehmen führe und am Ende die Verantwortung für die Entscheidungen trage. Porsche sprach in diesem Zusammenhang von einer "Gewaltenteilung" zwischen Management und Betriebsrat.

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Abgasbetrug war "ein schwerer Fehler"

Im Zusammenhang mit der Abgasaffäre bei Volkswagen spricht Wolfgang Porsche von einem "schweren Fehler". "Aber die Sache wird aufgearbeitet, und die Probleme werden Stück für Stück in Ordnung gebracht", so Porsche.

Sicher seien viele Kunden wegen der Affäre enttäuscht, aber trotzdem entschieden sich offenbar sogar mehr Menschen als früher für einen VW. "Sonst hätten wir nicht so hervorragende Konzernzahlen vermelden können", sagte Porsche

Wolfgang Porsche ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der VW-Dachgesellschaft Porsche SE und damit einflussreichster Vertreter der Eigentümerfamilien. Die Familien Porsche und Piech halten über die Dachgesellschaft gut 52 Prozent der VW-Anteile.

Vom neuen Volkswagen-Chef, dem Österreicher Herbert Diess, erwartet Porsche, dass er das Tempo der Veränderung nochmals erhöhen und die Konzernstruktur umfassend weiterentwickeln werde.

Diess will Volkswagen mit dem größten Umbau in der Firmengeschichte schneller und wendiger machen. Dazu will er die zwölf Marken des Konzerns in den Segmenten Massenmarkt, Premium und Luxus bündeln. So sollen Doppelarbeiten in dem Konzern mit weltweit 640.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 230 Milliarden Euro vermieden werden. Mehr dazu:

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Hintergrund: Österreicher leiten Aufsichtsrat und Vorstand von VW

Beim weltgrößten Autobauer leiten damit zwei Österreicher sowohl den Aufsichtsrat als auch den Vorstand, denn auch Hans Dieter Pötsch stammt aus der Alpenrepublik. Das muss kein Zufall sein. Mehr dazu: Wer regiert VW? Machtübergabe in den zwei Familien hinter VW >>

Konflikt zwischen Diess und Betriebsrat Osterloh beigelegt

Zwischen der Arbeitnehmervertretung von VW und dem Vorstand war es in der Vergangenheit wiederholt zu Konflikten gekommen. Vor einem Jahr trug Betriebsratschef Bernd Osterloh einen Streit mit Diess über das geplante Sparprogramm bei VW öffentlich aus. Der Betriebsrat ist aufgrund der bei dem Wolfsburger Autobauer ausgeprägten Mitbestimmung besonders einflussreich.

Osterloh bekräftigte im "Handelsblatt", der Zwist mit Diess sei beigelegt. "Seitdem haben wir eine Arbeitsebene, die funktioniert und belastbar ist." Reibereien werde es aber auch in Zukunft geben.

Betriebsratschef: Den Konzern führt der Vorstand

Der Betriebsratschef machte in dem Interview einen Tag vor der Hauptversammlung klar, das weder die Anteilseigner noch die Arbeitnehmervertreter das operative Geschäft führten. "Es hat unsere volle Unterstützung, dass der Vorstand für die Entscheidungen im Unternehmen verantwortlich ist. Und wenn er dieser Verantwortung gerecht wird, gut begründet nachvollziehbare Entscheidungen trifft und auch entsprechend führt, dann haben wir nichts zu kritisieren."

Osterloh verwies darauf, dass die Arbeitnehmerseite die Hälfte des 20-köpfigen Aufsichtsrats bilde. Die Arbeitnehmer müssten sich mit ihrer Expertise und Detailkenntnis zu dem Unternehmen und dessen Strategie "vor niemandem verstecken", fügte er hinzu.

Sein Verhältnis zu Diess, der vor wenigen Wochen Matthias Müller an der Konzernspitze abgelöst hatte, beschrieb Osterloh als sachbezogen. "Ein persönliches Verhältnis hat man mit Freunden. Er hat eine Funktion und ich habe eine Funktion."

(Reuters/dpa/apa/red)

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