Biomasse

Wissenschafter: Biomasse ist oft überhaupt nicht nachhaltig

Die Umstellung von Strom aus Kohle auf importierte Biomasse sei eine "äußerst problematische Entwicklung", so Wissenschaftsakademien der EU-Länder, zu denen auch die ÖAW gehört. In Wahrheit könne das Emissionen erhöhen, statt sie zu senken.

In einem neuen Bericht äußern sich die nationalen Wissenschafts-Akademien der EU-Länder kritisch über den Einsatz von Biomasse. Diese sei nicht automatisch eine nachhaltige Energieform. Der EASAC, der Dachorganisation der Akademien, gehört auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften an.

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Umstellung von Kohle auf Biomasse "äußerst problematisch"

Als "äußerst problematische Entwicklung" wird in dem Bericht die in großem Umfang betriebene Umstellung von Kohle auf importierte Biomasse gesehen, speziell die Einfuhr von Holzpellets aus anderen Ländern für die Stromerzeugung. Getrieben werde dies durch Regelungen, die Verbrennung dieser Biomasse als emissionsfrei zu bilanzieren. Dies ermöglicht Ländern, ihren im EU-Emissionshandelssystem deklarierten CO2-Ausstoß zu reduzieren, "obwohl diese Praxis ihre Emissionen tatsächlich erhöhen kann".

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Tatsächlich würden aber die geringere Energiedichte der Biomasse und die Emissionen aus der Lieferkette das CO2 in der Atmosphäre erhöhen und damit die globale Erwärmung beschleunigen. Für die EASAC leistet Energie aus Waldbiomasse keinen effektiven Beitrag zur Verringerung des Klimawandels und sollte daher nicht als nachhaltige Energieform bezeichnet werden. Der EASAC-Bericht ist hier abrufbar (externer Link) >>

"Enorm riskanter" Einsatz von CCS-Technologien, um Klimakatastrophe zu vermeiden

Weil es nicht gelinge, das Wachstum der globalen Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu bremsen, würden Technologien zur Abscheidung von CO2 aus der Atmosphäre immer wichtiger, heißt es in dem Bericht der Dachorganisation der europäischen Akademien EASAC, der auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) angehört. Weil es aber "enorm riskant" sei, sich auf den künftigen Einsatz noch nicht erprobter CCS-Technologien zu verlassen, müsste die Reduktion der Emissionen oberste Priorität haben.

"Klimamodelle deuten darauf hin, dass eine frühzeitige Anwendung von Technologien mit negativen Emissionen (also CCS-Technologien, Anm.) gepaart mit Maßnahmen zur Emissionsreduktion eine größere Chance bieten, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und katastrophale ökologische und soziale Auswirkungen zu vermeiden, als die Anwendung von CCS-Technologien in größerem Umfang im Laufe des Jahrhunderts", betonen die Wissenschafts-Akademien.

Aufbau eines neuen Industriezweigs gefordert

Gleichzeitig müssten aber auch tragfähige CCS-Technologien entwickelt werden. Dafür wäre ein europäisches Forschungsprogramm notwendig. Zur Anwendung von CCS-Technologien im erforderlichen Ausmaß wäre der Aufbau einer neuen Industrie nötig, deren Größe jener für fossile Brennstoffe entspricht, heißt es. Dies würde eine enorme Umverteilung von Ressourcen in der Wirtschaft verlangen.

Besser: Weniger zerstören

Als "kostengünstigster und praktikabelster" Ansatz für eine CCS-Technologie wird in dem Bericht ein Stopp der Entwaldung, Wiederaufforstung, die Erhöhung des Kohlenstoffgehalts im Boden und der Schutz von Feuchtgebieten genannt. Dies sei sowohl für Entwicklungs- als auch für Industrieländer relevant.

Allerdings sei die Kapazität dieser Kohlenstoffsenken innerhalb weniger Jahrzehnte ausgeschöpft. Die Rolle der Bioenergie bei der CO2-Abscheidung und Speicherung sei "mit erheblichen Risiken und Unsicherheiten verbunden", sowohl hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen, als auch was ihr Netto-Potenzial betrifft, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. (apa/red)

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