Wirtschaftspolitik

Wirtschaftskammer schlägt Reformen für den Standort Wien vor

Die Wiener Industriesparte der Wirtschaftskammer beklagt die seit Jahren anhaltende Abwanderung der Industrie aus der Hauptstadt. Mit fünf Maßnhamen soll dieser Trend gestoppt und der Standort Wien wieder attraktiver gestaltet werden.

Der Industriestandort Wien steht seit Jahren unter Dauerdruck. Die Betriebe beklagen zu viel Bürokratie, hohe Gebühren und Abgaben sowie eine schlechte Stadtplanung im Hinblick auf Industriezonen. Nach Angaben der Wirtschaftskammer sind in den letzten 20 Jahren die Wiener Industriebetriebsflächen um 21 Prozent geschrumpft. In den letzten Jahren habe sich dieser Prozess beschleunigt, so die Wirtschaftskammer weiter.

Die Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Wien wirbt mit einem Fünf-Punkte-Plan für eine wirtschaftsfreundlichere Politik und Reformen, mit denen der Standort Wien für Hersteller wieder attraktiver sein soll.

"Rund 200.000 Arbeitsplätze, die internationale Wettbewerbsfähigkeit und der Hochtechnologiestandort Wien stehen auf dem Spiel, wenn die Rahmenbedingungen für die industriellen Produktionsbetriebe nicht endlich verbessert werden", so Stefan Ehrlich-Adam, Industrie-Spartenobmann und Chef der Sicherheitstechnikfirma EVVA.

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Fünf Schwerpunkte

Das unter Mitwirkung von rund 50 Unternehmern ausgearbeitete Themenpaket umfasst fünf Schwerpunkte: Standort und Infrastruktur, Technologie und Innovation, Energie und Klimaschutz, Bildung und Arbeit, Steuern und Abgaben. Einer der Vorschläge lautet, Wien nicht nur als Tourismus-, sondern auch als Produktionsstandort international zu bewerben. Zu den weiteren Forderungen zählen u.a. der Umwidmungsstopp für bestehende Industrieflächen und die Reservierung freier Betriebsflächen für die Industrienutzung wie auch eine neu konzeptionierte Energiestrategie zur Risiko-Minimierung von Versorgungsunterbrechungen bzw. -schwankungen.

Ehrlich-Adam empfahl außerdem eine Harmonisierung der verschiedenen Bundes- und Landesförderungen: "Warum alles kompliziert machen?", fragte er. Eine Anpassung der Wiener Gebühren an die benachbarten Regionen würde außerdem Wettbewerbsnachteile und die Abwanderung von Betrieben verhindern. Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Vorstandsvorsitzende der Verbund-Tochter Austria Power Grid AG (APG) und stellvertretende Spartenobfrau, forderte außerdem "klare und einfache Regelungen": "Wir haben in Wien rund 560 Landesgesetze und Verordnungen mit rund 9.000 Paragrafen zu beachten. Bundesgesetze, EU-Richtlinien, nationale und internationale Normen sind dabei gar nicht berücksichtigt."

Einer der Schlüssel zum Erfolg sei außerdem das Thema Bildung, hieß es. 2015 konnten zum Beispiel 23 Prozent der Wiener Lehrbetriebe ihre offenen Lehrstellen nicht besetzen. Einerseits sei das Ausbildungsniveau der Bewerber zu gering gewesen, andererseits das Interesse am Absolvieren einer Lehre nur mangelhaft vorhanden. Diesem Fachkräftemangel müsse entgegen gesteuert werden, lautet die Kammerforderung - etwa durch das Festlegen verbindlicher Bildungsstandards, die alle Schüler mit Beendigung der Pflichtschule erreichen müssen. Überdies müsse die Lehre als attraktiver Berufsweg beworben werden.

Industrie will künftige Mitarbeiter schon im Kindergarten trainieren

Um die Wettbewerbsfähigkeit in einer vernetzten Welt herzustellen, sollte außerdem an Schulen ein Schwerpunkt auf Wirtschaft und Fremdsprachen gelegt werden, forderte Richard Kwizda, Geschäftsführer des gleichnamigen Pharmakonzerns Kwizda Pharma und stellvertretender Spartenobmann.

Aussichtsreiche Zukunft liegt außerdem in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern, prognostizierte Ehrlich-Adam. Wenn es nach ihm geht, so sollte der Nachwuchs bereits im Kindergarten-Alter mit diesem Materien vertraut gemacht werden. Was den Standort Wien betrifft, so könnte dieser eine Art Silicon Valley vertragen - nämlich in Form eines ausgebauten Technischen Universitäts (TU)-Campus mit Platz für Thinktanks und Start-ups, die Forschung, Technik und Wirtschaft in der Bundeshauptstadt beflügeln sollen. (apa/red)

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