Metaller-KV

Wirtschaftliche Situation der Metallindustrie: Studien widersprechen sich

Wie ist die Lage der großen Metallindustriebranche in Österreich? Dazu legen Arbeitnehmer und Arbeitgeber völlig unterschiedliche Eckdaten vor. Die Arbeiterkammer spricht von Gewinnen "auf sehr hohem Niveau", eine Studie der Arbeitgeber von einem deutlichen Gewinnrückgang.

Wie es wirtschaftlich um die Lage der Metallindustrie steht, darüber sind sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zu Beginn der Metaller-KV-Verhandlungen nicht ganz einig. Ein AK-Branchenbericht sieht Gewinne "auf einem sehr hohen Niveau", eine Arbeitgeber-Studie ortet einen deutlichen Gewinnrückgang.

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Arbeiterkammer: "Erträge trotz Rückgängen auf sehr hohem Niveau"

Die Arbeiterkammer (AK) hat die Jahresabschlüsse von 157 Unternehmen der Metallindustrie mit einem Umsatz von 42 Mrd. Euro analysiert. Die vom Sample umfassten Firmen beschäftigen mehr als 95.000 Mitarbeiter. "Die Ertragslage, gemessen am operativen Gewinn und Jahresüberschuss, weist zwar einen Rückgang auf, liegt jedoch auch im Jahr 2018 nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau", schreibt die AK in ihrer Analyse.

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Der operative Gewinn sei um 14 Prozent auf 2 Mrd. Euro zurückgegangen, das Ergebnis werde allerdings stark von einem Unternehmen beeinflusst. Ohne Berücksichtigung dieser Firma sinke der operative Gewinn um nur 3 Prozent, heißt es im AK-Branchenbericht.

KMU Forschung Austria bestätigt gute Situation, aber auch die Rückgänge

Das Institut KMU Forschung Austria hat im Auftrag der Wirtschaftskammer die aggregierten Bilanzkennzahlen der Metalltechnischen Industrie für das Bilanzjahr 2017/18 (Anfang Juli 2017 bis Ende Juni 2018) analysiert. Viele Unternehmen veröffentlichen ihren Jahresabschluss erst im Herbst. Im Schnitt schaffte ein durchschnittlicher Betrieb einen Betriebsgewinn (EBIT) in Prozent der Betriebsleistung von 6,54 Prozent.

Im Vorjahresvergleich ging die Kennzahl deutlich um 0,8 Prozentpunkte zurück. Unternehmen der Metalltechnischen Industrie wirtschaften im Geschäftsjahr 2017/18 mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote in Höhe von 36,56 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 0,97 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorjahresperiode.

IHS: Internationale Entwicklung entscheidend

Für den Arbeitsmarktökonomen Helmut Hofer vom Institut für Höhere Studien (IHS) hängt die Metallbranche aufgrund der hohen Exportquote sehr stark an der internationalen Wirtschaftsentwicklung. "In der Vergangenheit in den letzten drei Jahren hat es eine sehr, sehr gute Entwicklung gegeben, aber wie bekannt ist, hat sich die Weltwirtschaft deutlich abgekühlt. Insbesondere der Welthandel ist sehr, sehr schwach und darunter leidet natürlich die österreichische Metallindustrie und auch die Aussichten sind momentan nicht besonders", sagte Hofer im Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radios.

Wie hoch ein wirtschaftlich vertretbares Entgelt-Plus bei den Metaller-KV-Verhandlungen ausfallen könnte, wollte Hofer nicht kommentieren. "Ich überlasse das in diesem Fall den Verhandlern." Ein stärkerer Lohnabschluss stärke die Binnennachfrage, aber wenn dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gefährdet werde, dann habe keiner etwas davon. (apa/red)

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