Interview

„Wir sind wendiger und schneller“

Seit Kurzem finanziert die OeKB auch Inlandsinvestitionen. Kontrollbank-Chef Helmut Bernkopf erklärt, wie das funktioniert.

Helmut Bernkopf OeKB Exporte Finanzierung

Die OeKB ist als Exportfinanzierer bekannt. Seit dem Vorjahr werden auch Investitionen im Inland finanziert, wenn sie durch exportstarke Unternehmen getätigt werden. Ein Paradigmenwechsel?

Helmut Bernkopf Ein wenig, die Exportunterstützung und die entstehende österreichische Wertschöpfung stehen aber auch dabei im Mittelpunkt. Ein Produkt mit dem Namen „Auftragsinvest“ gab es schon einige Jahre. Inlandsinvestitionen konnten finanziert werden, wenn ein konkreter Exportauftrag dahintergestanden ist. Aber nicht jeder Exporteur hat einen Auftrag, der eine konkrete Investition nach sich zieht. Daher haben wir das Produkt im vergangenen Jahr erweitert und sind mit „Exportinvest“ am Markt: Unternehmen, die eine Exportquote von mehr als 20 Prozent haben, können ihre Inlandsinvestitionen im Prozentsatz ihrer Exportquote durch uns langfristig günstig zu den Konditionen einer Bundeshaftung finanzieren lassen.

Das bedeutet konkret, die Hausbank des Unternehmens mit einer 55-prozentigen Exportquote klopft bei Ihnen an und fragt nach einer günstigen, langfristigen Refinanzierung für 50 Prozent der Investitionssumme der neuen Produktionshallen?

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Bernkopf Ja. Unser Modell ist es immer, die Bank zu refinanzieren. Wir nehmen jährlich rund 4-5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt mit einer Bundeshaftung auf und verleihen dieses Geld an die Hausbanken weiter, die dann die Exportunternehmen finanzieren.

Ist es nicht tatsächlich so, dass sehr oft Unternehmen auf Sie zukommen und sagen: Ich hätte gerne diesen Kredit, wie überzeuge ich meine Bank davon?

Bernkopf Im Falle von Klein- und Mittelbetrieben nicht. Tatsächlich haben aber große Unternehmen ziemlich komplexe Transaktionen, die sie gerne auf mehrere Banken verteilen. Da sind wir dann oft direkter Ansprechpartner der Unternehmen.

Wie wird das Produkt „Exportinvest“ angenommen?

Bernkopf Im ersten Halbjahr 2018 haben wir rund 60 Projekte mit einem Volumen von über 500 Millionen Euro finanziert, wir sind sehr zufrieden. Wir haben das Produkt für Neu- und Ersatzinvestitionen im Inland kürzlich auch auf leasingfinanzierte Geschäfte ausgeweitet.

Im Juli hat die OeKB den Österreichischen Exportfonds ins Unternehmen geholt. Was ändert sich dadurch für Mittelständler?

Bernkopf Für unsere Kunden bedeutet die Verschmelzung einen unmittelbaren Vorteil. Durch die Umstellung der Konditionen auf jene der OeKB wurde der bisherige Exportfonds-Kredit, der als Produkt auch weiter bestehen bleibt, noch günstiger. Außerdem bieten wir mit der Verschmelzung die Beratung von Klein-, Mittel- und Großunternehmen – vom Betriebsmittelkredit bis zur Finanzierungslösung für Auslandsinvestitionen – jetzt komplett aus einer Hand an.

Sie sind Partner eines Start-up-Hubs namens WeXelerate. Ist die Digitalisierung für die OeKB ein Vehikel, um näher zu den Endkunden rücken?

Bernkopf Wir sind allen voran Abwickler und Dienstleister. Ziel unserer Zusammenarbeit mit Fintech-Start-ups sind langfristige Kooperationen, die das eigene Produkt- und Leistungsportfolio für Banken erweitern.

Was erhoffen Sie sich durch die Zusammenarbeit?

Bernkopf Einerseits erhalten wir Zugang zu disruptiven Ideen im Banken- und Versicherungssektor, etwa im Bereich Blockchain, Cyber Security, der IoT und den Themen Künstlicher und Erweiterter Intelligenz. Andererseits löst die Zusammenarbeit intern einen gewissen Kulturwandel aus. Es werden neue Ideen geboren, wie sich unser Geschäftsfeld in Zeiten der Digitalisierung weiterentwickeln kann.

Wie passiert Innovation bei der OeKB?

Bernkopf Wir verfolgen dabei einen Open Innovation-Ansatz – zur strategischen Nutzung externen Know-hows. Die Start-ups, mit denen wir zusammenarbeiten, müssen Prototypen vorweisen. Die bloße Idee allein reicht nicht aus. Mittlerweile binden wir auch verstärkt unsere Fachabteilungen in die Auswahl von Kooperationen mit Start-ups ein. Darüber hinaus haben wir die Rolle eines Innovationsmanagers geschaffen, der dabei unterstützt, Geschäftsfeld für Geschäftsfeld und Prozess für Prozess durchzugehen und Innovationspotenzial zu identifizieren.

Abschlussfrage an den früheren Firmenkundenchef der Bank Austria, der jetzt an der Spitze eines Spezialinstitutes mit Alleinstellungsmerkmal steht: Wie sehr beneiden Sie Ihre Vorstandskollegen, die im Sturm der Fintech-Innovationen alle Bankregularien erfüllen müssen?

Bernkopf (lacht) Ich habe schon das Gefühl, dass wir als kleines Unternehmen durchaus wendiger und schneller sind als große Institute. Und über die von uns finanzierten Exporteure stehen wir im gleichen harten globalen Wettbewerb. Denn nur wenn unsere Instrumente und Produkte global wettbewerbsfähig sind, kann der von uns finanzierte Exporteur im Wettbewerb, der längst auch über Finanzierungssicherheit und -schnelligkeit geführt wird, bestehen.

Zur Person

Helmut Bernkopf, der 51-jährige Betriebswirt, ist seit 2016 Vorstandsmitglied der Spezialbank OeKB. Die Oesterreichische Kontrollbank, ein Spezialkreditinstitut im Eigentum von Geschäftsbanken, ist Dienstleister im Kreditversicherungs-, Export- und Kapitalmarktservicebereich. Zuvor war Bernkopf nach mehreren nationalen und internationalen Vorstandspositionen in der Bank Austria Privatkundenvorstand der Unicredit Bank Austria. Bernkopf ist Mitglied mehrerer Aufsichtsräte, unter anderem jenem der Lenzing AG.

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