Windkraftindustrie

Windkraftkonzern Senvion droht Zerschlagung - Siemens Gamesa hat schon angeklopft

Für den Hamburger Windkraftkonzern Senvion gibt es kaum noch Hoffnung auf eine Rettung als Ganzes. Die Geldgeber geben dem Hersteller noch eine Schonfrist bis Ende August. Zu den Interessenten zählen Siemens Gamesa, Vestas und Toshiba - die aber eine Zerschlagung wollen würden, so Beobachter.

Für den Hamburger Windkraftkonzern Senvion gibt es kaum noch Hoffnung auf eine Rettung als Ganzes. Vorstandschef Yves Rannou ließ auf einer Betriebsversammlung durchblicken, dass er wohl nur für Teile des insolventen Unternehmens einen Käufer finden werde. Bis mindestens Ende August finanzierten die Gläubiger den Geschäftsbetrieb weiter, sagte Rannou in Hamburg.

Bis dahin sollen die Gespräche mit Investoren abgeschlossen sein, die Rannou eigentlich schon Ende Juni unter Dach und Fach haben wollte. Rannou erklärte, es gehe vor allem darum, das profitable Kerngeschäft zu retten. Deshalb kämen alle Geschäftsbereiche auf den Prüfstand. "Wir kämpfen für den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen", sagte der ehemalige GE-Manager.

Ein Hersteller mit 4.000 Mitarbeitern

Senvion beschäftigt 4.000 Mitarbeiter und war im April wegen Schwierigkeiten bei der Abwicklung einiger Großprojekte in die Insolvenz gerutscht. Auch die Gewerkschaft IG Metall hat die Hoffnung auf einen vollständigen Erhalt aufgegeben. "Auf den Mitarbeiterversammlungen ist deutlich geworden, dass ein Verkauf des Unternehmens als Ganzes immer unwahrscheinlicher wird" sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

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Mitarbeiter, die von einem neuen Eigentümer nicht übernommen werden, müssten in Transfergesellschaften aufgefangen werden, forderte Geiken. "Auch die Landesregierungen in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sind aufgefordert, alles dafür zu tun, um den Senvion- Beschäftigten in dieser schwierigen Situation zu helfen."

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Rannou schließt aber auch ein Scheitern der Gespräche mit möglichen Käufern für das Kerngeschäft nicht aus, die in einem "fortgeschrittene Stadium" seien. Senvion müsse sich auf alle Optionen vorbereiten, sagte er. Deshalb sollten kurzfristig Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über einen Sozialplan aufgenommen werden. Dieser soll für alle Mitarbeiter gelten, deren Bereiche nicht verkauft werden können.

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Die Nachrichtenagentur Reuters hatte schon vergangene Woche berichtet, dass sich der Verkaufsprozess verzögere. Eigentlich wollte Rannou bereits bis Ende Juni Klarheit haben, ob und wie es mit Senvion weitergeht. Die meisten Bieter wollten sich aber die "Rosinen herauspicken". Um "die Braut hübscher zu machen", wolle der Vorstand sich deshalb von verlustreichen Wartungs- und Service-Verträgen für Windräder trennen.

Zu den Interessenten zählten namhafte Konkurrenten wie Siemens Gamesa, die spanische Acciona, der dänische Marktführer Vestas und die japanische Toshiba. Rannou lenkt Senvion in der Insolvenz in Eigenverwaltung weiter selbst, ein Sachwalter überwacht den Prozess nur. (reuters/apa/red)

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