Zulieferindustrie

"Willkommen, Magna": Slowenische Wirtschaftsvertreter machen mobil

In Slowenien wehren sich Umweltschützer und Anwohner gegen die Ansiedlung eines neuen Werks von Magna. Dagegen machen jetzt wiederum Sloweniens Wirtschaftsvertreter mobil. Sie sagen: Die Investition sei ein wichtiger Wendepunkt - eine zweite Chance werde es nicht geben.

Nach immer mehr Hürden, die in Slowenien für das geplante Magna-Werk auftauchen, wurde in der nordöstlichen Region Stajerska (ehemalige Untersteiermark) ein Aufruf zur Unterstützung der Investition gestartet. Die dortige regionale Wirtschaftskammer "Stajerska gospodarska zbornica" sammelt Unterschriften, um das Magna-Projekt willkommen zu heißen, berichtete die Tageszeitung "Vecer".

Offiziell wird die Initiative "Willkommen, Magna" diesen Donnerstag gestartet. Am Flughafen von Maribor, der in unmittelbarer Nähe des künftigen Magna-Standortes steht, soll der Aufruf symbolisch verlesen werden, so die Zeitung. Schon jetzt kann im Internet eine Petition (www.magnawelcome.si) unterzeichnet werden. In den ersten Stunden seit Veröffentlichung der Internetseite haben das über 500 Menschen gemacht.

Magna-Europa-Chef Apfalter: Slowenien immer noch erste Wahl

Wie der Magna-Europa-Chef Günther Apfalter in einem Interview mit der Tageszeitung "Vecer" betonte, sei der Standort in Slowenien "vorerst noch immer die erste Wahl, wenn man in Kürze die offenen Fragen lösen wird".

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Sollte das nicht der Fall sein, werde Magna andere Optionen erwägen müssen, sagte Apfalter und fügte hinzu, dass er dieser Lösung nicht zugeneigt sei. Konkret nannte er keine Fristen zur Lösung der offenen Fragen, er betonte jedoch, dass man den Abschluss in den nächsten Wochen erwarte.

"Ein wichtiger Wendepunkt in der Region"

"Die geplante Magna-Investition ist ein wichtiger Wendepunkt: wenn sie nicht zustande kommt, wird es für die Region keine zweite Chance geben, der Schaden wird groß sein", hieß es in dem Aufruf. Laut den Unterstützern wird Magna nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch als Beispiel für andere Investoren dienen. Die Wirtschaftskammer will sowohl die Wirtschaftstreibenden als auch die Bevölkerung für die Unterstützung der Investition gewinnen.

Magna plant in der Gemeinde Hoce-Slivnica in der Nähe von Maribor zunächst die Errichtung einer Lackieranlage mit rund 400 Beschäftigten. Später soll in Slowenien ein komplettes Werk nach dem Vorbild des Magna-Steyr-Werkes in Graz hingestellt werden.

Der Standort in Slowenien ist noch nicht fix. Ob die Investition im Nachbarland tatsächlich realisiert wird, hängt vor allem davon ab, wie schnell man die Umwelt- und die Baugenehmigung bekommen wird. Der Bau der Lackieranlage sollte nämlich bereits in diesem Jahr starten, damit sie im Herbst 2018 in Betrieb gehen kann. Sollte sich in den nächsten Wochen das nicht lösen, kündigt Magna an, ein anderes Standort zu wählen.

Mehrere Schwierigkeiten tauchen auf

Eine Schwierigkeit ist die Umweltgenehmigung. Mehrere Umweltorganisationen äußerten Bedenken gegen das Werk, was die Ausstellung der Umweltgenehmigung monatelang verzögern könnte.

Eine andere, unerwartete Hürde ist auch ein jetzt  eingereichter Antrag für die Prüfung des Spezialgesetzes, das eigens für Magna verabschiedet wurde und die Investition im Nordosten des Landes ermöglicht hat.

Beim slowenischen Verfassungsgericht hat der prominente Anwalt Franci Matoz im Namen von drei Bauern einen Antrag eingereicht, die sich gegen die Enteignung ihrer Grundstücke wehren. Die Enteignungen sollen auf Basis des neuen Gesetzes "Lex Magna" stattfinden. Die Betroffenen hätten nicht einmal die Möglichkeit, sich gegen die Enteignung zu beschweren, so die Anwälte. Jetzt muss das Höchstgericht entschieden, ob es den Antrag zur Entscheidung annimmt. Der Herausgeber vom Boulevardportal Pozareport, Bojan Pozar, hat sich der Initiative angeschlossen. Er wohnt in der Nähe und ist von den Enteignungen nicht betroffen, befürchtet aber umweltschädliche Folgen, so slowenische Medien berichten.

Wirtschaftsvertreter hoffen auf schnelles Ende der Genehmigungsverfahren

Unterdessen hofft der slowenische Wirtschaftsminister Zdravko Pocivalsek, dass man die Enteignungsbestimmungen gar nicht anwenden müssen wird. Die Verhandlungen mit den verkaufswilligen Landbesitzern seien in der Endphase, der Staat wolle alles unternehmen, um Enteignungen zu verhindern, sagte er laut Nachrichtenagentur STA. "Wir haben ein offenes Ohr für alle mit guten Absichten. Denjenigen, die dieses Projekt auf Anweisungen von anderen zerstören wollen, werden wir nicht zuhören", sagte er.

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Wirtschaftsminister: Verhandlungen in der Endphase

Der Bürgermeister von Hoce-Slivnica, Marko Sorsak, befürchtet, dass Magna bei zu langwierigen Verfahren die Geduld verlieren könnte und das Projekt anstatt in Slowenien entweder in Ungarn oder in Kroatien realisieren würde.

Magna steht unter Zeitdruck

Magna möchte mit dem Bau in Slowenien, wo zuerst eine Lackieranlage mit rund 400 Mitarbeitern geplant ist, so schnell wie möglich beginnen. Der Vertrag mit der slowenischen Regierung wird laut Apfalter dann unterzeichnet, wenn Magna die Umwelt- und die Baugenehmigung bekommt.

Der Autozulieferer Magna hat seinen Hauptsitz in Kanada, große Standorte in Österreich und wurde von dem aus Österreich stammenden Kanadier Frank Stronach gegründet.

(red mit APA)

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