Wifo: Halbierung des Energiebedarfs bis 2050 möglich

Die heimische Elektrizitätswirtschaft sieht sich als Vorreiter in Sachen Klima- und Umweltschutz bei der Stromproduktion in Europa. Pro erzeugter Kilowattstunde wird nur in Schweden und Frankreich weniger Kohlendioxid ausgestoßen - wegen der Kernkraftnutzung. In Österreich seien die CO2-Emissionen der Strom- und Wärmeerzeugung seit 2005 um 32 Prozent gesenkt worden, in der EU im Schnitt nur um 17 Prozent, sagte die Generalsekretärin des Interessenverbandes Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, am Mittwoch, fünf Tage vor Beginn des Klimagipfels in Cancun.

"State of the art" seien heute hochmoderne kalorische Gas- und Dampf-Kraftwerke mit Null SO2 oder Feinstaub, so der Sprecher der Erzeugungs-Sparte Werner Steinecker von der Energie AG OÖ. In Cancun sollten "weder die EU noch Österreich mit unrealistischen Zielen vorpreschen", forderte Schmidt: "Es darf nicht zu teuren Alleingängen kommen, die dem Klima nichts bringen." Sie erinnerte daran, dass die E-Wirtschaft ab 2013 für jede Tonne CO2 Zertifikate erwerben muss, als einziger heimischer Industriesektor.

Halbierung des Energiebedarfs bis 2050 möglich Wifo-Klimaexperten Stefan Schleicher hält auch für Österreich eine Halbierung des Energieverbrauchs bis 2050 aus technologischer Sicht für möglich. An diesem verminderten Gesamtverbrauch werde sich der Anteil fossiler Energien von derzeit 70 Prozent drastisch auf maximal 20 Prozent verringern. Und der Stromanteil am gesenkten Gesamtverbrauch werde auf über 50 Prozent klettern. Potenziale gebe es bei Gebäuden, in der Mobilität und bei den Verlusten - diese drei Bereiche würden heute zwei Drittel des Energiebedarfs ausmachen. "Hochengagierte" Amerikaner

Im Vordergrund der künftigen Klimaschutz-Politik sieht Wifo-Experte Schleicher "sehr ambitionierte Technologieprogramme" stehen, etwa von den USA, besonders aber von China. Diese beiden CO2-Großemittenten, die zusammen mit Indien mehr als 50 Prozent der globalen Treibhausgase verursachen, seien zwar für kein internationales Abkommen für die Nach-Kyoto-Ära zu gewinnen, doch seien sie technologisch hoch engagiert. China habe die weltweite Führung bei Windturbinen übernommen und sei vor kurzem auch in der Photovoltaik die Nummer 1 geworden. Auch EAG-OÖ-Vorstandsdirektor Steinecker plädiert dafür, dass sich Europa und die EU bei Umwelt- und Energiethemen stärker Richtung China orientieren mögen. (APA/red)

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