Außenhandel

Wiener WIIW: US-Automarkt für Europäer längst nicht mehr Nummer eins

Die angedrohten Strafzölle Washingtons würden Europas Autobauer schmerzlich treffen - doch groß ist der Anteil der Exporte in die USA nicht mehr, so das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Sie machen nicht einmal einen Prozent aller Autoexporte der EU aus.

Die von der US-Regierung angedrohte Erhöhung der Importzölle für Autos würde Deutschland besonders hart treffen - die Autoexporte machen fast 30 Prozent der deutschen Ausfuhren in die USA aus. Auch Schweden, Italien, England und die Zulieferländer Ungarn, Slowakei, Tschechien, Polen und Österreich wären betroffen, hat das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) errechnet.

Nicht einmal ein Prozent Gesamtanteil

Von der angekündigten Erhöhung des Einfuhrzolls von derzeit 2,5 Prozent auf 25 Prozent wären 13 Prozent der EU-Exporte in die USA betroffen, schreibt das WIIW in einer aktuellen Analyse. Allerdings sei das nicht einmal 1 Prozent aller EU-Exporte (inklusive Intra-EU-Handel) und nur rund 2 Prozent der EU-Autoexporte.

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Recht schmerzhaft wäre die Maßnahme auch für die Autoexporteure Schwedens, Italiens und Großbritanniens. Autos machen rund 16 Prozent der schwedischen Ausfuhren in die USA aus sowie 12 Prozent der italienischen und britischen Exporte in die USA. Für die Slowakei macht der US-Markt sogar 60 Prozent der Autoexporte aus, für Ungarn 28 Prozent und für Österreich 10 Prozent.

Zulieferländer Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien betroffen

Die deutsche Autoindustrie exportierte im Jahr 2015 Fahrzeuge im Wert von 36 Mrd. Dollar (aktuell 30,7 Mrd. Euro) in die USA, das sind waren 15 Prozent aller deutschen Autoexporte und 2,7 Prozent aller deutschen Ausfuhren. Für das Zulieferland Österreich betrug dieser Wert rund 1 Mrd. Dollar, etwa 0,7 Prozent der österreichischen Exporte insgesamt.

Noch stärker als die deutsche Wirtschaft wären weltweit gesehen die Volkswirtschaften Mexikos, Südkoreas, Kanadas und Japans betroffen. Fast 3 Prozent der Wertschöpfung Mexikos basieren direkt oder indirekt auf den US-Autoexporten, bei Deutschland, Korea, Kanada und Japan ist es rund 1 Prozent.

EU: 600.000 Arbeitsplätze hängen an Exporten in die USA

In der EU sind rund 600.000 Arbeitsplätze von den Exporten in die USA abhängig, das entspricht 0,3 Prozent der Gesamtbeschäftigung. Die Hälfte dieser Arbeitsplätze entfällt auf Deutschland, in Österreich sind es 16.000.

Wie sehr diese Jobs durch die Zollerhöhung bedroht sind, hänge vor allem davon ab, wie stark die US-Importe auf Preiserhöhungen reagierten und wie andere Länder - etwa China - darauf reagierten, schreibt das WIIW in seiner Analyse.  (apa/red)

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