Autoindustrie

Wieder Prevent: Streik bei Konzerntochter blockiert VW und Opel

Im Jänner hat die bosnische Gruppe Prevent wieder einen Autozulieferer in Deutschland gekauft, diesmal ist es die auf Motorblöcke spezialisierte Firma NHG. Jetzt macht ein Streik bei NHG vielen Autobauern Probleme, darunter Volkswagen und Opel.

Beim Zulieferer Neue Halberg Guss (NHG) gibt es einen Streik, der sich auf die gesamte Autoindustrie auswirkt. Der Hersteller gehört seit Jänner zur umstrittenen Firmengruppe Prevent, hinter der die bosnische Eigentümerfamilie Hastor steht.

Übernahme durch Prevent im Jänner

NHG ist auf die Produktion von Motorblöcken spezialisiert und hat seinen Hauptsitz im deutschen Bundesland Saarland. Mitarbeiter von NHG haben zuletzt die Blockade des Leipziger Werks fortgesetzt. Sie bildeten eine Menschenkette, um die Einfahrt von Lastwagen in das Lager zu verhindern. Mehrere Lkw stauten sich auf der Straße vor dem Werk. Die Sperrung der Zufahrt solle bis kommenden Freitag dauern, sagte Heinz Volkmer, Mitglied der IG-Metall-Streikleitung.

Auswirkungen auf gesamte Industrie

Dieser Streik schlägt inzwischen bei Abnehmern in der Automobilindustrie durch. "Fakt ist, im Moment können wir durch den Streik nicht ausliefern, nicht produzieren. Das wirkt sich natürlich bei unseren Kunden aus", sagte ein Sprecher der Prevent-Gruppe.

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VW teilte mit: "Es gibt erste Beeinträchtigungen der Produktion, die wir jedoch über Flexibilisierungsmaßnahmen auffangen können." Die Fertigung laufe weiter. Welche Standorte betroffen sind, sagte eine Sprecherin nicht.

Probleme bei VW, Opel und Lastwagenherstellern

Auch Opel hat als Folge des Arbeitskampfes mit Engpässen zu kämpfen. Im Werk Eisenach würden deshalb für Juli geplante Schließungstage in den Juni vorgezogen, teilte ein Sprecher der PSA-Tochter mit. Kurzfristig sei die Produktion in anderen Fahrzeugwerke nicht betroffen. "Wir arbeiten weiterhin mit dem Lieferanten zusammen, um das Problem zu lösen. Wir ergreifen zudem selbstverständlich alle verfügbaren Maßnahmen, um die Auswirkungen auf unsere Produktionsplanungen möglichst klein zu halten", sagte der Opel-Sprecher.

Neben VW und Opel gehören alle großen Autobauer und mehrere Lkw-Hersteller zu den Kunden von NHG.

Leipziger Werk bedroht, Einschnitte auch in Saarbrücken

Die IG Metall will mit dem Arbeitskampf einen Sozialtarifvertrag bei dem Zulieferer durchsetzen. Nach ihren Angaben will NHG das Werk in Leipzig mit 800 Mitarbeitern schließen, in Saarbrücken sollen 300 von aktuell 1.500 Stellen wegfallen. Grund ist, dass sich Volkswagen als Hauptkunde von NHG zurückzieht.

Die Geschäftsführung von Neue Halberg Guss hatte sich am Wochenende an die Belegschaft gewandt und ein Ende des Streiks gefordert. "Noch haben wir Kunden, die uns vertrauen - aber mit jedem Tag, den die Kunden auf Lieferungen warten und durch den Streik in ihrer Existenz bedroht sind, verlieren wir Vertrauen und Sie streiken sich selbst in die Arbeitslosigkeit", schrieb Geschäftsführer Alexander Gerstung in einem offenen Brief, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

Streit zwischen VW und Prevent geht weiter

Volkswagen liegt seit längerem im Streit mit Prevent, hinter der die bosnische Unternehmerfamilie Hastor steht: 

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Die Osteuropäer waren vor zwei Jahren in die Schlagzeilen geraten, als die zu ihrem Imperium gehörende Prevent-Gruppe mit Volkswagen erbittert über die Lieferung von Teilen gestritten und zeitweise die Produktion des Autobauers lahmgelegt hatte. (Reuters/dpa/APA/red)

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