KV-Verhandlungen

Wie die Metaller, so die Eisenbahner: Streik Montag Mittag, Pendlerverkehr nicht betroffen

Auch im Bereich der Bahn kommt es - im Zuge von verfahrenen KV-Verhandlungen - am Montag zu österreichweiten Warnstreiks. Zwischen 12 und 14 Uhr soll die Arbeit niedergelegt werden. Verzögerungen nach 14 Uhr seien zwar nicht ausgeschlossen, der Unterbrechungen Pendlerverkehr sollen jedoch vermieden werden.

Am Montag soll zwischen 12 und 14 Uhr gestreikt werden. Der Pendlerverkehr soll nicht betroffen sein, wie und ob sich der Ausstand auf den Logistikdienstleister RailCargo auswirkt ist unklar.

Welche Strecken bei dem Warnstreik konkret betroffen sind, ließ die Gewerkschaft heute vida offen. Fix ist: Die Arbeit wird am Montag zwischen 12 und 14 Uhr niedergelegt, was bedeutet, dass weitere Verzögerungen nach 14 Uhr nicht ausgeschlossen werden können. Störungen im Pendlerverkehr sollen so allerdings vermieden werden.

"Geiselhaft"?

Die Arbeitgeberseite kritisierte die Eskalation seitens der Gewerkschaft als "absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar". Man habe in der achten Runde, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag abgebrochen worden war, ein "substanzielles und faires Angebot unterbreitet" unterbreitet. Das Angebot der Arbeitgeber sei "deutlich über 3 Prozent, wirksam ab 1.1. 2019 gelegen. Dazu kommen weitere Änderungen im Rahmenrecht", sagt Arbeitgeberverhandler Thomas Schreiber. Er fühle sich in "Geiselhaft" genommen, wenn die Eisenbahner wegen der von der Bundesregierung eingeführten 12-Stunden-Tages-Regelung streiken würden. Denn die Eisenbahner hätten ohnehin schon 12-Stunden-Schichten. Die Bahn biete 3 Prozent Lohnerhöhung bei einer Inflation von 2 Prozent, das sei eine Reallohnerhöhung um einen Prozentpunkt. Im Gegenzug würden sich alle Forderungen der Gewerkschaften zusammen auf eine Erhöhung von 10 Prozent belaufen. Käme es zu so überproportionalen Erhöhungen, müsste die Bahn die Tarife erhöhen oder mehr Bundesmittel verlangen.
 

"Almosen"?

"Die Gremien der Gewerkschaft vida haben nach intensiven Beratungen einstimmig über alle Fraktionen hinweg österreichweite Warnstreiks im gesamten Eisenbahnsektor beschlossen", sagte hingegen vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit und der Vorsitzende des Fachbereichs Eisenbahn, Günter Blumthaler. "Die Arbeitgeber haben uns keine Wahl gelassen. Die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner haben Österreich zum Bahnland Nummer eins in der EU gemacht und lassen sich nicht mit Almosen bei den Gehaltserhöhungen abspeisen. Das letzte Angebot der Arbeitgeber hat inflationsbereinigt im Schnitt lediglich 15 Euro brutto im Monat ausgemacht", kritisierte Hebenstreit. Das Angebot sei "lächerlich".

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Die Eisenbahner werden am Montag zwischen 12 und 14 Uhr die Arbeit niederlegen. Wo und welche Bahngesellschaften genau, ließ vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit am Freitag im "ORF-Mittagsjournal" noch offen. Weitere Verzögerungen nach 14 Uhr seien aber nicht ausgeschlossen, räumte er ein. Ausdrücklich sei die Zeit gewählt worden, um den Pendlerverkehr möglichst wenig zu stören.

"Wir wollen die Unterstützung der Fahrgäste nicht verlieren und werden deshalb bei diesem ersten Warnstreik besonders Rücksicht nehmen auf die Pendlerinnen und Pendler", so Hebenstreit. Bisher hätten Umfragen großes Verständnis der Fahrgäste ergeben. Auch sei die Gewerkschaft das ganze Woche verhandlungsbereit - sollten die Arbeitgeber ein stark nachgebessertes Angebot vorlegen.

Hebenstreit erneuerte die Forderung nach einem "fairen Angebot, das sich aus der Inflationsabgeltung sowie aus einem gerechten Anteil am Wirtschaftswachstum sowie aus der stark gestiegenen Produktivität der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sowie Verbesserungen im Rahmenrecht zusammensetzen muss". Eine Prozentzahl nennen die Arbeitnehmer nicht offiziell. Dem Vernehmen nach sollen es 5 Prozent sein. "Unseren Forderungen werden wird jetzt mit gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen Nachdruck verleihen. Sollte sich die Wirtschaftskammer endlich zu einem fairen Angebot durchringen können, sind wir gerne bereit, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren."

Die Arbeitgebervertreter fühlen sich indes in ihrer Initiative einer vorzeitigen freiwilligen Gehaltserhöhung in Höhe von 3 Prozent bestätigt. "Es war wichtig, dass die überwiegende Mehrheit der Eisenbahnunternehmen der Empfehlung des Fachverbandes gefolgt und in Vorleistung gegangen sind, indem sie rückwirkend mit Oktober 2018 die Gehälter um 3 Prozent angehoben haben", so Scheiber zum Vorgehen der Arbeitgeber, das für die Gewerkschaft eine Provokation darstellt. "Damit haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Weihnachten auf alle Fälle eine Gehaltserhöhung auf dem Konto", so der Arbeitgebervertreter. Im Bahn-KV geht es um die Löhne und Gehälter für rund 40.000 Beschäftigte in gut 60 Firmen. Das mit Abstand größte Unternehmen sind die Österreichischen Bundesbahnen.

Der private Bahnanbieter Westbahn hat heute vormittag in einer Aussendung übrigens angekündigt, nicht am Streik teilzunehmen. Kunden müssten sich allerdings auf Verspätungen einstellen, da Streiks bei anderen Bahnunternehmen Auswirkungen auf die Züge der Westbahn haben könnten. Sowohl Management als auch Betriebsrat hätten den 400 Mitarbeitern nicht empfohlen an den Streikhandlungen teilzunehmen. (apa/red)

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