Analyse

Widersprüchliches aus der Baubranche

Der Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer Deloitte ortet in einer Studie zur europäischen Baubranche einen Aufwärtstrend, der nach Ansicht der Berater voraussichtlich in den beiden kommenden Jahren anhalten soll. Kürzlich ortete allerdings Strabag-Chef Thomas Birtel eine Pleitewelle auf die Branche zurollen.

"Die europäische Baubranche setzt ihr moderates Wachstum fort", so Alexander Hohendanner, Industrieexperte von Deloitte Österreich in einer Aussendung. Die positive Entwicklung der Baubranche habe auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. "Erstmals seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise werden in der Europäischen Union wieder mehr Arbeitsplätze im Bausektor geschaffen", so Hohendanner.

Strabag-Chef Thomas Birtel wiederum sieht sein Unternehmen zwar auf Kurs, rechnet aber mit einer Reihe von Pleiten in der Branche. Vor allem in Österreich herrschten Überkapazitäten und Preisdruck. "Es ist eine seltsame Situation: Es gibt nicht mehr Nachfrage, dennoch gibt es keine Insolvenzwelle", sagte er zum "Wirtschaftsblatt". "In Deutschland hat diese Situation auch zehn Jahre angehalten und dann verschwanden viele Player in relativ kurzer Zeit", erinnerte Birtel. Der Preiskampf bleibe hart.

Strabag auf Platz 6 in Europa

Der europäische Bausektor wird von französischen und spanischen Konzerne dominiert. Der größte Baukonzern Europas ist die französische Vinci mit einem Umsatz 2014 von 38,7 Milliarden Euro, gefolgt von der spanischen ACS (34,8 Milliarden Euro), der französischen Bouygues (33,1 Milliarden Euro), der schwedischen Skanska (15,7 Milliarden Euro), der französischen Eiffage (13,9 Milliarden Euro) und der österreichischen Strabag (12,5 Milliarden Euro).

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Die Margen der Konzerne seien im Schnitt gestiegen - häufig vor allem in Geschäftsbereichen abseits der Bauindustrie, heißt es in der Deloitte-Studie. Mit stärkerer Diversifizierung gehe normalerweise auch eine höhere Verschuldung einher.

Wettbewerb vor allem mit China

Im weltweiten Vergleich befinden sich europäische Baukonzerne vor allem im Wettbewerb mit chinesischen Baukonzernen. Vor Vinci und ACS führen vier chinesische Marktteilnehmer die globale Rangliste der größten Baukonzerne an. Auf Rang eins liegt die China State Construction Engineering Corporation mit einem Umsatz von mehr als 70 Mrd. Euro im Jahr 2014 und Bauprojekten in mehr als 20 Ländern. (apa)

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