Bahnindustrie

Westbahn will ihre neuen Züge in China bestellen - ÖBB interessiert

Medienberichten zufolge will der private Bahnbetreiber Westbahn neue Züge bei einem Hersteller in China kaufen. Die ÖBB zeigen Interessen an den Zügen, die bei der Westbahn heute im Einsatz sind. Die Westbahn erklärt dazu, man müsse "jede Opportunität nutzen."

Züge aus China sind am Weltmarkt zu einem gefürchteten Machtfaktor geworden - auf Österreichs Bahnstrecken waren die Garnituren von Herstellern wie CRRC bisher absolute Exoten. Das will die Westbahn nun ändern. Der private Bahnbetreiber will offenbar chinesische Züge auf die Gleise zwischen Salzburg und Wien schicken. 

Größter Anteilseigner der Westbahn ist die Familienstiftung von Hans Peter Haselsteiner mit knapp der Hälfte der Anteile. Derzeit hat die Westbahn Garnituren des Schweizer Herstellers Stadler Rail im Einsatz. Das ist dem Betreiber offenbar künftig zu teuer.

Aber auch anderweitig hegt man bei der Westbahn offenbar keine Überlegungen zum Vorteil von Herstellern am eigenen Standort oder in Europa: Bei der jüngsten Bestellung ist weder von Bombardier noch von Siemens die Rede, die beide große Standorte in Österreich betreiben.

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ÖBB an den Zügen der Westbahn interessiert

Nun wollen die ÖBB der Westbahn alle 17 Züge abkaufen, berichtet der "Kurier" online. Seitens der ÖBB heißt es: "Wenn es auf dem Markt die Möglichkeit gibt, weiteres Zugmaterial zu bekommen, dann sehen wir uns das an. Damit können wir ältere Garnituren - wie die auslaufenden 4020er - möglicherweise früher austauschen."

Zu den Details der Ausschreibung könne man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Der Kauf der Westbahn oder eines anderen Unternehmen sei kein Thema, heißt es in einem schriftlichen Statement der ÖBB gegenüber der APA.

Westbahn bestellt ihre neuen Züge in China

Die Westbahn wiederum will dem Vernehmen nach beim großen chinesischen Bahnhersteller CRRC neue Triebwagengarnituren kaufen, schreibt der "Kurier".

Dieser staatliche Bahnriese wurde aus der Fusion der beiden Konzerne China South Locomotive & Rolling Stock Corporation (CSR) und CNR Corporation gebildet. In den letzten Jahren reagierten Siemens und Bombardier darauf mit dem Versuch einer Fusion ihrer Bahnsparten, wobei sich die westlichen Hersteller nicht einigen konnten. Dagegen haben sich Siemens und Alstom auf eine Fusion der Bahnsparten geeinigt - was vor wenigen Monaten von der EU-Kommission verboten wurde. Details dazu: 

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Haselsteiner als größter Anteilseigner

Die Westbahn fährt seit 2011 auf der Strecke Wien-Salzburg und positioniert sich so gegen die ÖBB. Größter Anteilseigner der Westbahn ist die Haselsteiner Familien-Privatstiftung mit 49,9 Prozent, die dem Bauindustriellen Hans Peter Haselsteiner gehört. Haselsteiner wiederum ist Miteigentümer der Strabag, des größten österreichischen Baukonzerns - zu dessen größten Auftraggebern jahrzehntelang die ÖBB gehört haben.

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Weitere Anteilseigner der Westbahn-Muttergesellschaft Rail Holding sind die Schweizer Augusta Holding des Unternehmers Erhard Grossnig mit 32,7 Prozent und die französische Staatsbahn SNCF mit 17,4 Prozent.

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Westbahn: "Jede Opportunität nutzen"

Die Westbahn selbst äußert sich dazu laut Zeitung wie folgt: "Da die Westbahn das einzige Bahnunternehmen in Österreich ohne Subventionen mit Steuergeld ist, müssen die Westbahn und ihre Eigentümer jede Opportunität nutzen, die sich bietet, um die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens langfristig abzusichern. Eine Opportunität besteht darin, dass die Westbahn (anders als Staatsbahnen) viel rascher Fahrzeuge bestellen und damit geliefert erhalten kann. Zusammen mit dem neu entstandenen Gebrauchtzugmarkt entsteht dadurch eine Chance. Die Westbahn plant daher, mit dem am schnellsten lieferfähigen Qualitäts-Lieferanten auf dem Weltmarkt ein noch weiter verbessertes Zugkonzept für Doppelstockzüge mit 200km/h rasch umzusetzen und gleichzeitig damit dem Bahnverkehr die schnelle Bereitstellung von jungen Gebrauchtzügen zu ermöglichen." (apa/red)

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