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Welcher europäische Manager verdient am meisten? Ein Österreicher

Der Österreicher Severin Schwan ist der bestbezahlte Chef eines europäischen Großkonzerns. Der 49-Jährige kassiert für die Führung des Schweizer Pharmariesen Roche eine Direktvergütung von über 13 Millionen Euro pro Jahr.

Severin Schwan, Jahrgang 1967, studierte an der Universität Innsbruck Wirtschaft und Jus.

Der Österreicher Severin Schwan ist der bestbezahlte Chef eines europäischen Großkonzerns. Der 49-Jährige, der seit 2008 den Schweizer Pharmariesen Roche führt, löste im vergangenen Jahr mit einer Direktvergütung von 13,2 Millionen Euro Reckitt-Benckiser-Chef Rakesh Kapoor als Top-Verdiener ab, wie aus einer Studie der Vergütungsberatung hkp hervorgeht.

2015 war Schwan noch auf Platz drei unter den Chefs der 74 wichtigsten börsennotierten Unternehmen gelegen. Schwan, Jahrgang 1967, hat die österreichische und die deutsche Staatsbürgerschaft. Er studierte an der Universität Innsbruck Wirtschaft und Jus und promovierte 1993.

Managerlöhne: Schweiz und Großbritannien "die amerikanischsten Länder in Europa"

Mit UBS-Chef Sergio Ermotti (12,3 Millionen) und Joseph Jimenez von Novartis (10,0 Mio. Euro) kommen drei der vier Spitzenreiter der Rangliste von Schweizer Konzernen, nur SAP-Chef Bill McDermott bricht mit 11,9 Mio. Euro in die Phalanx ein.

Für hkp-Chef Michael Kramarsch ist die Schweizer Dominanz keine Überraschung. "Die Schweiz und Großbritannien sind, was die Vergütung betrifft, seit Jahren die amerikanischsten Länder in Europa", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Löhne in den USA nochmals dreimal höher

In den USA verdienen die Vorstandschefs nach Berechnungen der Berater im Schnitt dreimal so viel wie ihre Kollegen in Europa. "Amerika lebt quasi auf einem anderen Planeten. Hier treibt der Shareholder-Value-Gedanke seine Blüten." Fast 90 Prozent der Vergütungen entfallen dort auf Boni - zumeist in Aktien -, in Europa sind es rund drei Viertel. Spitzenverdiener in den USA war 2016 Nike-Chef Mark Parker mit 42 Mio. Euro.

In Deutschland dämpften laut Kramarsch dagegen die Mitbestimmung und die öffentliche Debatte die Spitzengehälter. Das Mitspracherecht der Aktionäre, das es in Großbritannien und der Schweiz schon lange gibt, bremst die Gehaltsentwicklung dort dagegen nicht.

Auch die Schweiz spielt in einer eigenen Liga

Europaweit gingen die Gehälter der Vorstände 2016 im Schnitt der Stoxx-Unternehmen sogar um 3,7 Prozent auf 6,02 Mio. Euro zurück - obwohl die Gewinne um sechs Prozent und der Börsenwert im Schnitt um knapp zwei Prozent zulegten. "Wir sehen eine moderate Seitwärtsbewegung", sagte Kramarsch. Am besten bezahlen nach den hkp-Berechnungen die Gesundheits- und die Konsumgüter-Branche.

Kärntner Brabeck-Letmathe kassiert fünf Millionen im Jahr

Bei der Vergütung der Aufsichtsgremien spielt die Schweiz in einer eigenen Liga. Nestle-Verwaltungsratschef Peter Brabeck-Letmathe - ebenfalls ein Österreicher - und sein UBS-Kollege, der ehemalige Bundesbank-Präsident Axel Weber, erhielten im vergangenen Jahr jeweils mehr als 5 Mio. Euro.

Im Schnitt verdienen Verwaltungsratschefs in der Schweiz siebenmal mehr als deutsche Aufsichtsratschefs von Großkonzernen. "Der Verwaltungsrat führt das Unternehmen, er überwacht es nicht nur", erklärt Kramarsch. Doch auch wenn der Posten als Vollzeit-Job anerkannt sei, lasse sich der Vorsprung damit nicht erklären. Schließlich seien auch Aufsichtsratschefs in Deutschland im Schnitt zwei Tage pro Woche für ihr Unternehmen tätig. (reuters/apa/red)

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