Chemische Industrie

Weiter Widerstand gegen Minex-Werk in Zeltweg

Steht das Magnesiumhydroxid-Werk, das im nächsten Jahr gebaut werden soll, trotz erfolgter UVP und Baubewilligung wieder auf der Kippe?

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Heinz Brunold und Ulrich Koch (Firma Minex) auf dem Areal in Zeltweg

Trotz einer erteilten Baubewilligung nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung wollen sich Anrainer im obersteirischen Zeltweg weiterhin gegen ein geplantes Verhüttungswerk in Zeltweg, durch das angeblich Asbest in die Umwelt gelange, wehren. Seit rund sechs Jahren liegen die Pläne der Firma Minex vor und mehrere Gutachten wurden eingeholt. Die Gegner des Werks, das am Ex-ÖDK-Gelände entstehen soll, haben am Donnerstag ein neues knapp 200 Seiten starkes Gutachten vorgelegt.

Auftraggeber des zusätzlichen Gutachtens war der Zeltweger Gemeinderat Anton Hartleb (Grüne Bürgerliste Zeltweg). Er bat den Sachverständigen Aron Ewald Vrtala, die vorliegenden Erkenntnisse der Behörden zu überprüfen. Dieser kritisierte, dass bisher nur die unmittelbaren Emissionen des Werks im Umweltverträglichkeitsverfahren betrachtet worden seien, nicht aber die mittelbaren.

Vrtala warnte davor, dass die in die Luft abgegebenen Asbestfasern besonders im Winter bei Inversionslagen nicht aus dem Aichfeld hinausgetragen würden, sondern auf den Boden niederfallen und dort neuerlich aufgewirbelt werden. Sie würden sich in gewissen Bereichen anreichern und etwa durch Windstöße in erhöhter Konzentration in die Atemwege gelangen können. Gesundheitliche Schäden bis hin zu Krebs könnten die Folge sein, besondern für jene, die noch Jahrzehnte in Kontakt mit der Belastung seien. Das Werk sei von den Projektwerbern auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt. "Das ist eine systematische Anreicherung von Asbestfasern in der Umwelt", sagte der Gutachter.

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Ulrich Koch, Geschäftsführer der Minex, sagte auf APA-Nachfrage, dass Baubeginn Mitte August sein wird. Zunächst werde eine Fischaufstiegshilfe gebaut, das tatsächliche Werk wird ab 2022 gebaut und soll dann nach etwa eineinhalb Jahren Bauzeit sowie einem halben Jahr Probetrieb in den Vollbetrieb übergehen.

Koch meinte, dass die Inhalte des neu aufgelegten Gutachtens nicht neu seien: "Da gibt es keine neuen Sachbeweise, das wurde alles schon vielfach überprüft." Er sehe daher auch weiteren angekündigten Rechtsmitteln entspannt entgegen. Er meinte, dass die Gegner die Bevölkerung verängstigen würden. "Wir gehen davon aus, dass hier gar keine Asbestfasern in die Luft gelangen." Der Gutachter habe lediglich die Grenzwerte hochgerechnet.

Seitens des Landes Steiermark hieß es, dass das UVP-Verfahren seit dem Vorjahr rechtskräftig sei: Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) habe die Revisionen des WWF Österreich, des Naturschutzbunds Steiermark und zweier Anrainer zurückgewiesen. "Der VwGH hat über die Revisionen ausgesprochen, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für deren Einbringung nicht erfüllt waren. Die Revisionswerber konnten in ihren Revisionen demnach nicht darlegen, dass das Bundesverwaltungsgericht von den rechtlichen Leitlinien der höchstgerichtlichen Rechtsprechung abgewichen ist."

In der Folge haben die Gemeinden Zeltweg, Fohnsdorf, Judenburg, Knittelfeld und Spielberg beschlossen, ein unabhängiges Gutachten eines Asbest-Spezialisten auf Kosten der Gemeinden einzuholen. Er überprüfte, welche mögliche Gesundheitsgefährdung durch Asbest, das bei der Verhüttung von Gestein entsteht, vorliegt. Er sah laut Land "bei Einhaltung aller Vorgaben keine Gefährdung für die Bevölkerung". Damit war für die Bürgermeister der fünf Gemeinde klar, dass keine Gefahr von der geplanten Minex-Verhüttungsanlage für die Bewohnerinnen und Bewohner ausgeht. Zudem stimmte Minex einem Monitoring zu.

Laut Geschäftsführer Koch ist für das Werk geplant, dass Gestein aus den beiden Steinbrüchen Preg und St. Stefan ob Leoben nach Zeltweg transportiert und dann die Inhaltsstoffe in Salzsäure bei einem thermischen Prozess ausgelöst und zerlegt werden. Gewonnen werde damit unter anderem Magnesiumhydroxid, das als Flammschutzmittel beispielsweise Kunststoffbauteilen beigemengt werden muss, damit diese weniger leicht Feuer fangen. (apa)